"Musketiere" aus Pressbaum gestalten Regierungspolitik. Fünf junge Gemeinderäte der ÖVP gestalten seit dem Frühjahr die Regierungspolitik mit.

Von Monika Närr. Erstellt am 22. November 2020 (03:08)
Trafen einander noch vor dem Lockdown light zum NÖN- Interview und besprachen die generellen Anliegen der jungen Gemeinderäte: Thomas Tweraser, NÖN-Journalistin Monika Närr, Ulrich Grossinger, Raffael Herzog und Nikolaus Niemeczek (v. l.).
ThomasTweraser

Mit Jugend-Gemeinderat Florian Kleinhagauer sind sie ein Quintett. Da dieser derzeit verhindert ist, traf sich die NÖN zum Interview mit dem verbleibenden Quartett der Jungpolitiker der großen Regierungsfraktion.

NÖN: Was hat sich verändert, seit ihr im Gemeinderat sitzt?

Raffael Herzog: Durch Corona leider nicht so viel, wie wir wollten. Wir hatten viele Ideen und Initiativen sowie Projekte geplant. Beispielsweise wollten wir ein Oktoberfest machen, um den Ort generell zu beleben. Aber im Kultur- und Veranstaltungsbereich mussten einfach viele Vorhaben abgesagt werden.

Nikolaus Niemeczek: Wir wissen leider auch nicht, wie sich die Wirtschaft erholen wird und welche Gelder für neue Projekte da sein werden. Die Vorausplanung ist momentan schwierig.

Was ist euch besonders wichtig zu verändern?

Thomas Tweraser: Von einem verschlafenen Dorf zu einer Kleinstadt zu werden, die eine angemessene Infrastruktur für die Einwohner hat und aufgeweckter und moderner ist.

Ulrich Grossinger: Bei neuen Projekten einen Modus zu finden, um die Bevölkerung stärker einzubinden. So ähnlich, wie es das bei den Bürgerstammtischen gab.

Niemeczek: Wichtig sind ausreichend Kindergartenplätze für Drei- bis Sechsjährige, damit alle dieser Altersgruppe betreut werden können. Und auch die Kleinkinderbetreuung der Ein- bis Zweieinhalbjährigen gehört abgedeckt.

Herzog: Es muss mehr Freizeitangebote für junge Leute geben sowie eine Location, in der sich Jugendliche abends treffen können.

Ihr seid als junge Fünf-Mann-Truppe durchgestartet im Frühjahr…

Tweraser: Ich war die letzte Legislaturperiode ein junger Einzelkämpfer, sowohl in der ÖVP als auch innerhalb aller Fraktionen. Es geht nicht nur um Jugendpolitik, sondern auch um junge Politik. Ein Thema wie Digitalisierung ist für unsere Generation beispielsweise selbstverständlich. Insgesamt ist der Altersdurchschnitt im Gemeinderat deutlich gesunken. Das kann einer Stadt, in der viele junge Familien wohnen, nur guttun.

Grossinger: Wir tragen als Gesamtgruppe natürlich auch allgemeine Anliegen mit. Dazu gehört das Stoppen des Zuzugs, das Nachziehen der Infrastruktur, der Bau eines neuen Stadtsaals oder der Ausbau der Radwege als Alternative zu den Mehrzweckstreifen.

Wieso habt ihr in euren Reihen eigentlich keine Jungpolitikerin?

Niemeczek: Es ist nicht der dankbarste Beruf, Politiker zu sein. Man muss viel aushalten. Gerade auf Social Media ist die Hemmschwelle der Angriffe niedrig, da wird schnell einmal hingehaut. Ich denke, das will sich nicht jeder und vor allem jede antun. Eine Stadt der Zuzügler braucht aber unbedingt auch Frauen in ihren Reihen.

Tweraser: Es ist eine vorrangige Aufgabe für die kommenden fünf Jahre, dass wir junge Frauen für die Politik motivieren und gewinnen.

Welche Einschulungen, Fort- oder Weiterbildungen habt ihr absolviert, um fit zu sein?

Grossinger: Als Jurist habe ich eine gute Basis für die Gemeindearbeit.

Herzog: Ich habe an der Landesakademie der ÖVP Schulungen zu Baurecht, Raumordnung und Pressearbeit absolviert. Vieles ist auch Learning by Doing. Und ich sitze ja auch in Landesausschüssen der Jungen ÖVP.

Niemeczek: Ich wurde ins kalte Wasser gestoßen und habe während des ersten Lockdowns drei Online-Seminare gemacht, auch in Form von Live-Talk-Videos. Derzeit lerne ich sehr viel on the Job durch die Leitung des Bildungsausschusses, dessen Stellvertreter ich bin und den ich seit September für unsere erkrankte Vizebürgermeisterin Irene Wallner-Hofhansl führe.

Habt ihr politische Vorbilder?

Grossinger: Barack Obama, weil er unpopuläre Standpunkte besetzte und für gute Stimmung sorgte.

Herzog: Für mich sind Leute ein Vorbild, die gute Arbeit leisten und etwas weiterbringen. Ich schaue mir von unterschiedlichen Leuten Verschiedenes ab.

Tweraser: Ich sah bei Irene Wallner-Hofhansl, wie viel Herzblut man in Gemeindearbeit stecken kann. Wenn man ein Vorbild sucht, ist man hier gut aufgehoben.

Welche Expertise bringt ihr für eure (Leitungs-) Funktionen in der Gemeinde mit beziehungsweise wofür tragt ihr Verantwortung?

Grossinger: Ich bin der einzige Jurist im Gemeinderat und als Europa-Gemeinderat auch auf der Diplomatischen Akademie entsprechend ausgebildet worden.

Herzog: Ich bin der zweite Jurist im Werden.

Niemeczek: Als Leiter des Bildungsausschusses trage ich im Moment Verantwortung für diesen Bereich.

Tweraser: Die Leitung des Wirtschafts- und Vereinsausschusses obliegt mir.

Wie erlebt ihr das Miteinander? In eurer Fraktion und in der Gesamt-Gemeinde?

Niemeczek: Wir wollen mit allen arbeiten, auch mit der Opposition. Beispielsweise bei der Digitalisierung rund um das Werk-stoffsammelzentrum.

Tweraser: Man muss sich immer auf das Gegenüber einlassen und konstruktiv nach Lösungen suchen.

Worauf fußt eure Verbundenheit?

Herzog: Ich kenne Ulrich Grossinger aus der Pfarre und aus dem Mittelschüler-Kartell-Verband. Die anderen Drei kennen sich aus der Jungen ÖVP.

Tweraser: Ich war auch vier Jahre mit Ulrich Grossinger im Purkersdorfer Gymnasium. Niki Niemeczek ist mein Nachbar und wir kennen uns seit Kindheitstagen.

Was wollt ihr zur Tätigkeit von Jugend-Gemeinderat Florian Kleinhagauer sagen?

Niemeczek: Was ihm wichtig ist, zieht er durch. Was er macht, nimmt er immer sehr ernst.

Tweraser: Er ist immer ein Mann des Praktischen. Viele kennen ihn ja aus seiner Sommertätigkeit als Bademeister in Pressbaum. Florian ist ein Anpacker.

Herzog: Ich war im Sommer als Ferialpraktikant an der Badkassa. Auch hier hat unsere Zusammenarbeit bestens gepasst.