Region Purkersdorf: Baustoffe wesentlich teurer. Bei Dämmstoffen, Holz und Stahl gibt es Lieferprobleme und hohe Preise. Auch Gemeinden sind zum Teil betroffen.

Von Melanie Baumgartner und Kristina Veraszto. Erstellt am 28. April 2021 (04:00)
Unternehmer Claus Rechberger baut derzeit in Purkersdorf einen neuen Firmensitz. Auch er kämpft mit Baustoffmangel. Hier bei einem Lokalaugenschein Ende Februar mit der NÖN.
M.B., M.B.

Die Corona-Krise hat auch die Baubranche fest im Griff. Derzeit kämpfen viele Baumeister und Häuslbauer vor allem mit einem enormen Mangel an Baustoffen.

Auch der Purkersdorfer Claus Rechberger, der mit seinem Unternehmen „Rechberger Immobilien“ zurzeit Wohnbauten in der Stadtgemeinde errichtet, ist mit dem Baustoffmangel konfrontiert.

„Es darf nichts Unerwartetes dazukommen.“ Stadtchef Stefan Steinbichler

„Speziell bei Dämmstoffen wie XPS und EPS kämpfen wir derzeit mit Lieferproblemen. Manche Stärken können aktuell gar nicht geliefert werden oder sind mit langen Lieferzeiten verbunden“, erzählt Rechberger im NÖN-Gespräch. Um die Arbeiten auf der Baustelle dennoch fortführen zu können, ist der gelernte Baumeister gezwungen, auf andere Dimensionen umzusteigen. „Dort wo es geht, arbeiten wir mehrlagig. Dadurch haben sich die Preise aber auch erhöht“, sagt Rechberger. Aber auch bei Rohstoffen wie Stahl sind laut dem Purkersdorfer die Preise um über 30 Prozent in die Höhe geschossen. „Bei Stahl ist nicht die Lieferung das Problem, sondern die enorme Preiserhöhung“, sagt Rechberger.

„Dort wo es geht, arbeiten wir mehrlagig. Dadurch haben sich die Preise aber auch erhöht"

Daraus resultiert zudem ein weiteres Problem: Aufgrund der längeren Lieferzeiten ist das Erstellen von verbindlichen Angeboten momentan nahezu unmöglich. „Wir haben für unser neues Büro in Purkersdorf eine Holzdecke vorgesehen. Auch hier gibt es aber Lieferprobleme, weshalb kein fixer Preis genannt werden kann. Wir haben eigentlich keine Kostensicherheit“, gibt Rechberger zu bedenken. Überall da, wo es zu Engpässen kommt, versuche man auszuweichen, das ist allerdings meist mit höheren Preisen verbunden.

Mit enormen Lieferschwierigkeiten hat auch die Gablitzer Architektin Astrid Wessely zu kämpfen. Besonders beim Massivholz gibt es Schwierigkeiten. Bei einem Projekt wäre es zu einem Verzug von fünf Wochen gekommen. Zum Glück konnte sie bei einem anderen Hersteller noch Material bekommen. Eine fünfwöchige Verschiebung wäre nicht nur für die Baustelle fatal, sondern auch mit hohen Mehrkosten verbunden gewesen. Bauholz, Dämmmaterial, Eisen oder auch Kanalrohre: Überall ist mit langen Lieferzeiten zu rechnen. Und was dazu kommt: „Die Preise sind explodiert“, so Wessely. Vor allem in China gebe es einen Wirtschaftsboom, der dazu führt, dass nicht wie früher Stahl exportiert, sondern importiert wird. Dadurch kommt es ebenfalls zu Engpässen.

„Die Preise sind explodiert“

Die Architektin befürchtet zudem, dass der derzeitige Baustoffmangel Auswirkungen auf große Wohnungsprojekte haben wird. „Es war schon vorher für Genossenschaften kaum interessant leistbare Wohnungen zu bauen. Mit den gesteigerten Preisen wird es aber ganz uninteressant“, glaubt Wessely. Sie hat den Eindruck, dass durch die Krise viele ihre Projekte „noch durchdrücken“ wollen, bevor sich die Lage um das Baumaterial weiter zuspitzt. Purkersdorfs Bürgermeister Stefan Steinbichler, der neben seiner Tätigkeit als Bürgermeister in der Baubranche tätig ist, bemerkt ebenfalls einen Engpass bei manchen Baustoffen.

„Man merkt, dass selbst leicht verfügbare Materialien in größeren Mengen derzeit nicht lieferbar sind“, sagt Steinbichler und fügt hinzu: „Wir bemerken in der Firma einen Engpass an Flüssigabdichtungen. Zurzeit ist unser Lager noch voll. Aber wenn die nächste Lieferung, die in zwei Wochen eintreffen sollte, nicht ankommt, können auch wir nicht liefern.“ Mit Engpässen beim Rohstoff Holz ist man in der Stadtgemeinde Purkersdorf konfrontiert. „Wir benötigen das Holz für die Sicherungen beim Bach“, erklärt der Stadtchef. Momentan habe man noch genug, aber: „Es darf nichts Unerwartetes dazukommen. Bei einem zusätzlichen Aufwand benötigen wir mehr Holz, dann müssen wir voraussichtlich mit einem Lieferengpass rechnen“, befürchtet der Bürgermeister.

In der Gemeinde Mauerbach kann man derzeit keinen Baustoffmangel verzeichnen. „Wir sind davon nicht betroffen, weil wir zurzeit keine Bautätigkeiten durchführen. Wir sind momentan mit Serviceleistungen für die Mauerbacherinnen und Mauerbacher beschäftigt, wie etwa die Ortsbildpflege“, informiert Bürgermeister Peter Buchner. Er bemerke aber, dass die Betriebe der Region unter einem Mangel an Rohstoffen leiden.

„Als Bürgermeister bekommt man schon mit, dass unsere heimischen Betriebe keine Rohmaterialien mehr bekommen. Seien es die verschiedenen Baumeister oder Holzbau Bannauer – sie alle leiden schon sehr darunter, weil die Bauvorhaben nicht wie gewohnt fortgeführt werden können“, erzählt der Ortschef.

„Als Bürgermeister bekommt man schon mit, dass unsere heimischen Betriebe keine Rohmaterialien mehr bekommen."

Vom Baustoffmangel verschont geblieben ist auch die Gemeinde Tullnerbach, wie Bürgermeister Johann Novomestsky erzählt: „Beim Kindergarten hatten wir keine Lieferschwierigkeiten. Wir sind schon so weit, dass wir Ende Mai den Kindergarten übersiedeln können, natürlich nach der Abnahme des Landes. Die Wohnungen folgen dann im Juni.“

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