60 Jahre Wiener Stadthalle: „Man atmet Geschichte“. Der Gablitzer Wolfgang Fischer ist seit sechs Jahren Chef des größten Veranstaltungsgebäudes Österreichs. Mit der NÖN spricht er über das große Jubiläum.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 29. Juni 2018 (05:26)
NOEN, Wiener Stadthalle|Star 2016pix
Zwei aus dem Wienerwald. 2016 überreichte Stadthallen-Chef WolfgangFischer den „Wiener Stadthallen Flügel“ an Wolfgang Ambros.

Sie ist eine der meistbesuchten Gebäude Österreichs, sie feiert dieser Tage ihr 60-jähriges Bestandsjubiläum, es gibt kaum einen Europäer, der sie nicht kennt. Und ein Gablitzer ist seit 2012 ihr Geschäftsführer. Ja, richtig, es handelt sich um die altehrwürdige Wiener Stadthalle. Die NÖN sprach mit dem Hausherrn Wolfgang Fischer unter anderem über die Feierlichkeiten inklusive Jubliäumsshow, seinen Job und seine Heimatgemeinde.

Was bedeutet so ein großes Event wie die Jubiläumsshow für Sie? Wie groß ist der Aufwand?
Wolfgang Fischer: Solche Topshows sind für mich nicht so anstrengend. Es ist gelegentlich herausfordernd, aber mit starken Partnern wie der Konzertagentur LSK, dem ORF und einem kompetenten Team sind wir gut gerüstet. Am Freitag zeigt ORF 1um 20.15 Uhr die Jubiläumsshow. So etwas ist immer eine große Herausforderung, doch genau das macht mir Spaß. Das ist wie mit dem Eu- und dem Di-Stress. Das eine ist der gute, das andere der nicht so gute. Und ich liebe den guten Stress.

Diese Art Stress dürfte Ihnen nicht unbekannt sein. Schließlich tragen Sie bei jeder Veranstaltung zumindest Mitverantwortung. Kann man sich das so vorstellen?
Ich kann mir ja nicht alle 300 Veranstaltungen pro Jahr selbst anschauen. Man hat auch ein bisschen Privatleben, und hin und wieder schaut man sich woanders Sachen an. Wie schon anfangs erwähnt, habe ich ein Top-Team, sodass ich keine Sekunde nervös oder unsicher bin. Alle Veranstaltungen werden routiniert und gut vorbereitet und abgewickelt.

„Wenn man durch die leere Halle geht, spürt man die Kraft, und ich bin immer sehr beeindruckt.“ Wolfgang Fischer

Seit wann sind Sie für Stadthalle verantwortlich?
Ich habe als Geschäftsführer der Stadthalle am 1. Februar 2012 meinen Dienst angetreten, davor war ich 19 Jahre beim ORF.

Hat Sie die Aufgabe schon immer gereizt, ist das so eine Art Traumjob?
Natürlich ist die Leitung des größten Veranstaltungszentrums Österreichs – in Europa sicher unter den Top 10 – eine unglaublich reizvolle Geschichte, es hat sich dann einfach ergeben. Ich habe mir gedacht: „Mit 50, da machst du noch etwas anderes.“

Wie kann man sich das Erstellen eines Veranstaltungsplanes vorstellen. Sind Sie da auch involviert?
Wir haben ein Management, das diese Dinge abwickelt. Wir haben den großen Vorteil, dass die Mannschaft gut eingespielt ist und weiß, was einem wichtig ist. Da besteht große Eigenständigkeit und Eigenverantwortung. Ich sehe den Anfang einer Veranstaltung relativ oft. Ich rede oft mit Billeteuren oder Garderobieren, schließlich sind sie das Gesicht der Halle, das jeder Besucher wahrnimmt.

Welche Veranstaltung werden Sie sich selbst nicht entgehen lassen?
Bevorzugte Veranstaltungen habe ich eigentlich nicht. Eltern ist jedes Kind gleich viel Wert, sagt man. Hervorzuheben sind dennoch ELO, Ian Anderson oder Die Fantastischen Vier. Außerdem finde ich es total geil, dass Maschek im November zu ihrem 20. Geburtstag spielt, erstmals seit langem wieder zu dritt. Dreimal 20 ergibt 60, da schließt sich der Kreis zu 60 Jahre Wiener Stadthalle. Im Hochsommer kommt noch Justin Timberlake. Monika Gruber gastiert auch, sie ist unglaublich originell. Besonders freue ich mich, dass Helene Fischer ihre bei uns abgesagten Konzerte nachholt. Ansonsten sind Holiday on Ice und das Tennisturnier Erste Bank Open enorm wichtig. Noch dazu haben wir derzeit mit Dominic Thiem einen erfolgreichen Spieler.

Wenn man auf die sechzigjährige Geschichte der Stadthalle zurückblickt. Gebietet dies Ehrfurcht?
Roland Rainer hat damals etwas architektonisch Einmaliges hingestellt. Wir sind die einzige Halle dieses Alters in Europa, die noch keine Generalsanierung über sich ergehen lassen musste. Es ist von ABBA bis Zappa, im wahrsten Sinne des Wortes, schon alles auf der Bühne gestanden. Die Rolling Stones 1967 sogar zweimal, um 14 und um 20 Uhr. Die Stadthalle atmet Geschichte, und wenn man durch die leere Halle geht, spürt man die Kraft – ich bin noch immer sehr beeindruckt. Mit 60 gehen schon viele Menschen in Pension.

Neubau oder Generalsanierung, wie stehen Sie zu diesem Thema?
Wenn mich der Eigentümer nach meiner Meinung fragt, werde ich sie sagen. Ich werde es aber nicht über die Zeitung ausrichten. Es gibt Für und Wider für beide Varianten.

Sie wohnen in Gablitz. Fühlen Sie sich wohl?
Ich wohne seit 2006 in Gablitz. Wenn ich mich nicht wohlfühlen täte, wäre ich nicht da. Es ist nicht weit nach Wien, und man ist dennoch im Grünen. Ich fahre gerne mit dem Mountainbike, natürlich auf den gekennzeichneten Wegen.