Ganzheitsmediziner Wolfgang Grünzweig geht in Pension. Wolfgang Grünzweig ging als Ganzheitsmediziner in Pension. Er erklärt, warum es wichtig ist, nicht nur auf die Schulmedizin zu vertrauen.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 24. Juli 2020 (03:40)
Wolfgang Grünzweig war 40 Jahre als Mediziner in Purkersdorf tätig.
privat

Medizin und Musik haben sein Leben schon immer bestimmt. Die Medizin tritt jetzt ein bisschen in den Hintergrund. Denn seit Anfang Mai ist die Wahlarzt-Praxis von Wolfgang Grünzweig geschlossen, den Corona-Lockdown hat er aber gerade noch mitbekommen. 40 Jahre lang war Grünzweig als Mediziner tätig, warum er sich für die Ganzheitsmedizin entschieden hat, wie er das Coronavirus einschätzt und wie es mit der Musik weitergeht berichtet er im NÖN-Gespräch.

Dass der Purkersdorfer Medizin studiert, war nicht immer klar. „Angesichts meiner damaligen Persönlichkeitsstruktur habe ich nicht genau gewusst, was ich machen will. Ich hatte schon immer viele Dinge im Kopf, das begleitet mich schon ein Leben lang“, erzählt er.

„Ich habe mich ruhig verhalten. Es ist ein Märchen, dass es die große Zusammenarbeit von Alternativ- und Schulmedizin gibt.“ ,Wolfgang Grünzweig

Schon immer wichtig war ihm auch die Musik, aber diese Karriere hat er sich damals nicht zugetraut und sich daher für ein Medizinstudium entschieden. „Das war auf jeden Fall eine gute Entscheidung. Medizin passt zu mir“, zeigt er sich im Nachhinein zufrieden. Nach dem Abschluss absolvierte er Turnusdienste an Wiener Spitälern und übernahm im Jahr 1988 die Praxis von Allgemeinmediziner Kurt Waniek in Purkersdorf. Bis 1997 war Grünzweig Kassenarzt, entschied sich dann aber, diese Verträge zurückzulegen und eine Wahlarztordination für Ganzheitsmedizin zu eröffnen. „Meine Leistungen waren nicht in den Kassenverträgen enthalten, und ich habe schon während des Studiums über den Tellerrand geblickt und mir nicht nur die klassischen schulmedizinischen Themen angeschaut, sondern auch alternativmedizinische Methoden erlernt“, sagt er. Die klassische Schulmedizin war ihm immer zu wenig: „Da gibt es einen Kernsatz, man hat ein Symptom und das muss weg. Egal wie, entweder man schneidet es raus oder greift zu Medikamenten.“ Ihm war es aber wichtig, der Ursache des Symptoms auf den Grund zu gehen. „Und die kann vielschichtig sein. Ungelöste Konflikte, ein energetisches Phänomen, wie geopathische Belastungen oder Elektrosmog, aber auch ein primär körperliches, wie ein Unfall“, erklärt er.

Die Ganzheitsmedizin sei zwar leicht zu definieren, aber weit weg von der allgemeinen Wahrnehmung. „Als lebender Organismus ist man mehr als nur Körper, man ist auch Energie und Geist“, so Grünzweig, der versucht hat, das Beste aus diesen drei Welten herauszuholen und es zu verbinden. „Das hat mir großen Spaß gemacht und ist mir gut gelungen“, sagt der Purkersdorfer.

Patienten aus Spanien, Deutschland, Italien, Rumänien, Ungarn sowie ganz Österreich bestätigen das. „Ein wichtiger Faktor war dabei mein Buch ‚Grünes Licht – heute ist ein guter Tag gesund zu werden‘. Das Buch wurde verborgt, viele haben darin nachgelesen.“ Aufgrund des Ratgebers erreichte ihn etwa eine Mail aus Berlin mit der Bitte um einen Termin. „Es war schon faszinierend, wie viele Kreise es gezogen hat“, freut sich Grünzweig.

Die Patienten setzten auch großes Vertrauen in den Mediziner. „Wenn sie gesagt haben ‚Sie sind meine letzte Hoffnung‘ dann wusste ich, dass die Patienten schon bei vielleicht 20 Ärzten und in drei Spitälern waren und es eine umfangreiche Krankenakte gibt“, so Grünzweig.

Er versuchte dann, auf das runter zu brechen, was passiert war. „In einer Stunde Erstuntersuchung ist man am Ziel. Der Patient ist nicht gesund, aber man hat zumindest eine Strategie, wie man den Organismus wieder in ein harmonisches Gleichgewicht bringt“, sagt Grünzweig. Wenn beispielsweise ein Patient an einem Nervenleiden erkrankt ist, könne man ihm Psychopharmaka oder sonstige Tabletten verschreiben. „Macht man sich aber auf die Suche nach der Ursache, dann findet man heraus, dass die Person möglicherweise an einer Quecksilbervergiftung leidet, weil sie tonnenweise Amalgam im Mund hat.“

