Man muss keine Angst haben. Ärzte und Zivilschutzbeauftragte sehen die Gefahr einer Infektion überschätzt.

Von Melanie Baumgartner, Birgit Kindler und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 04. März 2020 (05:34)
Im Dezember erkrankten die erstenMenschen in China am neuen Coronavirus.Inzwischen gibt es auch schon Fälle in Österreich.
Shutterstock/Jarun Ontakrai

Das Thema Coronavirus ist derzeit in aller Munde. Die Meldungen in den Medien überschlagen sich, laufend wird über mögliche Infizierte berichtet. Auch in der Region gab es bereits einen Verdachtsfall, der sich allerdings nicht bestätigt hat (die NÖN berichtete).

Eine gewisse Unsicherheit bei den Menschen und ein verändertes Kaufverhalten ist schon bemerkbar. In der Apotheke zum Eichberg sind etwa die Käufe von Masken und Desinfektionsmitteln in die Höhe geschossen, alle anderen Produkte werden nicht vermehrt gekauft, erklärt Apotheker Martin Danner. Auch in der Löwenapotheke in St. Pölten hat die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Schutzmasken stark zugenommen. „Bei all der Hysterie ist es gut, dass sich die Menschen nun mehr Gedanken über die Hygiene machen“, so der Leiter der Apotheke Andreas Gentzsch. Er empfiehlt, nicht nur in Zeiten des Coronavirus einen Vorrat an Medikamenten anzulegen.

„Man spürt schon eine gewisse Verun- sicherung.“
 Nikodemus-Wirt Niki Neun- teufel über die Auswirkungen des Coronavirus.

Gerhard Kaschnig vom Zivilschutzverband Bezirk St. Pölten rät, vor allem nicht in Panik zu geraten. „Wichtig ist, dass sich die Menschen rechtzeitig mit Medikamenten und Nahrunsmitteln eindecken. Die Versorgung sollte rechtzeitig sichergestellt werden, um den Haushalt krisenfest zu machen.“ Außerdem sollten, sofern es noch möglich ist, Hamsterkäufe vermieden werden, und Ruhe bewahrt werden. Auf eines weist er besonders hin: „Die Sterblichkeit in Folge einer Grippe ist auch jedes Jahr gegeben. Da gibt es einige Tausend Todesfälle in Österreich. Nur, weil jetzt ein neuer Virenstamm entdeckt wurde, ist es unangebracht, Unruhe zu verbreiten.“

Für Bezirks-Ärztevertreter Andreas Barnath ist die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht, überschätzt. Medizinisch ist Corona zwischen der echten Influenza (Grippe) und einem grippalen Infekt einzuordnen. „Der Panikexpress ist leider schon abgefahren. Aufgrund des schlechten Umgangs zu Beginn, ist das nur schwer zu stoppen“, weist Barnath auch darauf hin, dass etwa 25.000 Österreicher aktuell durch Influenza ans Bett gefesselt sind.

Für den Ärztevertreter der Landeshauptstadt, Florian Fiedler, gibt es beim Coronavirus noch einige Fragezeichen. „Man lernt zwar das Virus, seine Ausbreitung und die krankmachenden Eigenschaften besser kennen, wird aber noch Weiteres erforschen müssen.“ Er traut sich daher derzeit noch keine Einschätzung der Lage zu und will das den Experten überlassen.

Hygienetipps zum Selbstschutz im Alltag werden von Institutionen breitflächig in Erinnerung gerufen. Öfter Händewaschen, nicht in die Hand niesen oder husten; sich von hustenden oder niesenden Menschen abwenden; Plätze meiden, an denen sich viele potenziell kranke Menschen aufhalten – beispielsweise in Krankenhaus-Ambulanzen oder Wartezimmern. Lieber zu Hause bleiben und im Verdachtsfall 1450 anrufen. Auch bei den Wirten in der Region machen sich die Auswirkungen des Coronavirus bemerkbar. „Einige Tische wurden beim Heringsschmaus kurzfristig storniert. Man spürt schon eine gewisse Verunsicherung. Dafür sind aber andere Gäste spontan gekommen, die sich gefreut haben, einen Platz zu bekommen“, sagt Nikodemus-Wirt Niki Neunteufel. Es sei aber in überschaubarem Rahmen, wirtschaftlich gebe es keine Einbußen.

Wirtschaftskammer-Außenstellen-Obmann Andreas Kirnberger ergänzt, dass das Coronavirus auf die Betriebe in der Region momentan keine Auswirkungen hat. „Man wird sehen, wie sich die Situation in der nächsten Zeit entwickelt“, sagt Kirnberger.

 

Umfrage beendet

  • Beeinflusst das Coronavirus euren Alltag?