"green sheep" trinken und dabei Gutes tun. Wolfsgrabener Michael Priessnitz hat sich mit „green sheep“ auf Sirupe spezialisiert.

Von Melanie Baumgartner. Erstellt am 19. November 2020 (03:34)
Michael Priessnitz bereitet den Kaltansatz für die Sirupherstellung vor.
green sheep

Vor mittlerweile neun Jahren hat der Wolfsgrabener Michael Priessnitz sein Unternehmen „green sheep“ gegründet. Spezialisiert hat er sich dabei auf biologische Sirupe auf Blüten- und Kräuterbasis. Vor zwei Jahren hat er den Drink „Kräuter-Sternderl“ gelauncht, dessen Erlös dem Kinderhospiz Sterntalerhof zugutekommt. Um die Weihnachtszeit ist außerdem jedes Jahr der Sterntalersirup erhältlich, hinter dessen Name sich eine eher unerwartete Geschichte versteckt. Die NÖN hat mit dem Unternehmer gesprochen.

NÖN: Was ist green sheep?
Michael Priessnitz: Green sheep ist eine Marke, die vor mittlerweile neun Jahren entstanden ist. Wir haben uns damals darauf spezialisiert, biologische Sirupe auf Blüten- und Kräuterbasis herzustellen. Wir haben derzeit 20 verschiedene Sorten im Sortiment, jedes Jahr kommt zumindest eine neue dazu.

Wodurch zeichnet sich green sheep aus?
Uns war von Anfang an wichtig, die Ethik auch in der Wirtschaft zu integrieren. Die Ernte der Rohstoffe, die zu einem großen Teil aus eigenem Anbau der BIO-Landwirtschaft stammen, erfolgt durch Menschen, die unter die Räder gekommen sind.
Sprich, die aufgrund des sozialen Drucks in den Unternehmen Burnout oder Depressionen erlitten haben. Wir möchten diese Menschen im Rahmen unserer landwirtschaftlichen Arbeiten wieder in den Arbeitsprozess integrieren. Sie helfen bei der Ernte oder bei der Abfüllung. Bei uns funktioniert alles manuell. Wir schauen außerdem darauf, dass sie in einem entspannten Umfeld, ganz ohne Druck, arbeiten können.

Uns war von Anfang an wichtig, die Ethik auch in der Wirtschaft zu integrieren

Was ist das Ziel von green sheep?
Ich wollte immer der Brückenschlag zwischen zwei Gruppen von Produzenten sein: Jene, die industriell in großen Mengen fertigen und jene, die kleine hochwertige Produkte herstellen und zu einem höheren Preis verkaufen. Ich möchte einer breiten Bevölkerungsschicht ein handgefertigtes Produkt zu einem vernünftigen Preis verkaufen. Wir haben uns mittig positioniert, sprich: Wir sind teurer als kommerzieller Sirup, aber auch leistbar. In den Sirupen stecken echt Handarbeit und echte Blüten, Extrakte für die Farbe brauchen wir nicht. Bei uns stecken echte Pflanzen drinnen, dafür ist es auch wahnsinnig viel Arbeit.

Was ist das Besondere an green sheep-Sirupen?
Wie schon erwähnt, haben wir 20 verschiedene Sorten von Sirupen. Wir haben schnell erkannt, dass das eine Nische ist, de facto gibt es hauptsächlich Sirup aus Hollerblüten in den Regalen der Supermärkte. Wir experimentieren sehr viel, daher entstehen jedes Jahr neue Sorten, die wir in unser Sortiment aufnehmen. Eine echte Rarität ist dabei etwa der Zirbensirup, da Zirbenzapfen normalerweise zu Schnaps verarbeitet werden.

Wir haben schnell erkannt, dass das eine Nische ist, de facto gibt es hauptsächlich Sirup aus Hollerblüten in den Regalen der Supermärkte

Sie haben vor zwei Jahren den Drink „Kräuter-Sternderl“ entwickelt. Was war die Idee dahinter?
Die Idee kam eigentlich von Kunden. Einige haben damals gefragt, ob wir nicht ein Produkt machen können, dass man auch unterwegs trinken kann. Das ist konservierungstechnisch sehr schwierig, wir haben aber gesagt, dass wir das probieren möchten. Nach einiger Zeit haben wir das Projekt aber ad acta gelegt. Es kam dann aber zu Gesprächen mit Harald Jankovits, dem Geschäftsführer vom Kinderhospiz Sterntalerhof und in weiterer Folge mit der Familie Egger von Egger Bier. Gemeinsam mit deren Zusammenarbeit ist es gelungen, den Drink herzustellen.

Wie gestaltet sich die Produktion von „Kräuter-Sternderl“?
Die Produktion ist sehr aufwändig. Alle Kräuter werden zunächst von Hand geerntet und anschließend bei uns angesetzt. Nach ein paar Tagen werden sie gefiltert und abgefüllt. Mit einer Spedition werden sie zur Firma Egger gebracht, wo der Drink schließlich mit Wasser, Kohlensäure und einem Schuss Zitronensaft abgefüllt wird.

Der Erlös des „Kräuter-Sternderl“ kommt zu 100 Prozent dem Sterntalerhof zugute. Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Ich habe selber familiär die Erfahrung gemacht, wie tapfer Kinder sein können, wenn sie krank sind. Das hat mich darin bestärkt, dass ich etwas tun möchte, um Kinder zu unterstützen. Ich beschloss, für Weihnachten ein eigenes Produkt herzustellen. Als ich 2012 mit meiner Oma in Linz mit der Grottenbahn gefahren bin, ist mir die Geschichte vom Sterntalerkind so in Erinnerung geblieben, dass ich beschlossen habe, den Sirup Sterntalersirup zu nennen. Bei einer Verkostung sind zwei Damen auf mich zugekommen und haben gefragt, ob das etwas mit dem Sterntalerhof zu tun hätte. Ich habe das verneinen müssen, da ich den Sterntalerhof zu dem Zeitpunkt nicht kannte. Ich habe dann den Geschäftsführer angerufen und gesagt, dass ich gerne spenden würde. Seither arbeiten wir eigentlich zusammen. Der Sterntalersirup ist seither um die Weihnachtszeit erhältlich. 50 Cent pro verkaufter Flasche gehen an den Sterntalerhof.