Nach seiner Wahrnehmung ist es allerdings so, dass ein Großteil der Bevölkerung sehr gläubig ist, was die Schulmedizin betrifft. „Wenn man Schmerzen hat, dann muss der Arzt die wegbringen – zum Beispiel mit einer Spritze. Schafft er das nicht, ist er kein guter Arzt.“

Was Grünzweig auch stört ist, dass bei leichten Infekten Antibiotika verschrieben werden. „Mit schwersten Geschützen auffahren bringt oft nichts, das habe ich von meinem Vorgänger gelernt. Er war ein feiner Praktiker und hat zuerst Salben oder Tees verschrieben.“

Für seine Methoden wurde Grünzweig anfangs belächelt. „Davon habe ich mich aber nicht irritieren lassen. Es war mir ehrlich gesagt ziemlich wurscht.“ Der Purkersdorfer, der aus Sieghartskirchen stammt, versuchte aber auch nicht, Konfliktpotenzial aufzubauen. „Ich habe mich ruhig verhalten. Es ist halt ein Märchen, dass es die große Zusammenarbeit von Alternativ- und Schulmedizin gibt.“

Nicht beeinflusst, die Praxis zu schließen, hat das Coronavirus. „Die Entscheidung ist schon vor einem dreiviertel Jahr gereift, allerdings habe ich mir dann gedacht, es ist kein Fehler, jetzt aufzuhören“, meint er. Während des Lockdowns war seine Praxis immer geöffnet. „An den ersten zwei Tagen wurden alle Termine abgesagt. Das war schon ein bisschen seltsam, weil wir ja über die Jahre sehr gut gebucht waren.“ Gegen Ende der Woche sei aber alles wieder im Normalzustand gewesen. „Die Leute waren froh, dass wir offen gehabt haben. Das war für mich selbstverständlich. Ich habe überhaupt nicht verstanden, dass etliche Kollegen in ganz Österreich ihre Ordinationen dicht machten. Wenn nicht in Krankheitszeiten, wann sonst soll denn eine Ordination geöffnet sein?“, fragt er sich.

Was ihm am Umgang mit dem Coronavirus auch nicht gefällt ist, dass sich die Medizin nur um das Virus kümmert. „Anstatt alles auf eine Impfung zu setzen ist es wichtig, die Leute wieder gesund zu machen, primär mit alternativen und ganzheitlichen Methoden.“

Grünzweig befürchtet auch, dass nach dem Sommer weitere Probleme auf die Bevölkerung zukommen werden. „Wenn soziale Missstände auftauchen und arbeitslose Menschen keine Perspektive mehr sehen, dann wird es sich nicht positiv auf die Gesellschaft auswirken.“

Die Maskenpflicht, die in bestimmten Räumen wieder eingeführt werden soll, hält er für kaum sinnvoll. „Natürlich sind Masken ein gewisser Schutz. Aber wenn man ausatmet und dann die schlechte Luft wieder einatmet, dann kann das nicht gut sein. Man wird immer wieder mit den Erregern konfrontiert. Das ist ein Riesenstress. Zusätzlich ergeben die unzähligen ausgedienten Masken ein immenses Umweltproblem.“

Musik steht jetzt im Vordergrund

Einen Nachfolger für seine Praxis hat der Purkersdorfer übrigens nicht gefunden. „Vier Kandidaten haben sie sich angeschaut, aber es sich dann doch nicht zugetraut.“ In die ehemalige Ordination ist eine junge Familie gezogen.

Auf der Bühne ist er in seinem Element: Wolfgang Grünzweig.
Ernst Jauck

Während die Medizin in der Pension ein bisschen in den Hintergrund gerückt ist, steht dafür die Musik im Vordergrund. Denn Grünzweig feiert heuer mit seiner Band gruen2g das 25-Jahr-Jubiläum. Am Freitag, 28. August bestreitet er beispielsweise das letzte Konzert des Purkersdorfer Kultursommers in der Bühne. Zu hören sein werden neben eigenen Songs und Coverversionen bekannter Nummern auch Stücke von der neuen CD „Phoenix“, die im Herbst präsentiert wird. „Die Lieder sind fertig. Es fehlen noch Video und Grafik“, sagt er. Grünzweig textet, komponiert, spielt Gitarre und ist für den Gesang zuständig. Während der vergangenen Jahre gab es viele Auftritte, an die er sich gerne zurückerinnert. „Egal, ob beim Open-Air mit 5.000 Besuchern am Hauptplatz oder in kleineren Spielstätten – die Bühne ist ein spezieller Ort für mich.“

Das Gitarrespielen hat sich der 65-Jährige übrigens selbst beigebracht. „Als Jugendlicher habe ich oft sechs bis acht Stunden am Tag gespielt, weil ich es können wollte und weil es mir einen Riesenspaß gemacht hat.“

Egal ob Musik oder Medizin, wichtig ist es für ihn, immer 100 Prozent in jedem Bereich zu geben. Er konnte sich auch aus beiden Welten für die jeweils andere etwas mitnehmen. „Wenn man auf die Bühne geht, muss man extrem fokussiert sein, das hat mir auch in der Praxis sehr geholfen. Und als Arzt lernt man die Eigenheiten der Menschen schon nach kurzen Eindrücken kennen, das ist für die Musik wichtig.“