Barbara Strack-Hanisch: „Mein Herzblut ist die Musik“. Irenental: Barbara Strack-Hanisch lebt für Musik und Unterricht an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. .

Von Monika Närr. Erstellt am 28. Februar 2021 (03:04)
Beim Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker im Schlossgarten von Schönbrunn spielte Babsi Strack-Hanisch 2019 die Rhapsody in Blue von George Gershwin. Beim ersten Schönbrunn-Konzert trat sie als Tenor-Saxophonistin auf, Bobby McFerrin dirigierte damals den Bolero von Maurice Ravel.
privat (3)

Sie hat vier Musikstudien an drei Universitäten absolviert, eine Professur für Klassisches Saxophon an der Universität für Musik und darstellende Kunst (MDW) inne und leitet dort seit sechs Jahren auch das Leonard Bernstein Institut für Konzertfach Blas- und Schlaginstrumente. Darüber hinaus spielt Barbara Strack-Hanisch in allen bedeutenden Orchestern des Landes und trat unter anderem als erste Saxophonistin mit den Wiener Philharmonikern auf. Obwohl sie praktisch rund um die Uhr arbeitet, empfindet die Mutter dreier Kinder jeden Tag in der Idylle des Irenentals wie einen geschenkten Urlaub.

NÖN: Sie sind dreifache Magistra, haben Abschlüsse in Saxophon und Querflöte und ein Doktorat in Musikgeschichte. Alle Studien haben Sie mit Auszeichnung absolviert. Gibt es ein besonders hervorstechendes Beispiel aus ihrer Ausbildungszeit?
Barbara Strack-Hanisch: Als ich mich als Privatdozentin für Klassisches Saxophon habilitierte, legte ich die pädagogisch-didaktische Prüfung sowie das Öffentliche Konzert nach einer durchspielten Nacht beim Philharmonikerball ab. Und als ich den Lehrstuhl für Klassisches Saxophon 2018 von meinem Mentor Oto Vrhovnik übernahm und ihm die Verdienstmedaille der MDW überreichte, war dies ein sehr besonderer Moment für uns Beide. Seine Stelle war weltweit ausgeschrieben und das Berufungsverfahren zog sich zwei Jahre. Und ich erinnerte mich, wie ich als beste Studentin meines Fachs 2004 selbst einen Würdigungspreis der MDW erhalten hatte.

Barbara Strack-Hanisch (Mitte) strahlt seit Oktober 2018 als Universitätsprofessorin mit den Studierenden ihrer Saxophon-Klasse, hier im weitläufigen, parkähnlichen Innenhof der MDW, um die Wette.
privat (3)

Sie sind in sehr vielen Universitätsgremien vertreten, etwa als Vorsitzende der Studienkommission oder Kuriensprecherin des Senats der MDW. Was bedeuten Ihnen diese Funktionen?
An all meinen Titeln ist nur wichtig, was ich dadurch lernte und weitergeben kann. Das zählt für mich, die Expertise. Im Kunstbereich gibt es keine geschützte Werkstatt mehr. Ich ermutige alle Studierenden, dass sie zwei Standbeine haben. Und ich liebe es, ihr Potenzial zu entdecken, die individuellen, speziellen Qualitäten herauszufiltern und sie in Folge auch zu promoten. Für mich ist es das Schönste, wenn ich aus dem Irenental rausfahre und ein Plakat von Aureum sehe, dem Saxophon-Quartett meines langjährigen Schülers und Studenten Joe Weichinger aus Pressbaum.

An all meinen Titeln ist nur wichtig, was ich dadurch lernte und weitergeben kann.

Üblicherweise spielen Sie zusätzlich mehrmals im Monat am Abend Konzerte in den unterschiedlichsten Besetzungen, dazu kommen dann noch die Proben. Wie managen Sie das?
Für Saxophon gibt es in Orchestern keine fixe Anstellung, da es nur geringe Saxophon-Literatur gibt. Orchester holen sich immer wieder Substituten und so spiele ich abwechselnd mit den Philharmonikern, Symphonikern, Tonkünstlern und in der Staatsoper. Daheim übernimmt dann mein Mann Philipp die Abenddienste, bei Nachmittagsproben ist meine Mutter hilfreich und gerne zur Stelle. Und ich habe ja seit 22 Jahren auch mein eigenes Danubia Saxophon Quartett Wien, in dem ich mit meinen Studienkollegen spiele, ich am Tenor-Saxophon. Wir haben neun CDs aufgenommen und unsere wichtigste Tournee führte uns nach Taiwan. Als ich schwanger war, hat mich meine Mama auch zu den Salzburger und Bregenzer Festspielen chauffiert.

