Region Purkersdorf: Große Ausfälle für Bauern. Landwirte müssen wegen Trockenheit und Regen mit Einbußen bei Raps, Getreide aber auch Heu rechnen.

Von Helga Urbanitsch, Nadja Büchler und Melanie Baumgartner. Erstellt am 01. Juli 2020 (03:34)
Nadja Büchler

Die Trockenheit auf den Feldern macht den Landwirten seit letztem Herbst zu schaffen.

Wegen der vielen Regentage konnte erst jetzt, Ende Juni, mit der Heuernte begonnen werden. Voriges Jahr war sie um diese Zeit bereits erledigt. Durch die lange Trockenheit im Frühjahr sind die Gräser schon verblüht. Üblicherweise wird das Heu vor der Blüte geerntet, dadurch ist mehr Energie im Heu enthalten. Entscheidend ist, welche Tiere mit dem Heu gefüttert werden. Bei Kühen und Aufzuchttieren macht sich die Qualität des Heus in der Milchleistung bemerkbar. Bei Pferden fällt eine schlechtere Qualität des Heus nicht so sehr ins Gewicht. Bei einer schlechten Heuernte verkaufen viele Bauern eher einige Tiere, als dass sie Futter zukaufen. Ein weiteres Problem der späten Heuernte ist die zeitliche Kollision mit der Getreideernte. Wegen der langen Trockenheit findet die Ernte des Getreides früher als üblich statt. Dieses Zusammentreffen stellt viele Landwirt vor eine logistische und zeitliche Herausforderung.

Auch Johann Brabec, Biobauer aus Pressbaum, kennt die Problematik. „Wir kommen auch bei einer schlechteren Heuernte mit der Menge für unsere eigenen Tiere durch und müssen kein Heu zukaufen. Schwieriger ist für uns die Situation beim Getreide. Durch die lange Trockenheit kommt es früh zur sogenannten Notreife. In diesem Fall befürchtet die Pflanze zu „verhungern“ und steckt ihre Energie in die Ähre und nicht ins Wachstum. Trotzdem kommt es zu geringeren Erträgen, die beim Dreschen sichtbar werden“, so Brabec.

Der viele Regen macht den Biobauern Probleme mit den Beikräutern. Da keine Spritzmittel verwendet werden, müssen sie mechanisch entfernt werden. Die Äcker sind nach Regentagen aber nicht mit den landwirtschaftlichen Maschinen zu befahren. Sie benötigen ein paar Tage um aufzutrocknen. „Wir sind immer vom Wetter abhängig und müssen uns jedes Jahr den Gegebenheiten anpassen“, fügt Brabec hinzu.

Ernst Hoffmann vom Bauernhof Hoffmann in Irenental hat, verglichen mit dem Vorjahr, weniger Ertrag. „Wir haben Schweine und Rinder. Um sie zu versorgen, bauen wir Kukuruz, Gerste, Roggen und Triticale, das ist eine Kreuzung au Roggen und Gerste, an. Weniger Ertrag bedeutet zugleich weniger Futter für die Tiere“, erklärt Hoffmann. Ob zugekauft werden muss, kann er aus derzeitiger Sicht allerdings noch nicht sagen.

Einbußen bei Raps und Getreide

Vor allem bei Raps, Getreide und Leguminosen wie Erbsen hat die Trockenheit Schäden angerichtet, erzählt Bezirksbauernkammerobmann Mathias Holzer. Auch das Schädlingsaufkommen hängt damit eng zusammen, wie etwa bei den Rüben der Rübenrüssler. „Auch hier haben wir große Ausfälle zu verzeichnen. Die Überschwemmungen haben auch Schäden angerichtet, sind aber eher Gott sei dank kleinräumig. Das wird sich in der Befahrbarkeit der Böden auswirken, da ja bei vielen Herbstkulturen wie Rüben oder Kartoffeln jetzt Planzenschutzmaßnahmen anstehen und wenn diese nicht rechtzeitig stattfinden können, dann wird es auch da Schäden geben. Das kann man aber zum heutigen Zeitpunkt nicht abschätzen“, sagt Holzer.

Bezüglich Herbstfrüchten sieht es momentan gut aus. „Da werden wir aber im Sommer noch reichlich Niederschläge brauchen. Wie gesagt, bei Raps und Getreide werden wir mit Einbußen rechnen müssen“, so Holzer. Generell rechnet Holzer heuer mit einer unterdurchschnittlichen Ernte.

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