Tristan Zahornicky drehte Film über Künstlerhaus. Der Pressbaumer Tristan Zahornicky drehte Film über Wiener Gebäude.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 21. März 2020 (03:25)
Das Künstlerhaus am Wiener Karlsplatz. Das Gebäude war jahrelang mit großflächigen Plakaten verhüllt. Viele Neo-Wiener oder Jugendliche kannten die Fassade des Hauses gar nicht.
Tristan Zahornicky

Vor fünf Jahren startete Tristan Zahornicky gemeinsam mit Alice Karasek und ihrem Team die Langzeitbeobachtung des geschichtsträchtigen Hauses am Wiener Karlsplatz samt seinen Künstlern und zeigt damit dem Publikum ein Stück Wiener Kulturgeschichte. Der 45-minütige Dokumentarfilm „Das Künstlerhaus – Aufruhr und Umbruch“ beleuchtet den Weg von der dringend notwendigen Sanierung des Gebäudes bis zur Wiedereröffnung sowie die Neuaufstellung der Künstlerhaus Vereinigung.

Jahrelang war der Bau hinter großflächigen Werbeflächen versteckt. Mit den Werbeeinnahmen hofften die Eigentümer, ausreichend Geld für die Renovierung einnehmen zu können. Dies ist nicht gelungen. Im Nachhinein hat die jahrelange Verdeckung dazu geführt, dass das Künstlerhaus von den Menschen nicht mehr wahrgenommen wurde.

Die Dokumentation taucht in die Gründungsgeschichte des Hauses und der Künstler-Vereinigung ein. Historisches Material belegt die stolze Vergangenheit, an der seine Mitglieder nur allzu gerne festhalten. Kaiser Franz Josef schenkte dem Künstler-Bündnis den Baugrund und unterstützte die Künstler auch mit privaten Geldern. Die historischen Rückblenden zeigen aber auch, dass die Vereinigung schon in den Anfangszeiten von finanzieller Unterstützung abhängig war. Der Bau des Hauses war nur durch Gelder des Adels möglich.

Kosten nicht mehr zu stemmen

Ein Rückblick ins Jahr 2015 zeigt, dass die Sanierung längst überfällig war. Die Künstlerhaus-Vereinigung – und somit jedes einzelne Mitglied – war damals noch die alleinige Besitzerin. Der Verein konnte die Räumlichkeiten jedoch nur selten ausnutzen, und die Kosten für den teuren Immobilienbesitz waren längst nicht mehr zu stemmen. Eine Mehrheit traf daher eine historische Entscheidung und stimmte dafür, den Mehrheitsbesitz an die Haselsteiner-Familien-Privatstiftung abzugeben. Im Gegenzug dafür übernahm diese die Sanierung.

Diese Entscheidung hatte ein Zerwürfnis zur Folge. Filmemacher Zahornicky gibt den Zusehern Einblicke in die Vereinsstrukturen des Künstler-Bündnisses, das aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden war. Die Vereinigung will die Gebäudesanierung daher auch für eine Neupositionierung nutzen, dieser Identitätsfindungsprozess erlebte jedoch eine markante Wendung, als klar wurde, dass Hans Peter Haselsteiner seine Gebäudeteile der Albertina Modern überlassen wird. Die Institutionen könnten unterschiedlicher nicht sein, und der ambitionierte Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder hat ganz klare Vorstellungen, wie ein erfolgreiches Museum zu funktionieren hat. Kann ein Zusammenleben im selben Haus auf Dauer funktionieren?

Der Film hatte einen Tag nach der Ausstrahlung im ORF Premiere im Stadtkino. Das Kino befindet sich im Künstlerhaus.
Tristan Zahornicky

Neben den Interviews mit Hermann Nitsch (Maler und Aktionskünstler), Hans-Peter Haselsteiner Industrieller), Erwin Wurm (bildender Künstler), Tanja Prušnik (Präsidentin des Künstlerhauses), Michael Pilz (Regisseur und Produzent), Peter Zawrel (Geschäftsführer Künstlerhaus) und Klaus Albrecht Schröder (Direktor der Albertina) hat der Film eine starke beobachtende Perspektive und zeigt etwa die Künstler bei ihren Ausstellungen, den bürokratischen Entscheidungsfindungsprozessen oder Aufnahmen der Baustelle. Imposante Bilder dokumentieren die Verwandlung von einer baufälligen Ruine zu einem Museum von Weltrang.