Journalisten für vieles einsetzbar. Onka Takats und Wolfgang Fischer teilen die Liebe zu Kultur, Natur und gemütlichen Abenden mit Freunden.

Von Monika Närr. Erstellt am 19. März 2021 (03:32)
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Das Reisefieber packt sie immer wieder: Besonders lieben Onka Takats und Wolfgang Fischer Ziele in Nord- und Südamerika. Städte erkunden sie dann gerne per Fahrrad.
privat, privat

Sie ist eher introvertiert, schätzt den engeren Familien- und Freundeskreis und weiß punktgenau, wann und wie sie ihr Wort für Benachteiligte erheben muss. Dies macht sie derzeit vor allem als Journalistin in der ORF-Informationssendung „konkret“.

Er ist Geschäftsführer der Wiener Stadthalle, leidenschaftlich extrovertiert, ein begnadeter Netzwerker und Socialiser und es scheint, als könne ihn nichts in Sprachlosigkeit versetzen: Wie gut dieses Match im Lebens- und Berufsalltag funktioniert, erzählte das kulturaffine Ehepaar Onka Takats und Wolfgang Fischer der NÖN. Beide sind wachsame Zuhörer, beide erfahrene Journalisten, beide schätzen die Basis ihrer Gemeinsamkeit: Auf dieser beraten sie einander beruflich, genießen Abendessens-Einladungen bei sich daheim, unternehmen Reisen und jetzt im Lockdown vor allem ausgedehnte Wanderungen und Mountainbike-Fahrten in der Natur.

NÖN: Sie sind und waren beide exponiert im Journalismus, vor allem im ORF, tätig. Was bedeutet Ihnen diese gemeinsame Lebensbühne?
Onka Takats: Wir kannten uns schon lange, bevor wir zusammenkamen, aber nur aus der Ferne. Obwohl Wolfgang nicht mehr im Medienbusiness tätig ist, ist er ein guter Ratgeber, wir haben ja denselben gedanklichen Zugang. Ich schätze ihn als Sparringpartner und für den Ideenaustausch. Zu seinem Leidwesen mag ich aber nur eher selten an seinen vielen Netzwerk- und Socialising-Terminen teilnehmen.

Wolfgang Fischer: Ich habe Phantomschmerzen (lacht), mir fehlt der Journalismus nach wie vor. Daher schreibe ich öfter Gastkommentare, derzeit viel über Live-Kultur und Digitalisierung. Journalisten sind ja solide halbgebildet und daher für vieles einsetzbar. Man lernt, komplexe Sachverhalte rasch aufzunehmen, zu erkennen, zuzuordnen, Entscheidungen zu treffen. Und das ist in Wahrheit ein Rezept für gutes Management.

Onka Takats und Wolfgang Fischer
Die Menükarte im offenen Küchen-Essens-Wohnbereich des Hauses Takats-Fischer am Fuße des Gablitzer Troppberges wurde schon vor etwas längerer Zeit beschrieben.
Monika Närr

Und was sind die verbindenden Elemente Ihres Privatlebens?
Takats: Wir sind gerne im Wald unterwegs. Egal, ob wir marschieren, rad- oder Ski fahren. Und wir reisen gerne, vor allem nach Nord- und Südamerika. Städte erkunden wir dabei gerne mit dem Rad.

Fischer: Mir fehlen derzeit unsere Opern-, Theater- und Konzertbesuche. Das tut jetzt langsam wirklich weh. Normalerweise sind wir mehrmals pro Monat abends in Theater und Oper unterwegs.

Sie sind beide auch erfahrene Moderatoren…
Takats: Ich habe früher sehr viel moderiert, im Landesstudio Wien des ORF, aber auch bei unzähligen privaten Veranstaltungen. Durch meine jetzige Tätigkeit beim ORF-Konsumentenmagazin „konkret“ habe ich diese eher zurückgeschraubt.

Fischer: Mein professioneller Kontakt zur Stadthalle entstand über Moderationen. Als die Halle F gebaut wurde, die Garage und das Parkpickerl kamen, habe ich als ORF-Mitarbeiter dort einige Bürgerversammlungen moderiert und mich schon damals mit der Stadtentwicklung dieses Grätzls beschäftigt. Das war zehn Jahre, bevor ich 2012 Geschäftsführer wurde. Ich habe mich damals schon intensiv mit den einzelnen Teilaspekten auseinandergesetzt. Rückblickend zeigt sich oft, wie viel sich durch solche Zufälle später ergibt.

