Lahodynsky blickt auf Amtszeit zurück. Der Purkersdorfer Otmar Lahodynsky ist seit sechs Jahren Präsident und blickt auf einige Meilensteine zurück.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 24. September 2020 (03:30)
Bei der AEJ-Konferenz 2014 in Neusiedl: Anton Pelinka, Wolfgang Petritsch, Edvard Kukan (Ex-Außenminister der Slowakei) und Alexander Scherba (Botschafter der Ukraine in Österreich) mit Otmar Lahodynsky.
Ulrike Lahodynsky-Sommer

Eigentlich wäre die Amtszeit von Otmar Lahodynsky als Präsident der Vereinigung der Europajournalisten (Association of European Journalists, AEJ) heuer nach sechs Jahren zu Ende. Denn nur zwei Mal kann man wiedergewählt werden. Im Herbst hätten Neuwahlen stattfinden sollen. Das bisherige Präsidium mit dem Purkersdorfer an der Spitze bleibt nun aber vorerst im Amt, erst 2021 will die AEJ zusammenkommen. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Wahl verschoben.

EU-Themen sind Lahodynsky ein großes Anliegen, das beweist sein beruflicher Werdegang. Der Purkersdorfer, der mittlerweile in Pension ist, war EU-Koordinator beim Nachrichtenmagazin Profil, Brüssel-Korrespondent bei der Presse sowie Außenpolitik-Ressortchef beim Kurier. Bald nach seiner Rückkehr aus Brüssel im Jahr 1995 kam Lahodynsyky zur AEJ. „Ich habe damals Gespräche mit Diplomaten organisiert und wollte auch weiter Kontakte zum EU-Geschehen halten, davon hat der damalige Chef der österreichischen Sektion, Robert Wiesner vom ORF-Report, erfahren“, so Lahodynsky. Man hat dann entschieden, die Veranstaltungen gleich in der AEJ-Sektion zu machen. Ende der 90er-Jahre wurde Lahodynsky deren Chef.

„Es ist ein Wahnsinn, dass so etwas in der EU passiert – nur eine Autostunde von Wien entfernt.“ Otmar Lahodynsky über die Ermordung von Ján Kuciak

Lahodynskys AEJ-Amtszeit als Präsident begann 2014. Er wurde ohne Gegenkandidaten gewählt. Stattgefunden hat die Versammlung in Neusiedl. „Weil das Burgenland ein Land war, das vom EU-Beitritt sehr profitiert hat. Ich habe das Event international angelegt. Anwesend waren auch ungarische Politiker, wie beispielsweise Livia Jaroka, die einzige EU-Abgeordnete, die der Volksgruppe der Roma angehört“, berichtet Lahodynsky. Außerdem hat der Journalist Seminare zu europäischen Themen für die Mitglieder ins Leben gerufen – zu Themen wie dem Brexit, mit 30 bis 50 Teilnehmern. „Die Seminare hat es vor meiner Amtszeit nicht gegeben. Sie sind ein großer Erfolg. Das letzte fand heuer im Februar zum höchst umstrittenen Thema EU-Budget statt. Johannes Hahn war Gastredner, gleich nach dem Seminar ist er zum EU-Sondergipfel abgerauscht. Es wurde ja erst im Sommer entschieden, dass die EU Schulden aufnehmen darf“, erzählt Lahodynsky. Auch Gesprächsrunden bei Botschaftern wurden angeboten.

