Bühne Purkersdorf: „Wir spielen so lange und so oft es geht“

Obwohl 2021 von zahlreichen Absagen geprägt war, startet die Bühne voll Elan und mit rund 30 Veranstaltungen ins Jahr 2022.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 04:54
Lesezeit: 5 Min
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Karl Takats und Werner Deimel von der Bühne Purkersdorf hoffen auf eine gewisse Kontinuität 2022 und „eine Grundlage, die gilt und mit der man wieder ganz normal arbeiten kann.“
Foto: Melanie Baumgartner

Ein turbulentes Veranstaltungsjahr 2021 ging vergangenen Freitag zu Ende. In der Bühne Purkersdorf konnten zwar mehr Veranstaltungen als 2020 stattfinden, dennoch mussten auch viele wieder abgesagt oder verschoben werden.

Karl Takats und Werner Deimel von der Bühne Purkersdorf lassen das Jahr noch einmal Revue passieren und blicken zuversichtlich auf 2022. Die NÖN traf die beiden zum Gespräch.

NÖN: Wie blicken Sie auf das vergangene Jahr zurück?

Karl Takats: Unterm Strich kann man sagen, dass generell die vergangenen 1,5 Jahre ein ständiges Auf und Ab waren. Und ich muss ehrlich sagen, wir sind Helden, dass wir das durchgezogen haben...

Werner Deimel: ... mit mindestens 15 verschiedenen Verordnungen. Und das ist untertrieben, mit den ganzen Novellen und Verordnungen.

Was bedeutet es für Sie und die Bühne, wenn eine neue Verordnung in Kraft tritt?

Takats: Das bedeutet für uns, dass wir uns immer auf die neuen Vorgaben einstellen und die auch erfüllen müssen. Oft hatten wir nur eine Woche Zeit – das ist extrem kurz. Es ist ja nicht so, dass man die Türe aufsperrt, sondern da sind viele logistische Vorbereitungen dahinter. Werner zeichnet etwa dauernd Sitzpläne inklusiver Zuweisungskärtchen. Dann muss man jemanden hinstellen, der den Besuchern hilft, ihre Sitzplätze zu finden. Das ist schon fast wie im Konzerthaus – nicht einfach.

Haben Sie dafür zusätzliches Personal benötigt?

Deimel: Jetzt bei den vergangenen beiden Weihnachtskonzerten von Uschi Hollauf wäre es ohne zusätzliches Personal nicht möglich gewesen. Auch vom Chor sind welche eingesprungen.

Takats: Die Mitarbeiter, die normalerweise an der Bar arbeiten, haben dieses Mal an anderer Stelle ausgeholfen.

Wie war das Jahr 2021 verglichen mit 2020?

Deimel: Eine Spur besser. Vom Gefühl her gab es ungefähr gleich viele Verschiebungen und Absagen wie 2020. Allerdings war mehr zugelassen. Wir haben tatsächlich Konzerte gehabt, bei denen bis auf den 2G-Nachweis keine weiteren Einschränkungen waren. Die Veranstaltungsbesucher durften sich bei der Bar etwas kaufen, ohne Maske sitzen, zusammenstehen und plaudern. Sie haben lediglich den 2G-Nachweis gebraucht. Das war vom Gefühl her in gewissen Bereichen gegenüber 2020 einfacher.

Wie würden Sie die vergangenen Wochen rund um den Lockdown beschreiben?

Deimel: Gegen Ende es Jahres hin ist es wieder ganz extrem geworden, weil sich im Zehn-Tagesrhythmus die Verordnung geändert hat. Es war nie klar, was sein darf. Das hat jetzt nichts mit dem Ablauf selbst zu tun, aber in der Vorbereitung war es ein gewisser Stress, weil man nie wusste, was beim nächsten Konzert sein darf. Und immer das Gefühl, nicht zu wissen, was kommt. Jede Veranstaltung musste man bei der Behörde melden. Das war 2020 etwa nicht.

„Wir haben jetzt keine Ahnung, was bei der nächsten Veranstaltung am 21. Jänner sein darf und was nicht. Man kann von Verordnung zu Verordnung planen.“

Welche Auswirkungen haben die zahlreichen Verordnungen für die Planung?

