Pressbaums Pfarrer Herberstein: „War ein Frühberufener“. Pfarrer Johann Georg Herberstein wurde vor 25 Jahren zum Priester geweiht. Seit elf Jahren betreut er die Pfarrgemeinde Pressbaum.

Von Monika Närr. Erstellt am 23. Mai 2020 (06:09)
Seit elf Jahren ist Johann Georg Herberstein Pressbaums Pfarrer. Im Herbst wird er mit seiner Kirchengemeinde die Feier zum silbernen Priesterjubiläum nachholen.
Monika Närr

Sein silbernes Priesterjubiläum feierte Johann Georg Herberstein in aller Stille am 6. Mai. Am 6. September wird er die Feier gemeinsam mit seiner Pfarrgemeinde nachholen. Der NÖN erzählte er aus diesem Anlass von seiner Berufung, dem Pfarrleben - auch in Zeiten der Quarantäne -, seinen weiteren Funktionen im Dienste der Kirche und seinen berühmten Vorfahren.

NÖN: Herr Pfarrer, das Pfarrleben war in den letzten beiden Monaten zwangsweise doch sehr still. Was ändert sich nun?

Pfarrer Johann Georg Herberstein zeigt im ehemaligen Bibliotheksraum des Pfarrhauses eine Text-Bild-Collage einer begeisterten jungen Christin seiner Pfarrgemeinde.
Närr

Johann Georg Herberstein: Ja, das Pfarrleben findet weiterhin eingeschränkt statt, auch wenn wir letzten Freitag die erste öffentliche Messe feiern durften und seit Sonntag wieder unsere regelmäßigen Gottesdienste abhalten können. Wir hanteln uns voran. Bis Sommer ist natürlich noch vieles reduziert. Für den Schutz von vulnerablen Personen mussten wir große Opfer bringen, wie auf die Heilige Messe oder die Sakramente zu verzichten. Die Erstkommunion wurde nun auf 27. September in Pressbaum und auf 3. Oktober in Rekawinkel verlegt. Die Firmung findet in Pressbaum am 4. Oktober statt. Die Kinder und Jugendlichen haben Unterlagen zur Vorbereitung bekommen. Treffen kann es erst wieder im Herbst geben.

Was fehlt Ihnen momentan besonders?

Bisher war ich zu Pfingsten immer mit Jugendlichen im Salzburger Dom, beim „Fest der Jugend“ der Loretto-Gemeinschaft. Das ist ein großes Glaubensfest mit rund 8.000 Teilnehmern, bei dem es um das Leben mit Jesus und dem Heiligen Geist geht. Heuer wird es online stattfinden. Ich habe auch unseren Firmlingen nahegelegt, daran teilzunehmen.

„Mit Kindern und Jugendlichen ist es automatisch lustig, ich finde es aber auch sehr spannend, was man immer wieder aus dem Leben alter Menschen erfährt.“

Im Herbst sind Sie elf Jahre als Pfarrer von Pressbaum tätig. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Das Hineinwachsen war durchwachsen. Mittlerweile habe ich mich an die Pfarre und die Pfarre sich an mich gewöhnt. Zu unserer Pfarre gehört auch der Teil Tullnerbachs westlich des Sees. Wir haben zu einem guten Miteinander gefunden. Es entstand Begeisterung im Pfarrleben. Mir macht es immer Spaß, wenn Gott im Mittelpunkt steht. Mit Kindern und Jugendlichen ist es automatisch lustig, ich finde es aber auch sehr spannend, was man immer wieder aus dem Leben alter Menschen erfährt. Ich bin wirklich gerne Priester. Ich will nie ein Verwalter oder Kirchenbeamter sein. Gott sei Dank habe ich für die Verwaltungsarbeit verlässliche Mitarbeiter.

Wann fühlten Sie sich zum Priester berufen?

Mit fünf. Ich war ein Frühberufener. Ich habe schon als Kind immer mit Gott gesprochen. Am Weg in die Volksschule betete und plauderte ich stets mit ihm. Es war schon damals ein Geschenk, wenn ich seine Antworten direkt im Herzen spürte. Meine Eltern betrieben das nicht. Meine Mutter wollte lieber, dass ich heirate. Mein Vater hat meine Berufung kritisch beäugt.

