Auf den Hund gekommen: Schul-Chefin im Gespräch. Silvia Thoma-Schwarz und ihre Vierbeiner bringen vielen Menschen Freude und Hilfe.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 24. Mai 2020 (06:13)
Silvia Thoma-Schwarz beim Training mit ihrem Vierbeiner.
Nadja Büchler

NÖN

Das Interesse an alten Menschen und Tieren, speziell an Hunden, war bei Silvia Thoma-Schwarz immer schon groß. 1989 legten Gerda Wittmann und Thoma-Schwarz den Grundstein für die erste tiergestützte Therapie in Österreich. Der damals 13-jährige Hund von Silvia Thoma-Schwarz namens Puella wurde der erste Besuchshund Österreichs, der zweite Hund, Bambola, zum ersten Therapiehund.

Die Nachfolger dieser beiden Hunde begleiten sie bis heute in der sechsten Generation gemeinsam mit Hasen, Meerschweinchen und Mäusen in die verschiedensten Einrichtungen. In den letzten 30 Jahren hat der „Bambola de Puella Clan“ und Vieles bewirkt. Etwa 15 Jahre lang verstärkten zwei Katzen, Joschi und Lilly, sowie Ratte Maxi das Team. Thoma-Schwarz und ihr felliges Team blicken auf sehr viele Menschen zurück, die sie glücklich machen konnten.

NÖN: In unserer Gegend kennt man Sie vor allem als Trainerin in der Hundeschule Pressbaum. Was machen Sie in ihrem Hauptberuf?

Silvia Thoma-Schwarz: Ich bin seit 1989 im Bereich der Tiertherapie tätig und jeden Tag in einer anderen Einrichtung mit meinen Tieren unterwegs. Ich arbeite in Spitälern, Pflegeheimen oder Blindenheimen. Viele Jahre war ich auch in Schulen tätig. Wir hatten mit den Tieren große Erfolge bei Kindern und Jugendlichen im Bereich des sozialen Lernens. Die Arbeit an den Schulen ist sehr aufwendig und auch fordernd. Mit den Besuchen der Schulen habe ich mittlerweile aufgehört.

Mit welchen Tieren machen Sie Ihre Arbeit?

Neben den Hunden sind noch meine Hasen, Meerschweinchen und Mäuse in den Einrichtungen mit dabei. Die Hunde sind die Lieblinge fast aller Patienten oder Heimbewohner. An zweiter Stelle kommen die Mäuse. Mit ihrer Aktivität laden sie die Menschen geradezu ein, sie zu beobachten oder auf sie zu reagieren. Selbstverständlich gibt es auch unter den Tieren Persönlichkeiten. Einer meiner Hunde war sehr „arrogant“, dessen Zuneigung musste man sich erst erobern. Mit ihm hatten wir viele Erfolge in den Schulen.

Was ist tiergestützte Therapie?

Die Basis bildet die Dreiecksbeziehung zwischen Klient, Tier und Therapeut. Bei der tiergestützten Therapie werden Praktiken angewandt, bei denen die Klienten mit den Tieren interagieren und kommunizieren. Die Therapie findet entweder mit Einzelpersonen oder in Gruppen statt. Eine Einheit dauert 45 Minuten, danach wechseln Tiere und Klienten.

Wo haben Sie ihre Ausbildung gemacht?

Mein Wissen über Hunde erweiterte ich durch Aus - und Weiterbildungen im In- und Ausland. Zu Beginn gab es in Österreich dazu gar nichts. Die ersten Ausbildungen machte ich in der Schweiz und in Deutschland. Meine Hunde sind von klein auf bei den Therapiestunden mit dabei. Sie wachsen damit auf und lernen viel von den älteren Hunden. Bei ihrer Arbeit lasse ich ihnen Freiraum und wirke nicht sehr viel auf sie ein. Das funktioniert sehr gut, würde ich sie zu etwas zwingen, bringt es weder den Menschen noch den Tieren etwas. Nach der Arbeit sind sie müde. Der Kontakt zu den Menschen ist anstrengend, und sie brauchen Bewegung, um ihren „Stress“ abbauen zu können.

Erzählen Sie uns etwas über ihren beruflichen Alltag?

Unsere Anreise in eine Einrichtung ist herausfordernd. Alle Tiere müssen sicher transportiert werden. Im Kaiser Franz Josef Spital sind sie so gut wie zuhause, da kennen sie sich aus. Sie vergessen keinen ihrer Klienten. Gerade in den psychiatrischen Abteilungen kommen Patienten immer wieder ins Spital zurück. Mensch und Tier erkennen sich wieder und freuen sich auf einander. Nach der Aufnahme im Spital sind Klienten oftmals in einem Zustand, in dem eine Kommunikation mit ihnen nicht möglich ist. Die Hunde schaffen es schneller und leichter, einen Zugang zu bekommen. Dadurch ermöglichen sie die Arbeit der Therapeuten. Das beginnt ganz einfach damit, dass sich beide gemeinsam dem Tier zuwenden und auf dieser Basis Vertrauen aufbauen können.

Sind sind auch im Agility Sport engagiert. Seit wann?

1995 begann ich damit. Mit viel Spaß, aber wenig Ehrgeiz und Zeit im Training, schafften wir es trotzdem bis zur Turnierreife. Bis heute bin ich der Meinung, dass im Hundetraining weniger mehr ist, denn immerhin schafften wir es neben vielen Stockerlplätzen, auch zu mehrfachen österreichischen Meister- und Vizemeistertiteln. Es gibt sicher kein anderes Team, das mit so wenig Training, so viel erreicht hat.

Sie sind Hundetrainerin. Wie kam es dazu?

Wie alles in meinem Leben kam auch die Trainertätigkeit zufällig, aber mit großer Vehemenz zu mir. In der Hundeschule biete ich Agility Kurse an. Jedes einzelne Team ist für mich eine Herausforderung und liegt mir am Herzen. Das sind keine leeren Worte - das ist einfach so und kostet mich keinerlei Überwindung.

Genauso bin ich 2019 zur Obfrau des ÖGV Pressbaum gewählt worden. Gemeinsam mit Karin Orman und Thomas Menschhorn übernahm ich die Leitung. Es war keine leichte Übernahme. Inzwischen haben wir ein sehr engagiertes Team aufgebaut, das nach neuesten Lernmethoden, aber auch nach auf Erfahrung aufgebautem Training unterrichtet. Gaby, Doris, Lisa, Gudrun und ich bilden ein Superteam. Zusätzlich unterstützt uns Pascal Bauer als Platzwart ganz großartig, Hilde betreut unseren Blumenschmuck und Familie Fischer/Aringer hilft in vielen Dingen. So wie es immer mehr Mitglieder gibt, die ihre Hilfe anbieten. Es ist schön zu sehen, wie sich nach unserem ersten Jahr ein großes Miteinander entwickelt. Im zweiten Jahr wollten wir professioneller ins neue Jahr starten, wurden aber durch Corona eingebremst. Jetzt dürfen wir unter Auflagen die Hundeschule endlich wieder öffnen.

In welcher Weise waren sie von der Corona Krise betroffen?

Nach zwei Wochen ist mir aufgefallen, dass den Hunden ihre Arbeit mit den Menschen fehlt. Ich habe die Zeit genutzt, um meine Arbeitsweise in der Tiertherapie etwas umzustellen.