Baumarkt Grasl sperrt in Pressbaum zu. Nach 101 Jahren schließt das Traditionsunternehmen. Lagerbestand wird abverkauft.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 13. September 2020 (03:01)

„Eine Baustofffirma hat mitten im Ort nichts mehr verloren. Weiters wollten wir der nächsten Generation die vielen Arbeitsstunden und Auflagen nicht zumuten“, erklärt Langthaler zur Schließung des Baumarktes Grasl. „Wir haben sechs Tage in der Woche gearbeitet, beim Winterdienst auch sonntags“.

Der erste Firmensitz befand sich in Tullnerbach. Dann zog die Firma auf das jetzige Gelände vom Billa-Markt. Bald darauf wurde das Grundstück in Pressbaum erworben.Am Foto ganz rechts ist Inhaber Anton Grasl zu sehen.
Archiv Familie Grasl

Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern bereiten sich die Inhaber der Firma Grasl schon seit Jahren auf diesen Schritt vor. Auch der Fuhrpark wird nur an berufliche Partner verkauft und bleibt somit im Ort. „Ein großes Lob muss ich den Mitarbeitern aussprechen. Es war uns wichtig, dass sie selbstständig im Arbeitsalltag agieren. Dadurch haben wir alle am gleichen Strick gezogen, und es sind echte Freundschaften entstanden“, zeigt sich Langthaler gerührt. Bezüglich des Verkaufs oder der Verpachtung des Grundstücks wurde die Stadtgemeinde 2017 informiert. 2019 wurde mit einer Firma ein Vertrag auf Kaufrecht innerhalb eines Jahres geschlossen, und dieses Kaufrecht wurde kürzlich gezogen. Gegründet wurde das Unternehmen mit Firmensitz in Tullnerbach von Richard Grasl - Urgroßvater der Geschwister Peter Lackner und Brigitte Langthaler - im Jahr 1919. Der Betrieb handelte mit Baumaterial und Holz, geliefert wurde die Ware mit den eigenen Pferdefuhrwerken. Der erste Lkw wurde 1929 angeschafft, 1935 bestand der Fuhrpark bereits aus fünf Lastkraftwagen. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Unternehmen von den drei Brüdern Anton, Otto und Friedrich Grasl geführt. Nach dem Tod der Brüder Otto und Friedrich wurde der Betrieb 1940 in die Einzelfirma Anton Grasl umgewandelt. Anton Grasl war als cleverer und zuverlässiger Geschäftsmann bekannt.

Die Verlegung des Firmensitzes von Tullnerbach an den heutigen Standort in Pressbaum ging 1961 über die Bühne. Auf dem 12.000 Quadratmeter großen Areal wurde ein Bürogebäude mit Verkaufsgeschäft, Lagerhallen und Garagen errichtet. Es gab auch eine gut ausgerüstete Kfz-Werkstatt, die den eigenen Fuhrpark betreute. 1975 wurde das Einzelunternehmen in die Anton Grasl GmbH umgewandelt, und diese wird bis heute im Familienverband geführt. Nach Grasl übernahmen seine Tochter Ingrid und ihr Ehemann Alfred Lackner.

70-Stunden-Wochen prägten Alltag

Alfred Lackner kam mit 17 Jahren zur Firma und blieb. Arbeitswochen mit 70 Stunden prägten den Alltag. In einer finanziell schwierigen Situation, in der Zeit der Umstellung von Schilling auf Euro, wurde ein kleiner Teil der Liegenschaft verkauft. Viele Jahre befanden sich ein Zielpunkt-Markt und seit einigen Jahren ein Pagro auf dem 3.000 Quadratmeter großen Grundstück. Ab diesem Zeitpunkt ging es wieder bergauf. Mit 60 Jahren ging Alfred Lackner in Pension, und dann kümmerten sich Peter Lackner und seine Schwester Brigitte mit Ehemann Werner Langthaler ums Geschäft. Die Zusammenarbeit funktionierte gut, Strategien wurden angepasst und als oberstes Ziel wurde die Tilgung der bestehenden Schulden festgelegt. „Wir haben geschaut, wo wir Geld verdienen konnten und Nischen in der Branche abgedeckt. Wenn die Konkurrenten große Lkws kauften, haben wir kleine gekauft. Das und die vielen Beratungsgespräche von Peter und Brigitte und meiner Anwesenheit auf den Baustellen war unser Erfolgsrezept“, erzählt Werner Langthaler voller Stolz.

Langthaler war auch als Bagger- und Lkw Fahrer im Einsatz oder arbeitete dort, wo gerade Not am Mann war. Der Bau von Biotopen und Steinmauern wurde zu seiner Leidenschaft. Die Firma Grasl ist mit der Zeit gegangen, aber ganz bewusst „klein“ geblieben, während andere Firmen immer größer wurden. Die Anzahl der Mitarbeiter wurde mit der Zeit von 20 auf acht Personen reduziert.

Sie war schnell und flexibel und wurde von großen Firmen, wie zum Beispiel der Strabag, bei Personalausfällen engagiert.