Sie wuchsen im 3. Bezirk in Wien auf. Wie kam es, dass Sie im Sacre Coeur Pressbaum maturierten?

Ich war hier ab der vierten Klasse im Internat. Gemeinsam mit meinem älteren Bruder. Meine Mutter war Absolventin der Schule und einmal, am 8. Dezember, besuchten wir die Schule mit ihr. Es war dann unser Wunsch, raus aus Wien zu gehen, auf`s Land, in die Natur. Ich hab` sogar ein Jahr angehängt, weil ich einmal in Französisch durchgefallen bin. Sprachen liegen mir leider nicht.

Und wie war Ihr weiterer Werdegang?

Nach der Matura trat ich 1988 in die Priestergemeinschaft des Oratoriums des Heiligen Philipp Neri in St. Rochus bei uns im 3. Bezirk ein, das war auch meine Heimatpfarre. Dort erhielt ich auch meine Ausbildung. Ich studierte in Heiligenkreuz und in Wien. Am
6. Mai 1995 wurde ich dann in St. Rochus zum Priester geweiht. Erst war ich Kaplan, später Pfarrer in meiner Heimatgemeinde. Vor über zehn Jahren verließ ich die Gemeinschaft. Nach einem Sabbatical in Rom kam ich dann nach Pressbaum.

Sie bekleiden aber auch noch weitere Funktionen in der Kirche.

Ja, drei. Hier bei uns bin ich Gefängnisseelsorger auf der Wilhelmshöhe. Das ist eine schöne Seelsorge, da geht es um das Eigentliche. Seit vier Jahren bin ich Diözesandirektor der päpstlichen Missionswerke für die Erzdiözese Wien. Als solcher mache ich in der Diözese Werbung für die Aufgaben von Missio in der Entwicklungshilfe und für Pastoralprojekte, für Pfarrpartnerschaften, eben die weltweite Solidarität der Kirche.

Und beim Malteser Hospitaldienst bin ich Seelsorger des Bereichs Burgenland.

War nicht ein Vorfahre von Ihnen bereits aktiv engagiert im Malteser Ritterorden?

Ja, Johann Joseph Herberstein war im 17. Jahrhundert Befehlshaber der Vereinigten Flotte der Malteser. Diese verteidigte gemeinsam mit den Flotten der Republik Venedig und des Heiligen Stuhls das Mittelmeer gegen Seeräuber. Der Malteser Ritterorden wurde schon vor den Kreuzzügen gegründet und sein Hauptaugenmerk lag auf Krankenhauspflege. Ernest Johann Herberstein lebte ein Jahrhundert später. Er wurde 1783 erster Bischof der von Joseph II. neu geschaffenen Diözese Linz. Auf Joseph II. geht ja auch unsere Pfarre Pressbaum zurück.

Was ist für Sie im Kirchenleben Pressbaums besonders wichtig?

Für die Mitarbeit in der Pfarre ist mir die Einstellung der Leute wichtiger als anderes. Mir ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche gerne kommen. Heute kommen nur mehr jene, die sich aktiv dafür entscheiden. Es ist nicht mehr wie früher üblich, jahrgangsmäßig Sakramente zu empfangen. Dafür sind die Kinder motiviert und werden vom Elternhaus unterstützt. Die Firmlinge entscheiden selbst, in Österreich ist man ja mit 14 religionsmündig.

Und worauf achten Sie persönlich bei Ihren Gläubigen?

Der Heilige Pfarrer von Ars sagt: „Jede Seele ist eine eigene Pfarre.“ Es ist wesentlich, dass die einzelnen Menschen mit Jesus in Kontakt kommen. Wir reden so viel von Strukturen, wir müssen mehr von Jesus reden, es geht um die Freundschaft mit ihm. Mein Wunsch ist es, dass in der Öffentlichkeit nicht nur die Schönheit des christlichen Glaubens, sondern auch die der Kirche wahrgenommen wird.