Region Purkersdorf: Selbsttests kommen gut an. Schüler und Eltern zeigen für Lockdown Verständnis. Corona-Selbsttests sollen Präsenzunterricht wieder ermöglichen.

Von Melanie Baumgartner, Nadja Büchler und Kristina Veraszto. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:00)
Das Homeschooling geht in die nächste Runde.
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ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann hatte zuletzt noch ein umfangreiches Konzept präsentiert, damit die Schulen schon am 25. Jänner wieder öffnen können. Doch alle Bemühungen waren vergeblich: Die Schulen bleiben weiterhin im Lockdown. Erst nach den Semesterferien im Februar können Kinder und Jugendliche wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren.

Viele Schüler leiden unter den schwierigen Bedienungen, das weiß Anthony Grünsteidl: „Insbesondere psychische Aspekte spielen mittlerweile eine immer größer werdende Rolle, mitunter auch wegen der fehlenden Struktur im Leben der Jugendlichen.“ Der ehemalige Schulsprecher am BG/BRG Purkersdorf und Bundesobmann der Schülerunion zeigt aber Verständnis für die Verlängerung des Schul-Lockdowns. Die Zahlen seien zwar gesunken, jedoch für eine Schulöffnung vor den Semesterferien noch immer zu hoch.

„Im Schichtbetrieb und mit Maßnahmen, wie der Maskenpflicht und den Selbsttest, ist es aber durchaus möglich, einen Schulbetrieb wieder aufrecht zu erhalten, sofern die 7-Tages-Inzidenz noch stärker sinkt. Dieser aufrechte Schulbetrieb ist unser Ziel, wir verstehen daher auch die Entscheidung des Ministeriums, die Zahlen noch weiter nach unten drücken zu wollen, um nicht noch eine weitere Phase im Distance Learning zu provozieren“, sagt Grünsteidl.

„Ich sehe die Lösung sowohl im regelmäßigen Testen als im Schichtbetrieb.“ Sacré Coeur-Schulleiterin Sandra Spendlhofer

Eine ähnliche Ansicht hat Andreas Zitek, Obmann des Elternvereins am BG/BRG Purkersdorf: „Der persönliche Kontakt zwischen Schülern und Lehrern, aber auch vor allem der Kontakt unter den Schülern ist für die Entwicklung der Kinder notwendig. Aber man muss auch anmerken, dass die Bewältigung einer solchen Pandemie ein gesamtgesellschaftliches Unterfangen ist, wo auch die Schulen natürlich ihren Beitrag leisten müssen.“ Klar sei natürlich, dass ein dauerhafter Präsenzunterricht die „anzustrebende Unterrichtsform“ ist, so Zitek. Seit März habe sich aber das Homeschooling stetig verbessert. „Was uns oft erzählt wird, ist, dass die Kinder sich grundsätzlich sehr gut selbst organisieren gelernt haben und dass vor allem in der Unterstufe die digitale Kompetenz deutlich zugenommen hat. Aber grundsätzlich mussten sowohl Kinder, Eltern als auch Lehrer erst lernen, mit der Situation umzugehen. Dies ist ein andauernder Prozess und Schwachpunkte werden laufend im Dialog mit der Schule verbessert“, erzählt der Obmann.

Schüler brauchen Förderangebote

Einigkeit herrscht bei Schüler- und Elternvertretern auch darüber, dass es Testmöglichkeiten geben soll. „Grundsätzlich befürworten wir die Möglichkeiten der Selbsttestungen sehr. Wir haben bereits in der Vergangenheit gemeinsam mit der Direktion Initiativen gesetzt und sogar ein Schreiben an Herrn Minister Faßmann aber auch an den Landesverband der Elternvereine bezüglich der Dringlichkeit schneller einfacher Testungen für Schulen verfasst“, informiert Zitek. Für das zweite Semester brauche es aber auch „eine Anpassung der Matura sowie der anderen Prüfungen, damit dieses Schuljahr insgesamt so gut wie möglich erfolgreich abgeschlossen werden kann“, sagt Grünsteidl. Lern-Unterstützungen findet Zitek unerlässlich: „Wichtig sind auch gezielte Förderangebote, dort, wo einzelne Schüler in bestimmten Gebieten Rückstände haben.“

An der Landwirtschaftlichen Fachschule Norbertinum in Tullnerbach hofft Schulleiterin Daniela Marton, bald wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren zu können, wenn auch im Schichtbetrieb. „Der Schichtbetrieb, den wir wöchentlich gehabt haben, hat bei uns gut funktioniert“, sagt Marton. Derzeit finde neben dem Distance Learning der praktische Unterricht, wie zum Beispiel das Reiten oder die Pferdehaltung, mit maximal 25 Prozent der Gesamtschüleranzahl statt. Jugendliche, die dabei im Internat untergebracht werden müssen, schlafen gemäß der Vorschriften in einem Einzelzimmer.

„Der Schichtbetrieb, den wir wöchentlich gehabt haben, hat bei uns gut funktioniert“

Sandra Spendlhofer, Schulleiterin im Sacré Coeur Pressbaum, sieht hingegen den Schichtbetrieb kritisch. Dieser sei pädagogisch gesehen die am wenigsten sinnvolle Variante. Wenn es wieder zu einer Einführung des Schichtbetriebes kommt, sollten die Schulen diesen autonom regeln können. Sicherheit sollten aber vor allem die Testmöglichkeiten geben. „Ich sehe die Lösung sowohl im regelmäßigen Testen als im Schichtbetrieb“, erklärt Spendlhofer.

Die NMS Pressbaum stellt während des Homeschoolings alle Aufgaben auf der Schul-Webseite zur Verfügung. Über ihren Zugang können die Schüler die Dokumente herunterladen. Direkten Online-Unterricht gibt es nicht. In Pressbaum gibt es noch keine Laptop-Klassen. Damit wird nächstes Schuljahr bei den ersten und zweiten Klassen begonnen. Die „Digital-Offensive“ des Bundes ermöglicht Schülern und Eltern den Ankauf von Laptops zu sehr günstigen und sozial gestaffelten Preisen. Momentan arbeitet man in der NMS Pressbaum mit Geräten, die fix an der Schule installiert sind. Für das jetzige Homeschooling konnte die NMS Pressbaum einige zur Verfügung gestellte Leihgeräte aushändigen. Aber nicht alle Schüler haben die notwendige Hardware zur Verfügung. Aus diesem Grund wurde im Eingangsbereich der Schule eine Hinterlegungsmöglichkeit für die erledigten Aufgaben geschaffen. „Wir haben das Homeschooling so organisiert, dass alle Schüler die gleichen Voraussetzungen haben“, berichtet Direktor Thomas Pölzl.

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