Bub in Bus vergessen: „Ist in 30 Jahren nie passiert“. Bub erwachte in verlassenem Bus des Klosterneuburger Unternehmens Zuklin. Fahrer hatte ihn bei Nachschau übersehen.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 05. Dezember 2018 (03:34)
privat
Ende gut – alles gut. Bürgermeister Peter Buchner (l.) mit Arthur Altbart und Busfahrer Gerhard B.

Für Busfahrer Gerhard B. ist es eigentlich ein Tag wie jeder andere. Er holt die Kinder vom Sacre Coeur in Pressbaum mit dem Bus der Klosterneuburger Firma Zuklin ab und bringt sie in ihre Heimatgemeinden. Dabei kennt er fast jeden Schüler mit Vornamen und gilt gemeinhin als „der liebe Busfahrer“. Dieses Mal unterläuft Gerhard B. jedoch ein schwerwiegender Fehler.

An der letzten Haltestelle angekommen, dreht der Busfahrer die Innenbeleuchtung auf und macht noch einmal einen Kontrollgang. Nicht so gewissenhaft wie sonst immer, die Kälte macht seinen Beinen zu schaffen. So übersieht er Arthur Altbart, der bei der Heimfahrt im warmen Bus auf seinem Sitz zusammengekauert tief und fest schläft. Gerhard B. schließt den Bus und macht sich auf den Heimweg. Der Bus ist in einem Waldstück abgestellt.

„Nach etwa einer Stunde sollte ein Kollege den Bus wieder aufsperren und benutzen“, sagt Gerhard B. gegenüber der NÖN. Währenddessen erwacht Arthur und bricht im Schlaftaumel ein wenig in Panik aus. Alles finster und kein Entkommen aus dem Bus. Sofort ruft er per Handy seine Mutter an. Die liegt mit Fieber im Bett und kann zunächst auch nicht glauben, was sie da hört.

Sofort packt sie ihre Sachen während sie ihren Mann, Bestattungsunternehmer Heini Altbart, über den Vorfall informiert. Der wiederum setzt alle Hebel in Bewegung, um seinem Sohn zu helfen. Unter anderen auch Mauerbachs Bürgermeister Peter Buchner. „Ich fuhr dann zum Bus und hatte Polizei und Feuerwehr informiert. Wenig später haben wir den Bus geöffnet“, erzählt Buchner.

„Gerhard B. ist ein aufrichtiger und ehrlicher Mensch. Wo findet man heutzutage noch solche Angestellte.“Heini Altbart

Heini Altbart war jedenfalls nur schwer zu beruhigen, er wollte sofort mit Bus-Unternehmerchefin Sabine Zuklin sprechen. „Das schien an diesem Tag aber nicht möglich. Ich wurde siebenmal vertröstet“, so Altbart.

„Ich hatte an dem Tag eine ganze Reihe von Besprechungen und konnte nicht ans Telefon“, rechtfertigt sich Zuklin. Sie ging der Sache um Altbart-Sohn Arthur aber auf die Spur. In der Zwischenzeit meldete sich der zerknirschte Busfahrer Gerhard B. bei den Altbarts. „Er hat sich sofort entschuldigt, und das glaubhaft“, so Heini Altbart.

„Ich bin seit 30 Jahren Busfahrer. In all dieser Zeit ist mir das noch nicht passiert“, sucht Gerhard B. noch immer zerknirscht nach einer Erklärung. Als Arthur dann auch noch sagte: „Das ist ja der liebe Busfahrer“, haben die Altbarts dem Chauffeur verziehen. Nicht jedoch der Firmenchefin: „Sie muss dafür geradestehen“, meint Altbart.

„Ich bin seit 30 Jahren Busfahrer. In all dieser Zeit ist mir das noch nicht passiert“

In erster Konsequenz sprach Zuklin Gerhard B. schon die Kündigung aus, und das nach 20 Jahren Dienstzeit bei der Klosterneuburger Firma. „Wir zahlen dafür, dass unsere Fahrer nach Beendigung der letzten Fahrt im Bus Nachschau halten und gegebenenfalls auch eine Grundreinigung durchführen. Das hat dieser Busfahrer offensichtlich nicht getan“, erklärt Zuklin gegenüber der NÖN. Buchner und Altbart setzten sich nun dafür ein, dass der Fahrer seinen Job behalten kann. Zuklin hatte ein Einsehen: „Der Fahrer wird in Mauerbach zwar nicht mehr eingesetzt, er behält aber seinen Job und wird nun nach Klosterneuburg versetzt.“

Dies kam nicht zuletzt durch den Einsatz der Altbarts zustande, denn für Heini Altbart ist Gerhard B. „ein aufrichtiger und ehrlicher Mensch, wo findet man heutzutage noch solche Angestellte?“