Mir fehlen derzeit unsere Opern-, Theater- und Konzertbesuche. Das tut jetzt langsam wirklich weh

Was sind die speziellen Herausforderungen in Ihren jeweiligen Berufsfeldern?
Takats: In meiner Redaktion des „konkret“-Teams sind wir oft in Robin Hood-Situationen. Manchmal gelingen uns Lösungen, manchmal nicht. Häufig ist es ein Kampf David gegen Goliath, ab und zu bewegen wir uns auch auf dünnem Eis. Oft sind wir der letzte Anker für Leute, die kein Gehör finden. Man braucht in alle Richtungen Fingerspitzengefühl, muss die Betroffenen emotional abholen und auf den Boden bringen. Es ist befriedigend, sich für etwas Sinnvolles und Gutes einzusetzen.

Fischer: Ich bin gespannt, wie sich die Veranstaltungsbranche nach der Pandemie weiterentwickelt. Derzeit sind die Leute gewohnt, digital alles gratis zu haben. Was wird man lernen aus der Pandemie, welche Business-Modelle werden adaptiert werden? Ich glaube, wir werden noch Roaring Twenties erleben. Ich denke, es wird wilder werden, als es vorher war. Die Sehnsucht nach Begegnung, Berührung, gemeinsamem Erleben und Feiern ist groß. Nach Katastrophen kommen immer Hype und Aufschwung. Aus Asche entsteht etwas Neues.

Onka Takats und Wolfgang Fischer
Gemeinsame kulturelle Abende haben für Onka Takats „eine hohe Qualität“. Dass dies momentan fehlt, tut Wolfgang Fischer „wirklich weh“. Üblicherweise besucht das Paar mehrmals pro Monat Theater- und Opernvorstellungen, hier ist es auf der Bühne der Wiener Staatsoper abgelichtet. 
Privat

Sie sitzen ja auch im Aufsichtsrat der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) und des Technischen Museums!
Fischer: Es ist spannend, weil es eine weitere kulturelle Dimension bedeutet. Als Geschäftsführer der Stadthalle befasse ich mich mit Unterhaltung und Populärmusik. Als Aufsichtsrat der VBW geht es mehr um Hochkultur. Im Technischen Museum ist auch die Österreichische Mediathek beheimatet. Aus meiner ORF-Zeit heraus betrachtet, ist das sehr interessant.

Sie stehen beide immer wieder im Rampenlicht. Wie wichtig ist Ihnen das?
Takats: Wir denken unterschiedlich. Bei Wolfgang fällt privat und beruflich oft zusammen. Wenn wir am Wochenende Freunde zum Abendessen einladen, überlegt er, wer mit wem zusammenpasst, wo sich Spannendes und Neues ergeben könnte. Für mich ist Socialising nicht so eine leichte Übung. Wir haben ein Agreement getroffen: Ein- bis zweimal pro Monat begleitete ich ihn, er nahm ja oft dreimal die Woche Abendveranstaltungen wahr. Das ist für mich weder machbar noch erstrebenswert. Unsere gemeinsamen kulturellen Abende haben für mich aber hohe Qualität.

Fischer: Ich mache das ja nicht aus purem Vergnügen, obwohl man einen Grundspaß daran haben muss. Meine Termine wähle ich weniger nach Unterhaltung als nach Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit aus. Am Rande von Veranstaltungen, bei einem Glas Wein, entstehen Pläne und Visionen oft aus einem ungeplanten Gespräch heraus. Außerdem kann man bei einem Termin oft viele Telefonate kompensieren. In meinem Leben hat sich viel aus Zufallsbegegnungen ergeben.

In Gablitz finde ich die absolute Lebensqualität

Was bedeuten Ihnen Ihr Lebensmittelpunkt Gablitz und die Liebe zum Ausseer Land?
Takats: In Gablitz finde ich die absolute Lebensqualität. Aussee ist ein Kraftplatz bei Freunden, ein Hide-Away. Am Wochenende wandern wir dort gerne oder fahren Ski.

Fischer: Meine Aussee-Liebe besteht seit 40 Jahren. Es ist mehr als Urlaub oder Erholung. Es ist für mich erfüllend, an der Konzeption und Kommunikation des Narzissendorfs in der Zloam mitwirken zu dürfen. Gemeinde, Bürgermeister und vier Gesellschafter mit unterschiedlichen Stärken und Netzwerken sitzen bei der Gestaltung dieses neuartigen Ressort-Konzeptes für die ganze Familie an einem Tisch. Im Sommer wird das Hotel-Dorf am Grundlsee schon eröffnet.