„Ohne Freiwillige wär’ es nicht gegangen“. Unermüdlich setzt sich Gruppe in Purkersdorf für minderjährige Asylwerber ein. Dabei gibt es viele Erfolgsmeldungen.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 17. August 2017 (03:19)
Gruber-Dorninger
Erika Kudweis mit Tochter Hanna (vorne), Einrichtungsleiterin Eva Freudenthaler, Eva Richlik, Marga Schmidl und Gerty Schabas setzen sich freiwillig für die Integration der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ein.

Wöchentlich trifft sich eine Gruppe von Freiwilligen in Purkersdorf. Ihr Ziel ist es, die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge zu betreuen, oder wie sie es nennen „die Burschen besser integrieren und unsere Werte vermitteln.“ Der Schock über die dramatischen Meldungen rund um den vermeintlichen Fenstersturz in der Flüchtlingsunterkunft in der Wintergasse sitzt bei ihnen immer noch tief.

Vor allem deshalb, weil „schlechte Nachrichten immer lauter geschrien werden als die guten“, sagt etwa Eva Richlik, zuletzt 13 Jahre lang Leiterin einer Neuen Mittelschule in Wien. Alle Somalier und Afghanen mussten die Einrichtung verlassen und das, „obwohl gar nicht alle daran beteiligt waren und nur aufgrund ihrer Herkunft und Hautfarbe ausziehen mussten“, so Richlik.

Dabei gebe es so viele positive Nachrichten, die in der Berichterstattung meist untergehen. „Wir haben einen richtigen Schachmeister unter ihnen, der einen Schulbewerb nach dem anderen gewinnt“, sagt Einrichtungsleiterin Eva Freudenthaler, die betont, dass die Flüchtlingshilfe ohne die Gruppe an Freiwilligen in Purkersdorf von Beginn an sehr schwer gewesen wäre.

Die Volleyball-Mannschaft des BG/BRG Purkersdorf hat auch für Furore gesorgt, ein Teil des Teams besteht ebenfalls aus Bewohnern der Wintergasse. „Ich bin zu den Turnieren gefahren und habe angefeuert wie ein richtiger Fan“, schildert Gerty Schabas.

„Die Angst vor dem Fremden ist in jedem Menschen drinnen. Wir versuchen, diese Hemmschwelle so klein wie möglich zu machen“Eva Richlik

Über den Fenstersturz wird nicht so recht gesprochen. „Es ist ein laufendes Verfahren, darüber dürfen wir nichts sagen“, sagt der Pressesprecher des Vereins menschen.leben, Christian Lenhardt. Ende August soll es aber zu einer Gerichtsverhandlung kommen, danach sollte es mehr Information geben.

Integration mit Lernen und Wertevermittlung

An mehreren Nachmittagen in der Woche setzt sich die Gruppe mit den Asylwerbern zusammen. „Es ist ein Miteinander und ein ständiges von einander Lernen“, erklärt Marga Schmidl, Gemeinderätin und Obfrau des Vereins re:spect in Purkersdorf sowie Flüchtlingskoordinatorin des Gemeinderates.

Dabei geht es ihr auch darum, die Purkersdorfer für die Probleme der Asylwerber zu sensibilisieren. „Wir sind in ständigem Kontakt mit den Anrainern in der Wintergasse. Ich höre mir selbstverständlich auch ihre Probleme und Sorgen an und versuche, so gut es geht zu vermitteln“, erklärt Schmidl.

Manchmal sei dies aber wirklich schwierig, weil bei manchen Personen„verständlicherweise gewisse Ängste und Befürchtungen bestehen“, so Schmidl. „Die Angst vor dem Fremden ist in jedem Menschen drinnen. Wir versuchen, diese Hemmschwelle so klein wie möglich zu machen“, spricht Richlik aus Erfahrung.

Die Integration in Purkersdorf ist ganz groß geschrieben. Dafür sorgen nicht nur Lerncafes im re:spect in der Kaiser Josef-Straße, sondern auch ein Patenprogramm, das von Erika Kudweis ins Leben gerufen wurde. Nächste Möglichkeit, sich darüber zu informieren, ist Samstag, der 16. September von 9 bis 18 Uhr im Gasthaus Klugmayer.

„Bisher haben bereits 19 Purkersdorfer eine Patenschaft übernommen. Dabei geht es nicht um Geld, sondern nur darum, sich kennenzulernen, einander besser zu verstehen und Probleme zu erörtern und zu lösen“, erklärt Obfrau Kudweis.