Der Kaindl von Pressbaum. Das Kaufhaus Rudroff ist seit knapp einem Jahrhundert eine fixe Institution in der Stadt.

Von Monika Närr. Erstellt am 22. März 2020 (03:10)
Harry Seiter mit seinem Onkel Helmut Rudroff vor dem heutigen, modernen Kaufhaus Rudroff. Noch immer ist das alteingesesseneGeschäft Geheimtipp für Warenaller Art, die man sonst nirgendsbekommt.
Nadja Büchler

Harry Seiter führt das Kaufhaus Rudroff in vierter Generation. Er ist Kaufmann aus Leidenschaft. Der NÖN erzählte er über das Leben als Einzelunternehmer mit einem Gemischtwarenhandel im Zeitalter von Supermärkten und Internet-Shopping. Sein Großonkel Helmut Rudroff barg in der Zwischenzeit zahlreiche Schätze vergangener Epochen am Dachboden, die er gemeinsam mit NÖN-Fotografin Nadja Büchler aufstöberte.

NÖN: Wie gelingt es heute, als privater Gemischtwarenhändler zu überleben?
Harald Seiter: Das riesige Sortiment und die vielen unterschiedlichen Artikel helfen dabei. Wenn Deutsche oder Touristen ins Geschäft kommen, sagen sie immer „Wahnsinn, so etwas gibt es bei uns nicht“. Dieses Lob gibt mir Kraft und Freude noch irgendwie weiterzutun. Supermärkte umzingeln uns, die Jungen kaufen extrem im Internet, Einkaufscenter boomen. Es ist schwierig, aber ich will nicht jammern.

Und welche Perspektive haben Sie für sich und Ihr Kaufhaus, das ja eine echte Pressbaumer Institution ist?
Ich werde jetzt 52 und mache weiter, so lange es mich freut. Meine Freunde meinen allerdings, ich werde wie mein Großvater sein und bis zum letzten Tag im Geschäft arbeiten.

Wie würden Sie die Beziehung zu Ihren Kunden beschreiben?
Sehr gut. Es macht mir viel Spaß. Die meisten Kunden sind sehr nett und dankbar. Es verändert sich aber auch die Situation. Viele leben nicht mehr, ich habe einen großen Rückgang bei Stammkunden, dafür kommen viele Spontankunden dazu. Die meisten sind aus Pressbaum und den umgebenden Orten, von Eichgraben bis Wolfsgraben.

Ich werde jetzt 52 und mache weiter, so lange es mich freut

Was war Ihr schönstes Kunden- erlebnis?
Es ist immer wieder das Lob, was wir alles haben und wie wir unsere Kunden damit zufriedenstellen. Unsere Auswahl ist ja wirklich enorm. Sie reicht von Lebensmitteln über Schulsachen, Spielwaren, Heimwerkerhilfen, Nähzeug, Zeitschriften, Saisonware wie Ostersachen oder Grillkohle, Elektro- und Eisenwaren bis hin zu Bastelmaterialen und sonstiger Kurzware. Zu Zeiten meines Opas wurden wir nach der bekannten Wiener Hart- und Eisenwarenfirma „der Kaindl von Pressbaum“ genannt. Die Alten sagen das heute noch. Mein Opa war auch eng befreundet mit den Kaindls, die in einer der schönen Lawies-Villen wohnten.

Gibt es auch private Berührungspunkte mit Ihren Kunden?
Eigentlich nein. Man freut sich und grüßt sich, wenn man sich bei Festen, Bällen oder auf der Straße trifft. Das ist es im Wesentlichen.

Und was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Ihren Mitarbeitern?
Ich habe eine Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte. Zwei Frauen, zwei Männer. Ich bin sehr froh mit ihnen, sie sind gerne bei mir. Wir haben ein gutes Betriebsklima und arbeiten auf Augenhöhe zusammen. Das taugt ihnen.

Am Dachboden bewahrt Harry Seiter historische Gegenstände aus dem Geschäft auf. Auf diesem Bild isteine alte Kaffeeschütte zu sehen.
Nadja Büchler

Welchen Hobbies gehen Sie nach, wenn Sie sich nicht gerade um das Geschäft kümmern?
Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meinem Sohn Adrian. Als er noch kleiner war, waren wir viel gemeinsam in der Natur. Ich fahre nach wie vor gerne Rad und sehe mir Informationssendungen auf diversen Kanälen an.

Sie haben auch viele tolle und weite Reisen unternommen…
 …das begann Ende der 80er-Jahre, da war ich erst mit der Volkstanzgruppe Pressbaum in verschiedenen Städten der USA auf Tournee. Schöne Eindrücke habe ich auch aus Asien, speziell Indien und Thailand, mitgebracht. Heuer zieht es mich nach Madagaskar. Mal reise ich alleine, mal mit Freunden. Je nach Lust und Zeit.

Wie sehen Sie Ihre Perspektive im Einzelhandel?
Ich bin ein kleiner Privater. Ich kann nicht mit den Großen mit. Da kannst du kämpfen und raufen und hast keine Chance. Schade, dass man uns Kleine nicht ein bissl mehr unterstützt. Ich verstehe es aber auch. Heute konzentriert sich alles nur mehr auf die Großen. Aber es ist schade, wenn mein Geschäft einmal verschwindet. Meine Kunden schätzen es, dass sie nicht wegen jeder Schraube ins Bauhaus fahren müssen. Mein Sohn wog das Für und Wider einer Übernahme ab, hat sich aber dagegen entschieden.