Seit 22 Jahren spielt Barbara Strack-Hanisch mit ihren Studienkollegen im Danubia Saxophon Quartett Wien. Hier traten sie beim Philharmonikerball im Musikverein auf.
privat (3)

Eine private Nachwuchsförderung beim Musikverein Oberlaa haben Sie ebenfalls aufgebaut. Sie publizieren Noten, halten jährliche Meisterkurse und dirigieren auch…
Da mir Nachwuchsförderung immer wichtig war, bin ich größtenteils ehrenamtlich auch als Jurorin und Jurymitglied tätig, zum Beispiel beim Jugendmusikwettbewerb prima la musica. In den Sommer- oder Semesterferien halte ich Meisterkurse für Studierende unterschiedlicher Unis, und wir gehen auch auf Reisen im Rahmen des Erasmus-Programms. Als Autorin der Saxophonschule Magic Sax publiziere ich Noten beim Verlag UE, die als Unterrichtsmaterialien verwendet werden. Ich dirigiere auch Saxophon-Orchester meiner Studierenden, beispielsweise im Musikverein oder bei Auftritten in Botschaften.

Da mir Nachwuchsförderung immer wichtig war, bin ich größtenteils ehrenamtlich auch als Jurorin und Jurymitglied tätig, zum Beispiel beim Jugendmusikwettbewerb prima la musica

Der Blasmusik sind Sie von klein auf verbunden. Wie begannen Sie, für die Musik zu leben?

Strack-Hanisch: Mit vier spielte ich Blockflöte, mit neun kam die Querflöte dazu, mit zwölf das Saxophon, später noch die Klarinette und das Klavier. Mein Herzblut ist die Musik, seit jeher. Ich spielte im Blasorchester Purkersdorf, im TU-Orchester, im Betriebsorchester der Wiener Gaswerke, im Musikverein Oberlaa und half bei den Pfadfindern Wien aus. Einmal trat ich vormittags in Tracht in Purkersdorf auf, mittags brachte mich meine Mama mit einem anderen Instrument und Noten in der Lederhose nach Oberlaa, abends spielte ich ein festliches Konzert mit dem Blasorchester der Gaswerke: Drei Vorstellungen, drei unterschiedliche Instrumente, Noten und Kleidungsstücke. Später kamen dann die Walzerpartien im Kursalon Hübner dazu und viele Wiener Bälle und Hofburgbälle.

Als Autorin des Magic Sax kümmert sich Barbara Strack-Hanisch um musikalische Nachwuchsförderung.
Monika Närr

Ihre Mutter hat Sie auf diesem Weg sehr unterstützt. Wie sah das aus?
Meine Mama war von klein auf meine Mentorin, das trieb mich an. Sie ist wie ich eine unverbesserliche Optimistin. Sie unterstützt mich bis heute sehr, egal ob als Kritikerin oder einfach als tolle Oma.

Sie sind im Purkersdorfer Deutschwald aufgewachsen. Was lieben Sie heute an Ihrem Leben im Irenental besonders?
Hier kann ich ganz privat sein, brauche keine Titel, kann alles sehr klein halten. Das Irenental ist wie ein kleines Dorf, eine eingeschworene Gemeinde, ich fühle mich hier urwohl. Durch meine Tochter Sophie war ich auch sofort integriert, als sie in die Jungschar kam. Wir nehmen sehr gerne an Erntedankfesten, Pfarrcafes oder Pfarrheurigen teil und sind unendlich dankbar, so aufgenommen zu sein.

Das Irenental ist wie ein kleines Dorf, eine eingeschworene Gemeinde, ich fühle mich hier urwohl

Familie hat einen ganz hohen Stellenwert für Sie. Was ist Ihnen am erwähnten „leben und leben lassen“ besonders wichtig?
Wir unterstützen uns immer alle, in der Ehe, der Familie, im Beruf. Wir haben einen hohen Sinn für Familie. Oft sind unsere Familien zu Gast und ich koche und backe dann für alle. Ich bin sehr pragmatisch: Wenn ich etwas sowieso tue, dann schaue ich, dass es mir auch Spaß macht. Meinen Mann kenne ich seit der Volksschule, wir gestalten unseren Alltag sehr partnerschaftlich. Mit seiner Schwester bin ich in die Schule gegangen, unsere Familien sind schon seit früheren Generationen befreundet. Die Eltern von Philipp und seine Schwester Katharina Strack-Dewanger haben meine Familie mit offenen Armen in die Gemeinschaft aufgenommen, was mich besonders freut und glücklich macht.