Deimel: Planungssicherheit ist eigentlich keine gegeben. Wir haben jetzt auch keine Ahnung, was bei der nächsten Veranstaltung am 21. Jänner sein darf und was nicht. Man kann von Verordnung zu Verordnung planen. Wir reden von Veranstaltungen im Jänner, wo wir jetzt noch gar nicht wissen, was sein darf.

Takats: Wir haben – und das zeichnet uns auch aus – nicht zugesperrt. Wir haben uns immer angepasst und immer wieder blauäugig versucht, die Veranstaltungen so abzuwickeln, dass es passt. Und es hat funktioniert.

Wie soll es in den kommenden Monaten weitergehen?

Tak ats: Wir tun so, als wäre nichts – keine Corona-Pandemie – warten auf die jeweilig gültige Verordnung und dann spielen wir. Und das so lange und so oft es geht. Weil wir können das ja nicht entscheiden.

Welche Veranstaltungen sind geplant?

Takats: Wir haben aktuell rund 30 Veranstaltungen fürs ganze Jahr 2022 geplant. Start macht (hoffentlich) Nadja Maleh am 21. Jänner. Zu den vielen Highlights zählen etwa Birgit Denk, Eva Maria Marold, The Horny Funk Brothers, The Sound of Carlos S. oder auch Soul Impact.

Deimel: Im März soll das Akkordeon-Festival in der Bühne stattfinden. Im Mai ist eine große Jubiläumsshow anlässlich 10 Jahre Bühne geplant und im Sommer gastiert die Stadtgemeinde mit dem Kultursommer in der Bühne.

„Der Grundtenor beziehungsweise die Grundlage, mit der man wirklich normal arbeiten kann, ist, dass es sich einpendelt.“

Am 3. Jänner hätte bereits die erste Veranstaltung 2022 stattfinden sollen. Warum wurde die abgesagt?

Takats: Am Montag wäre das erste Konzert der Reihe „Blue Monday“ gewesen. Wir haben uns dann aber mit Organisator Stephan Bollauf geeinigt, das Konzert abzusagen. Das wäre organisatorisch völlig sinnlos gewesen.

Was noch dazu kommt, sind die ständig neuen Verordnungen, die wir zu erfüllen haben. Jetzt hoffen wir, dass die Veranstaltung mit Nadja Maleh halbwegs normal abläuft.

NÖN: Was bedeutet für Sie „halbwegs normal“?

Takats: Dass wir keine Beschränkungen von der Besucherzahl haben und dass wir vielleicht doch die Bar aufmachen können. Wir haben beim Konzert von Uschi Hollauf gesehen, dass das richtig mühsam und unlustig ist. Wenn die Menschen zu einem Konzert gehen, möchten sie das Komplettpaket, mit Plaudern, Trinken, Brote essen geboten bekommen. Das fällt jetzt alles weg. Und das ist nicht der Idealzustand, wenn man ein Konzert veranstaltet.

Deimel: Das Paradoxe ist ja, dass die Bar bei einer Besucheranzahl von unter 100 unter Umständen sogar erlaubt wäre – unter der Verordnung, die bis Ende 2021 gültig war. Da ist es nämlich möglich, Tische zwischen den Sesseln aufzustellen. Da gibt es dann zugewiesene Verabreichungsplätze. Wenn man die Getränke serviert, dann wäre es möglich. Die Frage ist, ob der Aufwand dafür steht. Man braucht mehr Personal.

Was erwarten oder erhoffen Sie sich von 2022?

Takats: Der Grundtenor beziehungsweise die Grundlage, mit der man wirklich normal arbeiten kann, ist, dass es sich einpendelt. Dass zumindest die Voraussetzungen, um die Bühne zu betreiben, kontinuierlich bleiben – dass es eine Grundlage gibt, die gilt und mit der man einfach ganz normal wieder arbeiten kann. Da geht es ja auch um die Künstler und ums Publikum.

Deimel: Es gab heuer die Phase, bis zum letzten Lockdown im November und Dezember, wo es die 2G-Eintrittskontrollen und registrierte Eintrittskarten gab, das hat eigentlich gut funktioniert. Wenn das wieder käme, wäre es auch leichter, als mit den vielen verschiedenen Verordnungen.