Baustopp: „Keine Notwendigkeit“. Ex-Stadtrat Josef Baum kritisiert Bebauungsplan und Baustrategie der Stadt. „Alles transparent“, hält Stadtspitze dagegen.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 16. Januar 2019 (04:15)
Marlene Trenker
Marlene Trenker

Klosterneuburg hat einen, Pressbaum hat einen, Purkersdorf hat bisweilen keinen. Die Rede ist vom Baustopp. In der Wienerwald-Metropole entsteht derzeit Wohnhaus um Wohnhaus. Da macht sich der eine oder andere alteingesessene Purkersdorfer Sorgen um das Ortsbild. Doch kann ein Baustopp hier geordnet eingreifen?

Einer der merkwürdigsten Bauten entstand zuletzt an der Kreuzung Hardt Stremayr-Gasse - Linzerstraße. Ein vierstöckiger Wohnbau ist bis auf wenige Zentimeter an ein Einfamilienhäuschen gebaut und überragt dieses meterhoch. „Dieser Bau ist in jeder Hinsicht ein Fiasko. Die Bewohner des Wohnhauses beklagen sich nun über den Rauch vom kleinen Haus“, versteht der ehemalige Stadtrat, mit Ambition zur Rückkehr in den Gemeinderat, Josef Baum die eine oder andere Baugenehmigung nicht. Der Fall dieser „Wohnbaukombination“ landete auch bei verschiedensten Behörden und vor dem Gericht und wurde nach einigen Anpassungen dann genehmigt.

„Dieser Bau ist in jeder Hinsicht ein Fiasko. Die Bewohner des Wohnhauses beklagen sich nun über den Rauch vom kleinen Haus.“ Josef Baum

Das sei nur ein Beispiel dafür, das zeigt, dass verschiedene Bauprojekte in Purkersdorf aus dem Ruder gelaufen seien, so Baum weiter. „In der Kaiser Josef-Straße wurde bei einem Anrainer 30 Zentimeter an den Balkon herangebaut. Bei einem weiteren Bau wurde es verabsäumt, den zentralen Baugrund für öffentliche Infrastruktur zu nutzen“, beklagt Baum, dass die Wirtschaftskammer Interesse gezeigt hätte, ihre Zentrale dort zu errichten. Sie baute stattdessen in der Tullnerbachstraße.

Baum drängt daher auf einen Baustopp. „Dieser soll dazu dienen, durch einen neuen Bebauungsplan vom Diktat der Einzelinteressen wegzukommen. Und so eine überlegte, geordnete Gesamtbebauung herstellen“, will Baum in der Gemeinde eingehend über Bebauungsziele diskutiert wissen.

Gruber-Dorninger
Bürgermeister Stefan Steinbichler (r.) und Vizebürgermeister und Baustadtrat Viktor Weinzinger verteidigen die Bauaktivitäten in Purkersdorf.

Für Bürgermeister Stefan Steinbichler sowie Vizebürgermeister und Baustadtrat Viktor Weinzinger besteht dazu derzeit keine Notwendigkeit: „Ein Baustopp müsste im Gemeinderat beschlossen werden und hätte eine maximale Dauer von zwei Jahren. Alle Projekte, die bereits eingereicht sind, gelten als laufende Verfahren und müssen auch entsprechend bearbeitet werden. Ein Baustopp bedeutet nicht, dass nichts mehr gebaut wird.“ Dennoch werde in Purkersdorf sehr genau darauf geachtet, dass keine größeren Wohnbauten entstehen, die mehr als drei Wohneinheiten haben. „In Zentrumsnähe, wie in den Hauptverkehrsadern Kaiser Josef-Straße, Linzer Straße oder Tullnerbachstraße, spricht nichts gegen eine verdichtete Bauweise“, so Weinzinger.

Dass einzelne Bauprojekte nicht ganz sauber ablaufen würden, können Steinbichler und Weinzinger nicht nachvollziehen. „Alle Bauvorhaben und die einzelnen Instanzen sind einsehbar und absolut transparent“, sagt Steinbichler. Weinzinger habe auch die Andeutungen von Baum satt: „Ich bin stellvertretender Leiter der Hausverwaltung bei der Wien Süd und habe prinzipiell auf neue Bauvorhaben in keiner Gemeinde, welche ich aufgrund bestehender Wohnhausanlage betreue, einen Einfluss.“

Steinbichler empfiehlt Baum daher: „Vielleicht sollten diejenigen, die diese Anschuldigungen treffen auch einmal im Gemeinderat vorbeischauen und eine Sitzung bis ganz zum Schluss verfolgen.“

Umfrage beendet

  • Soll es in Purkersdorf einen Baustopp geben?