„Keine Chance ohne Grenzkontrollen“. Bürgermeister Schlögl hat seinerzeit als Innenminister Erfahrungen mit Flüchtlingsdramen gemacht.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 01. September 2015 (15:37)
Bürgermeister Karl Schlögl an seinem Schreibtisch im Purkersdorfer Rathaus, verfolgt das Tagesgeschehen ganz genau und ist bestürzt über das Flüchtlingsdrama auf der A4.
NOEN, Foto: Martin Gruber-Dorninger
Das Flüchtlingsdrama hat längst Österreich erreicht. Die verheerenden innenpolitischen Ausmaße gipfelten vorerst im Fund von 71 toten Flüchtlingen, darunter vier Kinder, in einem Kühl-Lkw auf der A4, in der Nähe vom burgenländischen Parndorf. Besonders bestürzt über diesen Vorfall zeigte sich Purkersdorfs Bürgermeister Karl Schlögl, selbst Innenminister von 1997 bis 2000.

„Man kann das Ausmaß dieses Dramas gar nicht in Worte fassen“, ist Schlögl sichtlich angeschlagen. Er selbst hatte einst einen großen Flüchtlingsansturm zu bewältigen. In seiner Zeit als Innenminister tobte noch der Krieg im Kosovo, praktisch vor der Haustür Österreichs. „In dieser Zeit war das auch dramatisch, wir mussten über 100.000 Flüchtlinge aus dem Kosovo und dem Balkan aufnehmen“, erinnert sich Schlögl. Damals war Österreich noch nicht bei der EU, die Grenzen wurden streng überwacht.

„Man kann das Ausmaß dieses
Dramas gar nicht in Worte fassen.“
Karl Schlögl, ehemaliger Innenminister

„Das System ist mit dem heutigen nicht mehr zu vergleichen. Heutzutage hat man keine Chance mehr auf Kontrollen“, gesteht Schlögl ein und ergänzt, dass Innenministerin Johanna Mikl-Leitner am Tod der Flüchtlinge keinesfalls eine Schuld treffe. „Es ist unter diesen Vorzeichen unbedingt notwendig, die Straßen im Grenzgebiet zu kontrollieren“, fordert Schlögl. Dies sollte, seiner Meinung nach, den Schleppern das Handwerk legen oder zumindest in die Schranken weisen.

Die Frage, ob die Innenministerin Mikl-Leitner Schlögl um Rat gebeten hätte, verneint der Bürgermeister.
In Sachen Flüchtlinge in Purkersdorf war Schlögl jedenfalls vom großen Engagement seiner Bürger angenehm überrascht. „Die Anteilnahme und der Einsatz waren riesengroß“, schwärmt Schlögl.
Demnächst sollen 36 unbegleitete Flüchtlinge nach Purkersdorf kommen. „Ich bin sehr optimistisch, dass das funktioniert“, so Schlögl. Die „neuen“ Purkersdorfer sollen in zwei Quartieren unterkommen.
Eines davon befindet sich in der Linzerstraße, das zweite wird sich, laut Schlögl, in Zentrumsnähe befinden.