Marcus Pelz: Eine Stimme für die große Bühne. Opernsänger Marcus Pelz weihte Martina Reuter in die Geheimnisse seines Berufsstandes ein und verriet, warum ihm im Stau nicht langweilig wird.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 04. Juli 2019 (03:56)
Reuter
„Wenn andere morgens den Verkehrsfunk hören, trällere ich mich warm im Auto“, erzählte Opernsänger Marcus Pelz Martina Reuter beim Fashiontalk im Dorfcafé.

Styleexpertin Martina Reuter traf im Gablitzer Dorfcafé auf Marcus Pelz. Auf den ersten Blick wirkt dieser ein korrekt angezogener Bankberater oder Versicherungsvertreter, doch dieser Eindruck ist weit gefehlt. Marcus Pelz ist seit über 20 Jahren ein fixes Mitglied der Wiener Staatsoper.

Der gebürtige Stuttgarter ist 1998 nach Wien gekommen, um beruflich Fuß zu fassen. Sein Ziel war schon immer die große Bühne, ob Oper, Theater oder Musical. Sein Talent ist seine Stimme. Schon von klein an hat Marcus gesungen - anfangs im Schülerchor, später bei Amateurgruppen, heute an der Wiener Staatsoper.

„Ich spiele am meisten Könige und Bösewichte. Das finde ich immer sehr spannend, da kann man mit der Stimme auch sehr gut arbeiten.“ Marcus Pelz

„Ich wollte schon immer singen, die Wiener Staatsoper ist für viele das große Ziel. Ich habe immer gehofft, dass ich es schaffe. Vor 20 Jahren bekam ich dann das Ticket auf die große Bühne“, strahlt Marcus.

Mittlerweile spielt er im Jahr 64 Opern, er hat über 110 Stücke verinnerlicht, probt täglich und muss sehr gut auf sein „Werkzeug“, nämlich seine Stimme, achten.

„Wenn ich morgens von Gablitz in den ersten Bezirk fahre und gerne auch mal in Purkersdorf im Stau stehe, singe ich mich sehr laut ein. Stimmübungen sozusagen. Das muss sein, ist wie ein Aufwärmen beim Sport. Natürlich schaut das sehr komisch aus, denn ich muss meinen Mund sehr weit aufreißen“, schmunzelt er. „Egal, wenn mich wer schräg ansieht, dann lächle ich zurück“, grinst er.

Marcus lebt mit seiner Frau Elisabeth, einer professionellen Pianistin, und seinen zwei Söhnen seit über acht Jahren in Gablitz. Aktuell baut er ein Haus um und pendelt zwischen Staatsopernbühne und Baustelle. „Da ich fast jeden Abend singe, ist mein Arbeitspensum im Moment sehr hoch. Aber auch auf einer Baustelle kann man laut singen“, verrät er.

Über Otello bis hin zur Zauberflöte

Von Sommernachtstraum über Otello bis hin zur Zauberflöte, Marcus beherrscht jede Oper perfekt. „Ich spiele sehr gerne auch Kinderoper, ich schlüpfe täglich in Kostüme, viel Make-up, Perücken und extrem schwere Kleider. Privat bin ich lieber klassisch mit Hemd und Stoffhose oder Jeans unterwegs. Auch bei den Proben, wo wir kein Publikum haben, ist ein gewisser Dresscode erwünscht. Lange Hose, geschlossene Schuhe und ein schickes Oberteil sollte schon sein. Schließlich arbeiten wir in der Staatsoper, einer der drei größten Opernhäuser weltweit“, erklärt der Wahl-Gablitzer.

„Ich gehe kaum einkaufen, mein Gewand besitze ich sehr lange, manchmal sogar über 20 Jahre. Das ist super, denn die Mode kommt ja immer wieder“, grinst er. Auf der Bühne ist Marcus ein komplett anderer, durch die vielen Rollen wechselt er oft den Charakter.

„Ich spiele am meisten Könige und Bösewichte. Das finde ich immer sehr spannend, da kann man mit der Stimme auch sehr gut arbeiten. Ich muss aber auch aufpassen, damit ich nicht heiser werde, das wäre eine Katastrophe. Gablitz tut mir gut, die Luft ist hier einfach herrlich. Perfekt für mich“, schwärmt der Stuttgarter.

„Ob viele in der Region wussten, dass hier ein Opernsänger zuhause ist, der jeden Morgen mit weit geöffnetem Mund durch Purkersdorf und Gablitz saust, um sich aufzuwärmen?“ fragt sich die Modeexpertin Martina Reuter amüsiert und wünscht weiterhin gutes Gelingen.