Lukeneder: „Hoher Wert historischer Quellen für praktische Arbeit“

Erstellt am 13. Mai 2022 | 04:27
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8353080_pur19gab_lukeneder_petra_c_privat.jpg
Die Gablitzer Wissenschafterin Petra Lukeneder hat die nahezu vollständig erhaltene Ausgabe des Kronprinzenwerks entdeckt.
Foto: Foto privat
Die Gablitzer Forscherin Petra Lukeneder fand Originalausgabe der Kronprinzenwerke von Kronprinz Rudolf. Wie es dazu kam, erzählt sie im Interview mit uns.
Werbung

Sie hat eine nahezu vollständig erhaltene Ausgabe der sogenannten „Kronprinzenwerke“ von Kronprinz Rudolf im Purkersdorfer Samariterladen SamLa entdeckt (die NÖN berichtete).

Die Rede ist von der Gablitzerin Petra Lukeneder. Lukeneder ist, genauso wie ihr Mann Alexander Lukeneder, Paläontologin und in der Wissenschaft beheimatet. Mit der NÖN sprach sie über ihren Fund und dessen Bedeutung für die Wissenschaft.

440_0008_8353079_pur19gab_lukeneder_etikette_c_privat.jpg
Aufgrund der Kronprinzenwerke erfuhr Lukeneder weitere Details zur historischen Sammlung von Dominik Bilimek. Hier konnte mithilfe des Kronprinzenwerkes die Lokalität, aus der das Objekt stammt, zugeordnet werden. Auf dem Etikett ist der Vermerk „Suess, 118“ zu sehen. „Wir wissen mittlerweile aus Erfahrung, dass das ein Hinweis darauf ist, dass das Objekt von Eduard Suess bearbeitet und/oder abgebildet worden ist“, erklärt Lukeneder.
Foto: privat

NÖN: Wie sind Sie auf die Ausgabe der Kronprinzenwerke im SamLa gestoßen?

Petra Lukeneder: Der Samla Purkersdorf ist hier in der Region ein „Eldorado für Schatzsucherinnen und Schatzsucher“ – und eine sehr beliebte Institution – es gibt immer wieder wundervolle Objekte dort zu finden, vom Jugendstil-Tintenfass bis hin zu stylischen Flaschenöffnern. Nachdem es auch einem guten Zweck dient, schaue ich immer mal wieder gerne vorbei. Bevor ich darauf gestoßen bin, habe ich in der Nacht an einer Publikation über Tintenfischknorpel gearbeitet. Um 3 Uhr früh habe ich dann auf der Webseite kurz schauen wollen, was es Neues gibt und da hatte Herr Willer die Bücher bereits auf der Startseite positioniert, worauf ich ihm eine E-Mail geschrieben habe und er die Bücher für die BOKU reserviert hat.

„Historische Literatur hat einen hohen Stellenwert bei der Bearbeitung alter, naturwissenschaftlicher Sammlungen.“

Wie bzw. woran haben Sie gemerkt, dass es sich dabei um eine Ausgabe der Kronprinzenwerke handelt?

Ich kannte das Werk bereits, da wir sie in der letzten Publikation zitiert haben, online gibt es sie zum Teil gescannt verfügbar. Bemerkenswert ist hier natürlich, dass es sich um eine Originalausgabe handelt und nicht um einen der Nachdrucke – und das in einem ausgezeichneten Erhaltungszustand.

Was bedeutet der Fund für die Wissenschaft?

Abgesehen von der Wichtigkeit, historische Quellen zu erhalten, da sie natürlich Zeitdokumente darstellen, helfen sie tatsächlich bei der praktischen Arbeit. Eines meiner Steckenpferde ist, aus naturwissenschaftlichen Sammlungen, historische Information zu rekonstruieren. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Wiener Blumenmaler Moritz Michael Daffinger und dem Naturforscher Dominik Bilimek? Und was erzählt eine erdwissenschaftliche Sammlung des 19. Jahrhunderts über den Sammler selbst? Gerade hier ist historische Literatur absolut notwendig. Nur so konnten wir auch Objekte identifizieren und erhalten, die von dem Geologen Eduard Suess 1851 in seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit beschrieben wurden.

Welchen konkreten Nutzen hat der Fund der Kronprinzenwerke auf Ihre Arbeit?

Historische Literatur hat einen hohen Stellenwert bei der Bearbeitung alter, naturwissenschaftlicher Sammlungen. Zum Beispiel ist es manchmal schwierig die in der Kurrentschrift verfassten, und oft nicht mehr kompletten Objektbeschreibungen zu entziffern. Ein gutes Beispiel, das ich mithilfe des Kronprinzenwerkes zuordnen konnte, ist die Lokalität „St. Ivan“. Dieser Ort bezeichnet nicht etwa die Insel St. Ivan in Bulgarien und auch nicht St. Juan in Puerto Rico, sondern Svatý Jan pod Skalou („St. Ivan unter dem Felsen“), nahe Beraun in der heutigen Tschechischen Republik. Ein Hinweis dazu ist im Kronprinzenwerk vermerkt und der Ort wurde auch abgebildet. Wir konnten so nicht nur den Fundort von diversen Fossilien unserer historischen Sammlungen zuordnen, sondern hatten damit auch neue Informationen über die Reiseroute des ursprünglichen Sammlers.

Werbung