Purkersdorf

Erstellt am 11. April 2018, 05:16

von Martin Gruber-Dorninger

Cipak verlässt die FPÖ. Einziger Gemeinderat fungiert künftig als „wilder“ Mandatar. „Das hat nichts mit der Politik von HC Strache zu tun“, sagt er im Gespräch mit der NÖN.

privat  |  NOEN

Die Anzahl der Gemeindemandatare der FPÖ ist relativ überschaubar. Martin Cipak hielt bisher als einziger die Fahnen der Blauen hoch. Doch das gehört seit dieser Woche auch der Vergangenheit an. Cipak legte seine Mitgliedschaft zurück und ist bis zum Ende der Legislaturperiode als „wilder Mandatar“ im Gemeinderat unterwegs.

„Einige Akteure der FPÖ haben ein Wesen an den Tag gelegt, wo ich nicht mehr mitspielen will und mitspielen kann“

„Mit der aktuellen Politik von HC Strache hat das nichts zu tun“, leitet Cipak das Gespräch ein. Es seien vielmehr mehrere Mosaiksteinchen gewesen, die ihn nun dazu bewogen haben, der FPÖ den Rücken zu kehren. „Einige Akteure der FPÖ haben ein Wesen an den Tag gelegt, wo ich nicht mehr mitspielen will und mitspielen kann“, führt Cipak seine Entscheidung aus.

Das Fass zum Überlaufen brachte, seiner Meinung nach, eine Aussage von FPÖ-Nationalratsabgeordnetem Wolfgang Zanger, wonach die Mindestsicherung auch niedriger sein könne, wenn Bezieher lernen würden, mit weniger Geld auszukommen. „Ich habe für mich nun die Entscheidung getroffen, dass ich mit dieser Art von Politik nichts mehr zu tun haben möchte“, begründet Cipak.

Die Scheinheiligkeit so mancher Nationalratsabgeordneter im Landwirtschaftsausschuss, was das Glyphosatverbot betrifft, seien ihm ebenfalls sauer aufgestoßen. Seitens der Stadt-FPÖ habe er auch hin und wieder Druck verspürt.

„Wenn ich gegen alles bin, dann bringe ich nichts weiter und kann dann auch nichts umsetzen.“ Martin Cipak

„Nicht von Innenminister Herbert Kickl“, der zwar auch Mitglied der Stadtpartei sei, sich aber dort sehr unauffällig verhalte. „Es gab Stimmen, die mit meiner konstruktiven Art im Gemeinderat eher nicht so zufrieden waren. Ich solle mich mehr von den anderen abheben, wurde mir gesagt“, so Cipak über die Situation in der Stadtpartei. Das widerstrebte ihm aber, denn er wolle sich nicht künstlich abheben, er wolle konstruktiv arbeiten. „Wenn ich gegen alles bin, dann bringe ich nichts weiter“, erklärt Cipak.

Mit Pauschalverurteilungen fange er auch nichts an. „Ich habe teilweise harte Meinungen, schere aber nie alle über einen Kamm“, so Cipak. Sollte ihm einmal ein Vorfall von Flüchtlingen zu Ohren gekommen sein, dann habe er nie die Flüchtlinge verurteilt, „immer nur den Flüchtling, wenn er Blödsinn gemacht hat.“

Wie geht es jetzt weiter? – Cipak will nach wie vor im Gemeinderat bleiben, dies allerdings als „wilder Mandatar“. „Ich werde mit allen Fraktionen Gespräche führen. Werde eine normale konstruktive Arbeit anstreben, was bisher auch ganz gut funktioniert hat. Dann schauen wir weiter“, zeigt sich Cipak zunächst etwas zugeknöpft.

Eigene Bürgerliste ist durchaus möglich

Ob er zu einer anderen Fraktion gehen werde, stehe für ihn noch in den Sternen. „Kommt darauf an, wie die anderen sich mir und meiner Politik gegenüber öffnen. Ich werde bestimmt nicht meine Grundgesinnung ändern und ich werde sicher jetzt kein Grüner“, scherzt Cipak. Am ehesten könne er sich eine Zusammenarbeit mit Karl Schlögl vorstellen. „Ich war immer schon ein Fan und ich achte ihn. Sollte Schlögl weitermachen, könnte ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen“, so Cipak. Dies habe aber nur mit der Person Schlögl zu tun, nicht mit der SPÖ. Doch das sei nicht seine einzige Möglichkeit.

Nachdem ein wenig Gras über den Austritt gewachsen ist, möchte Cipak einen Informationsabend machen, um dort Informationen auszuloten. „Es kann auch sein, dass mich der Teufel reitet und ich eine Bürgerliste aufziehe. Unabhängig von jeglichen Parteiinteressen“, will sich Cipak aber erst im Herbst darüber Gedanken machen.