Pintar kandidiert in Pressbaum für ÖVP. Ehemaliger Bürgerlisten-Mandatar will nicht mehr einfach „nur dagegen“ sein, sagt er.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 27. November 2019 (04:36)
Jochen Pintar (Mitte) soll an „wählbarer“ Stelle für die ÖVP kandidieren. Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner (l.) und Gemeinderat und JVP-Obmann Thomas Tweraser freuen sich auf einen kurzen, schwungvollen Wahlkampf.
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Knalleffekt im Gemeinderatswahlkampf: Jochen Pintar wird für die ÖVP kandidieren. Noch bis zum Sommer war Pintar bei der Bürgerliste Wir!, bevor er dort austrat und derzeit als parteiloser Mandatar im Gemeinderat sitzt.

„Die Interessen gehen persönlich und inhaltlich zu weit auseinander“, begründete Pintar damals seine Entscheidung. Seit 2007 war Pintar bei der Bürgerliste, die insgesamt drei Mandate hält. „Damals war das auch das Richtige für mich, aber mittlerweile hat sich das geändert.“ Seit einiger Zeit habe ihn gestört, dass die Bürgerliste einfach nur dagegen war. „Zum Beispiel wurde der Rechnungsabschluss nicht angenommen, obwohl alles klar war“, meinte der Pressbaumer.

„Damals war das auch das Richtige für mich, aber mittlerweile hat sich das geändert.“

Den Schritt für die ÖVP anzutreten hat er sich aber gut und lange überlegt. „Ich wechsle nicht gleich den Handyanbieter, nur weil ich einmal schlechten Empfang habe“, so Pintar. Neben dem Dagegensein hätten aber auch noch andere Vorkommnisse zur Entscheidung geführt. So seien beispielsweise Schulungsgelder der Bürgerliste nicht für Schulungen, sondern für die eigene Homepage ausgegeben worden. Negativ war für ihn auch die Vorgehensweise beim Thema Kindergarten.

„Die Eltern haben Angst um ihre Kinder gehabt, so ein Theater wurde gemacht. Natürlich musste man handeln, was die Gebäudesicherheit betrifft, allerdings wäre das auch anders gegangen“, ist der Gemeinderat überzeugt und setzt nach, dass „ausstallieren nichts bringt“.

Anders sieht das Wir!-Stadtrat Wolfgang Kalchhauser. In der Causa Kindergarten habe er mehrere grobe Mängel festgestellt und eine Liste an die Gemeinde übergeben. „Von der Gemeinde gab es kein Dementi. Wenn meine Kinder in so einen Kindergarten gehen würden, dann wüsste ich als Elternteil gerne Bescheid. Was soll man da verheimlichen?“, so Kalchhauser. Außerdem betont er auch, dass es als Oppositionspartei legitim sei, Kritik anzubringen – beispielsweise beim Rechnungsabschluss. Was Kalchhauser nicht versteht ist, dass sich Pintar nie dazu geäußert habe. „Ich frage mich schon, warum er das jetzt so kurz vor der Wahl tut.“

Wolfgang Kalchhauser, Stadtrat der Bürgerliste Wir!, ist der Meinung, dass es Aufgabe einer Oppositionspartei sei, Kritik anzubringen.
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In Bezug auf die Schulungen ist für Kalchhauser alles richtig gelaufen. „50 Prozent wurden auf die Mandatare aufgeteilt, den Rest haben wir gespart und zum Beispiel Flugblätter finanziert. Ich wüsste da nicht einmal ansatzweise, was ich falsch gemacht hätte“, meint Kalchhauser und teilt auch kräftig in Richtung Pintar aus: „Er hat sich nie um den Internetauftritt der Bürgerliste gekümmert, obwohl das seine Aufgabe war.“

Außerdem setzt er nach: „Ich habe im Juni einen Brief von ihm bekommen – darin steht, dass er an keine Wahlpartei und keinen Wählerauftrag gebunden ist. Wenn man sich bei uns nicht an den Wählerauftrag hält, dann ist man falsch bei uns.“ Pintar weist darauf hin, dass es hier um seinen Austritt ging. „Ich war der Meinung, dass der Wählerauftrag nicht mehr erfüllt wird. Schließlich kann es nicht im Sinne des Wählers sein, wenn Leute angegangen werden oder wenn ein falsches Foto vom Platz des Wertstoffsammelzentrums kursiert. Da kann man schon was tun“, erklärt Pintar.

Zu seinen Internet-Aufgaben will er sich nicht viel äußern. „Das ist reine Polemik. Ich habe einmal aus Zeitgründen erst am Wochenende etwas online gestellt. Aber das war nichts Wichtiges“, erklärt er.

Parteimitgliedschaft ist keine Voraussetzung

Für die ÖVP kandidiert er jetzt, „weil ich gefragt worden bin“. Parteimitglied ist Pintar aber nicht. „Das ist bei uns auch nicht Voraussetzung. Wir setzen auf gute Leute und Jochen Pintar hat in den diversen Ausschüssen immer sein Bauverständnis und sein Wissen als Chemiker eingebracht. Solche Personen brauchen wir“, meint ÖVP-Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner. Pintar soll übrigens auf wählbarer Stelle für die ÖVP kandidieren. Wie die weitere Liste aussieht, dazu wollte sich der Bürgermeister noch nicht äußern. Durchklingen lassen hat er aber, dass ein Generationenwechsel anstehen wird. „Mir ist es wichtig, ein neues Team aufzubauen.“ Ziel der ÖVP sei ein Zugewinn. „Das nehmen wir uns vor, je stärker wir sind, desto mehr können wir umsetzen.“ Die Vorzugsstimmen werden bei der ÖVP „etwas wert“ sein. „Damit kommt man weiter nach vorne“, erklärt der Bürgermeister.