Gemeinsame Leidenschaft für die Drehorgel. Pressbaumer betreibt einzigartige Werkstatt in Wolfsgraben. Und hat Kunden aus aller Welt.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 11. Mai 2019 (04:56)
privat
Der Pressbaumer Christian Wittmann hat vor etwa zehn Jahren begonnen in seiner Werkstatt in Wolfsgraben Drehorgeln herzustellen und zu reparieren.

Der Wolfsgrabener Christian Wittmann und der Klosterneuburger Helmut Friedsamer hätten sich wohl ihr Leben lang nicht kennengelernt, gäbe es da nicht eine Leidenschaft, die sie gemeinsam teilen und die ihre Wege kreuzen ließ. Es geht um die Drehorgel.

„Ich bin in Wien aufgewachsen und in den Jahren nach dem Krieg, haben die Werkelspieler ihre Drehorgeln in den Hof geschoben und zu spielen begonnen“, erinnert sich Friedsamer an seinen ersten Kontakt mit dem Instrument. Die Leute hätten damals ein paar Münzen in Zeitungspapier gewickelt und in den Hof geworfen. Als Friedsamer dann in Pension ging und seine sportlichen Ambitionen etwas weniger wurden, dachte er sich: „Im Laufe eines langen Lebens kommt man auf die Idee, man braucht unbedingt eine Drehorgel.“

NOEN
Der Klosterneuburger Helmut Friedsamer ist Feuer und Flamme für seine Drehorgeln.

Er habe sich danach informiert und bemerkt, dass die „Werkeln“ vom Aussterben bedroht sind. Friedsamer machte sich im Internet schlau und kaufte ein Drehorgel. „Der Verkäufer war im Sauerland zu Hause. Als ich die Orgel dann zu Hause begutachtete, gab sie keinen Ton von sich“, so Friedsamer. Er suchte also eine Werkstatt, die das „Werkl“, eine Schmider 16, wieder in Gang bringt und wurde fündig. Christian Wittmann betreibt in Wolfsgraben seit zehn Jahren eine Orgelwerkstatt. Er repariert sie nicht nur, sondern stellt sie auch her – sowie jedes einzelne Bauteil des riesigen Instruments.

Besonderes Geschick und auch Gehör

„Die Arbeit mit den einfachen Materialien Holz, Leder und Metall ist sehr interessant. Außerdem ist auch die künstlerische Komponente spannend. Denn es kommt auch Musik heraus“, ist Wittmann stolz und sichtlich zufrieden mit seiner Arbeit. „Ich stelle auch die Notenrollen her, da muss man auch Musiker sein. Und mit den Kunden muss man auch umgehen können“, so Wittmann.

Über zu viel Konkurrenz kann er sich nicht beklagen, denn er ist weit und breit der einzige Drehorgelbauer. „Ich habe Kundschaft aus ganz Europa und sogar aus den USA und Mexiko“, so Wittmann. Der mexikanische Kunde kommt sogar des Öfteren persönlich bei ihm in der Werkstatt vorbei und holt sich seine guten Stücke ab.

Aber auch Helmut Friedsamer zählt zu seinen Stammkunden. „Im Vorjahr habe ich mir noch eine Drehorgel gekauft. Eine echte Basica – Lupo. Leider wurde die einmal umgebaut und mit den ,Innereien’ einer anderen Firma ausgestattet“, erklärt Friedsamer, der sich auf einen der saisonalen Höhepunkte vorbereitet.

Große Termine für Drehorgelspieler

Denn am 11. Mai spielt er im Böhmischen Prater in Wien, wo ein Drehorgelfest stattfindet. Im Juli fährt er mit seiner Lebensgefährtin zum Drehorgelfest nach Berlin. „Da werden weltweit nur 120 Drehorgelspieler eingeladen und ich bin dabei“, sagt Friedsamer stolz. Seine Lebensgefährtin unterstützt den Klosterneuburger Pensionisten dabei nach Leibeskräften. „Sie näht die Kostüme“, sagt Friedsamer. Und einen kleinen Trick hat er auch parat: „Ich stelle mein ,Werkl’ immer in der Nähe von Plätzen auf, wo die Kinder sich tummeln, denn die sind immer besonders fasziniert.“

Mehr über die historische Bedeutung der Drehorgel lesen Sie auch in den „Geschichte(n) aus dem Wienerwald“ auf Seite 5.