Andrea Kdolsky: „Ich habe das unterschrieben“. Ehemalige Gesundheitsministerin spricht mit der NÖN über „ihr“ Gesetz und spricht über das Sensible des Nichtraucherschutzes.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 01. März 2018 (05:22)
NOEN, privat
Die ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky bezeichnet sich selbst als Gelegenheitsraucherin.

Die Purkersdorferin Andrea Kdolsky war für die ÖVP fast zwei Jahre lang Gesundheitsministerin im Kabinett Gusenbauer. In ihrer Ära wurde auch das Regierungsübereinkommen umgesetzt, wonach es in Gastronomiebetrieben einen getrennten Raucherbereich geben muss. Sie weiß also um die Komplexität und Sensibilität des Themas. Kdolsky selbst hat bis zu ihrem Amtsantritt als Bundesministerin viel geraucht, danach bis 2015 gar nicht mehr. Seit 2016 würde sie sich selbst als Gelegenheitsraucherin sehen. Mit der NÖN sprach die Medizinerin über das aktuelle Volksbegehren „Don’t smoke“.

NÖN: Haben Sie das Volksbegehren unterschrieben?
Andrea Kdolsky: Ja, das habe ich gemacht. Ich finde die Diskussion darüber spannend. Es wird gerade so getan, als ob wir 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche ausschließlich im Gasthaus sitzen würden. Ein Lokalbesuch umfasst ja nicht unsere gesamte Lebenszeit. Ich finde aber auch interessant, dass ständig über das Rauchen diskutiert wird und nicht über Alkohol. Da sagt niemand etwas. Diese Thematik finde ich persönlich noch viel schlimmer.

Warum unterstützen das?
Ich habe als Gesundheitspolitikerin und Medizinerin eine Verantwortung. Außerdem haben wir 2007 das aktuell geltende Gesetz auf Schiene gebracht. Ich möchte fast behaupten, es ist ein „Kdolsky-Gesetz“. Damit wurde auch ein erster Schritt in Richtung Rauchverbot in der Gastronomie getan.

Was hat sich seither geändert?
Das Thema war vor zehn Jahren noch schwieriger. Es gab mehr Raucher als heute. Ein Volksbegehren wäre damals nicht denkbar gewesen. Die Einstellung zum Nichtraucherschutz hat sich sicherlich dadurch geändert. Es war das Ziel, das österreichische Gesetz an jenes vom Rest Europas anzupassen.

„Es geht bei der Diskussion um Bevormundung. Darf das Gesetz einem Erwachsenen verbieten sich selbst zu schaden? Ich denke nein. Doch wenn derjenige damit dann eine andere Person beeinflusst, dann sollte das verboten werden.“ Andrea Kdolsky, ehemalige Gesundheitsministerin

Was sind die Erfahrungswerte aus den anderen Ländern?
Ich kann mich erinnern, dass die Ankündigung eines Rauchverbots in New York Demonstrationen auslöste. Zunächst wurde das Rauchen nur noch im Barbereich gestattet, danach generell verboten. Es war also ein stufenweises Verbot. Ich arbeite derzeit die halbe Zeit in Bozen. Dort ist es mittlerweile ganz normal, für eine Zigarette das Restaurant zu verlassen, sich unter ein Heizschwammerl zu stellen und dort zu rauchen.

Empfinden Sie das Rauchverbot auch als Einschränkung der eigenen Freiheit?
Es geht bei der Diskussion oftmals um Bevormundung. Darf das Gesetz einem Erwachsenen verbieten sich selbst zu schaden? Ich denke, nein. Doch wenn derjenige damit dann eine andere Person beeinflusst, dann sollte das verboten werden. Beim Rauchen in einem Restaurant störe ich als Raucher jemanden, selbst wenn es getrennte Räume gibt, denn da ist immer noch das Personal, das sich dem Rauch aussetzen muss.

Verstehen Sie die Argumentation von FPÖ-Gesundheitssprecherin und Ärztin Dagmar Belakowitsch?
Als Gesundheitspolitikerin – nein; als Ärztin – nein; als Privatperson, dass ich nicht bevormundet werden will – ja. Dabei muss man aber aus arbeitsmedizinischer Sicht sagen, dass ich in der Gastronomie nicht rauchen kann, ohne jemand anderen zu schädigen. Und das überwiegt. Niemand kann einem verbieten, zu Hause zu rauchen, in einem Restaurant aber schon.

Wie sehen Sie die Situation in Purkersdorf?
Die Gastronomiebetriebe haben eigentlich alle das Gesetz von 2007 umgesetzt mit getrennten Bereichen. Ich finde ein Essen jedenfalls viel schöner, wenn danach meine Kleidung nicht nach Rauch stinkt.