Heftige Aufregung um die Jugend in Pressbaum. Gemeinderat 3.000 Euro Unterstützung sollte es für Jugendverein geben. Opposition war strikt dagegen.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 03. Juni 2020 (04:15)
Aus Holz zimmerten die Jugendlichen beispielsweise diese Sitzgelegenheit. „Beim Heimwerken schaut es nun mal hin und wieder aus“, meint Stadtrat Thomas Tweraser.
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Besonders heiß her ging es beim Tagesordnungspunkt fünf: Subventionen. Mehrere Vereine, wie der Tennisverein oder der USV Pressbaum wurden mit finanzieller Unterstützung bedacht – auch der Jugendverein sollte 3.000 Euro von der Stadtgemeinde erhalten.

SPÖ-Stadtrat Alfred Gruber beantragte allerdings gleich zu Beginn, dass über die Subvention für den Jugendverein extra abgestimmt wird. Seine Begründung: „Einen Jugendverein zu fördern, der nur aus ÖVP-Mitgliedern besteht, ist eine Gemeinheit“, so Gruber. In die Kritik stimmte auch Wir!-Stadträtin Maria Auer ein: „Wofür wird das Geld überhaupt verwendet?“ und sie setzt nach: „Außerdem schaut es beim Vereinslokal aus – es ist ein Sauhaufen, ich habe dazu Fotos aus der Bevölkerung zugespielt bekommen. Auch Polizeieinsätze hat es gegeben.“

Zu billig vermietet

Geht es nach der Opposition, werde das Haus mit 3.700 Quadratmetern Grundfläche auch zu billig an die Jugend vermietet.

Nicht nachvollziehen konnte das „Jugend-Bashing“ der für die Vereine zuständige ÖVP-Stadtrat Thomas Tweraser. „Das Holz wurde dort gelagert, weil die Jugendlichen daraus Holzbänke gebaut haben. Dass es beim Heimwerken ein bisschen ausschaut, soll vorkommen, und die Polizei hat stichprobenartig beim Clubbing Ausweise kontrolliert“, erklärt Tweraser, der selbst als Obmann im Jugendverein war und alle einlädt, sich ein Bild vor Ort zu machen. „Es ist schon ein starkes Stück, auf Jugendliche hinzuhauen, die sich ehrenamtlich engagieren“, ist Tweraser empört.

Die Antwort von Gruber (SPÖ) ließ nicht lange auf sich warten: „Wofür engagieren sie sich denn ehrenamtlich? Es sind Parasiten, die uns das Geld aus der Tasche ziehen.“

Wir!-Gemeinderat Günter Fahrner meinte, dass sich die Staatsanwaltschaft für diese Zuwendungen interessieren könnte. „Wegen Verdacht der Untreue“, setzte Fahrner nach.

ÖVP-Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner riet schließlich dazu, gleich bei der Polizei eine Anzeige zu erstatten. Schließlich wurde die Förderung mit den Stimmen von ÖVP und Grünen beschlossen, Wir! und SPÖ waren dagegen, die FPÖ enthielt sich.

Die wilde Diskussion hatte ein Nachspiel, Tweraser forderte eine Entschuldigung von Gruber. „Zu mir kann er sagen, was er will, aber nicht zu den Jugendlichen.“

Knappe 300 Euro Miete müssten bezahlt werden, mit der Förderung könnten nicht einmal die Fixkosten gedeckt werden. „Die letzte Miete habe ich aus der eigenen Tasche gezahlt“, so Tweraser. So kostengünstig wie in Pressbaum würde man einen Jugendverein selten bekommen.

Obwohl mit Florian Kleinhagauer der Obmann des Jugendvereins für die ÖVP im Gemeinderat sitzt, meint Tweraser, dass den meisten Mitgliedern die Politik egal sei. Derzeit hat der Verein 70 Mitglieder, 20 bilden den „harten Kern“.

Obmann und Gemeinderat Florian Kleinhagauer meint, dass man zu den Aussagen eh nix sagen braucht. „Es ist unfair, den Jugendverein so abzustempeln. Das ist letztklassig“, so Kleinhagauer, die schiefe Optik kann er nachvollziehen. „Ich werde mein Amt zurücklegen, aber das geht nicht von heute auf morgen“, meint er.

„Es ist unfair, den Jugendverein so abzustempeln. Das ist letztklassig“

Gruber bleibt dabei, dass es sich beim Jugendverein um eine Vorfeldorganisation der ÖVP handelt. „Nur weil ein paar junge Menschen dabei sind, die kein Parteibuch haben bedeutet das nichts“, sagt er und findet auch, dass man mit dem Haus in bester Lage mehr Mietertrag hätte herausholen können. Für seine Wortwahl „Parasiten“ will er sich nicht entschuldigen. Mit Antisemitismus, wie ihm vorgeworfen wurde, habe das für ihn aber nichts zu tun. Ihm sowie den anderen Madataren der Oppositionsparteien seien außerdem keine ehrenamtlichen Tätigkeiten des Vereins bekannt. Man sei prinzipiell für einen Verein für die Jugend.

„Wenn die Gemeinde fördert, dann übernimmt sie aber auch Verantwortung. Diese Verantwortung sehe ich in einer Betreuung der Jugendlichen, dagegen sträuben sich sich aber“, so Gruber abschließend.

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