„Egal, ob man Auto oder Politiker verkauft“. Roland Düringer bringt den politischen Alltag kritisch auf die Bühne. In sieben Rollen brilliert er wieder einmal als Schauspieler.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 05. März 2018 (07:11)
Roland Düringer ist am 9. März mit seinem Stück „Der Kanzler“ in der Bühne zu sehen.
NOEN, Lukas Beck

Seit Oktober ist Roland Düringer wieder in seinem Element, nämlich schauspielerisch in einem Stück auf der Bühne. Dieses nennt sich „Der Kanzler“ und wird am Freitag dem 9. März um 19.30 Uhr in der Bühne aufgeführt. Mit der NÖN führte Düringer vorab ein Gespräch über das Stück, aber auch über die Erfahrung des politischen Alltags.

Die Herausforderungen an den Schauspieler Düringer sind natürlich andere, als jene des Vortragenden. Er müsse mit seiner Geschichte etwas Spannendes erzählen, um die Leute im Publikum mitzunehmen, sagt er. „Das Programm läuft gut, weil es wieder ein Stück ist, das ich spiele. Das Schöne daran ist, dass verschiedene Figuren vorkommen und diese sich ständig entwickeln können“, erzählt Düringer über sein erstes Programm seit sieben Jahren.

„Ich wollte an vorderster Front sehen, worum es in diesem System geht. Und das ist eine Schlangengrube.“Roland Düringer

Die Figuren würden punktgenauer werden, und bei jeder Vorstellung würde daran geschliffen. „Die politische Landschaft ist für mein Stück aber vollkommen irrelevant“, so Düringer. Darin kommen zwar Persönlichkeiten aus der Politik vor, Ähnlichkeiten mit reellen Personen sind aber „rein zufällig“. So beispielsweise einer der Hauptcharaktere, der Provinzhauptmann, der stellvertretend für einen Landeshauptmann steht. „Der ist so ein richtiges Gfrast, ein richtiger Machtmensch“, verrät Düringer. Eine weitere Rolle ist des Provinzhauptmanns Schwiegersohn zugedacht.

„Ein Volldillo, der nicht zum Politiker taugt. Der tut sich beim Reden recht schwer, muss aber ständig Reden halten“, so Düringer. Die namensgebende Figur ist aber „der Kanzler“. „Der ist nichts anderes als eine Marionette der Politberater und muss das machen, was die ihm sagen. Er ist gegenüber der Gesamtsituation hilflos und ohnmächtig“, verrät Düringer und zieht hier schon Parallelen zum aktuellen Politikgeschehen. „Das Stück hat mit Mechanismen in der Politik zu tun. Nicht nur in Österreich, auch in Deutschland“, so Düringer. Die Politik heutzutage sei nur eine Scheindemokratie, ein großes Business, in dem es darum ginge, Stimmen zu erhalten und die Akteure als Marken zu positionieren.

„Da ist es egal, ob einem ein Auto oder ein Politiker verkauft wird“, hat Düringer auch durch sein Engagement mit der Liste G!lt, die bei den Nationalratswahlen angetreten ist, seine Erfahrungen gemacht. Er selbst hat sogar eine Beratungsfirma beschäftigt. „Ich wollte an vorderster Front sehen, worum es in diesem System geht. Und das ist eine Schlangengrube“, gibt Düringer seine Erlebnisse mit PR-Berater und Spin-Doktoren preis.

Als bestes Beispiel führt er hier den aktuellen Bundeskanzler Sebastian Kurz an. „Der wurde, meiner Meinung nach, als Marke verkauft. Es ist das Ziel, gewählt zu werden“, geht Düringer mit der aktuellen politischen Situation hart ins Gericht.

Einen Purkersdorf-Bezug hat Düringer aber auch: „Mein Leibarzt Wolfgang Grünzweig ordiniert hier. Früher hab ich im Theater 82er-Haus in Gablitz für mein Programm ,Superbolic’ geprobt.“

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