Einsatz für die Medienfreiheit

Die AEJ engagiert sich auch im Kampf gegen Fake News: „Journalisten müssen dagegen ankämpfen, weil diese auch immer öfter als politische Waffe eingesetzt werden – zum Beispiel die Trump-Attacken oder russische Desinformation.“ Großes Thema ist auch die Medienfreiheit. „In meine Amtszeit sind ja besonders schlimme Fälle gefallen, die Morde an Daphne Caruana Galizia auf Malta sowie an Ján Kuciak, der mit seiner Verlobten Martina Kušnírová in der Slowakei erschossen wurde“, so Lahodynsky. Bei Galizias Fall habe man bis heute nur einen Drahtzieher gefunden. „Bei einer AEJ-Veranstaltung in Paris haben ihre Söhne erzählt, dass ihre Mutter völlig allein gelassen wurde“, berichtet der Purkersdorfer. Protestiert hat die Vereinigung auch beim Freispruch im Kuciak-Fall. „Wir fordern hier eine lückenlose Aufklärung und, dass der Schuldige möglichst rasch gefunden wird. Es ist ein Wahnsinn, dass so etwas in der EU passiert – nur eine Autostunde von Wien entfernt.“

Neben diesen dramatischen Fällen wurden auch Stellungnahmen zu kleineren Vergehen abgegeben. „Zum Beispiel in Österreich, als zur Corona-Zeit zu den Pressekonferenzen nur ausgewählte Tageszeitungen und der ORF eingeladen wurden. Das geht so nicht.“ Reagiert habe man auch, als in Polen ein Radiosender entpolitisiert wurde. „„Hintergrund war ein böses Lied über den Friedhofsbesuch des Chefs der Regierungspartei PiS – in Polen waren nämlich solche Besuche während des Lockdowns verboten“, erklärt der Purkersdorfer.

„Die EU hätte früher in Erscheinung treten müssen, sie wussten schon Ende Jänner von der Pandemie“,

Die Verantwortlichen in der EU haben sich Lahodynskys Ansicht nach zu Beginn der Corona-Krise vollkommen falsch verhalten. „Ich war entsetzt. Die EU war abgetaucht. Die Mitgliedsländer haben das Heft an sich gerissen, als ob es die EU gar nicht geben würde“, meint der Journalist. Grenzen wurden geschlossen und Regeln des Binnenmarktes ausgehebelt. „Die EU hätte früher in Erscheinung treten müssen, sie wussten schon Ende Jänner von der Pandemie“, ist Lahodynsky überzeugt. Beispielsweise hätten Flugzeuge aus China gestoppt oder die Passagiere untersucht werden sollen. Außerdem hätte man gemeinsam Masken, Schutzkleidung und Beatmungsgeräte anschaffen können.

„Besonders geärgert hat mich, dass in Ungarn das Parlament ausgeschaltet wurde und am selben Tag die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, ein Video veröffentlicht hat, wie man sich die Hände wäscht. Da habe ich mich schon gefragt, welche Berater die Frau hat. Das war kein Ruhmesblatt.“ Italien sei als besonders betroffenes Land einfach im Stich gelassen worden. Auch habe man sich in der EU zu sehr auf die Weltgesundheitsorganisation verlassen. „WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat sich wegen seiner Nähe zu Peking nicht getraut, rechtzeitig die Pandemie auszurufen“, meint der Journalist.

„Wichtige Betriebe, wie Pharmaproduktionen, gehören einfach nach Europa"

Otmar Lahodynsky sieht aber auch, dass die EU viele Kompetenzen gar nicht hat. „Die Gesundheitspolitik bleibt weitgehend ausgeklammert. Aber diese Situation ist eine Chance, auf künftige Pandemien besser vorbereitet zu sein“, meint er. Das EU-Hilfsprogramm über 750 Milliarden Euro für die Wirtschaft sieht er positiv. „Wichtige Betriebe, wie Pharmaproduktionen, gehören einfach nach Europa. Man muss schauen, dass man nicht völlig abhängig wird von China.“

Fehler in der Corona-Krise sind seiner Meinung nach aber auch in Österreich passiert. „Beispielsweise der Oster-Erlass oder jetzt das Durcheinander mit der Corona-Ampel.“ Grundsätzlich habe die Regierung mit dem ersten Lockdown aber gut reagiert. „Damit wurde Österreich vor Ärgerem bewahrt“, ist der Purkersdorfer überzeugt. Der Journalist selbst hat die Zeit gut verbracht. „Ich habe ein bisschen weitergearbeitet und war viel spazieren“, sagt er.