Neustart bei den Riegers in Pressbaum. Das Power-Ehepaar Rieger hat sein Hotel verkauft und orientiert sich neu.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 25. Juli 2021 (04:44)
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Manfred und Sabine Rieger strahlen auf ihrem Bauernhof vor Glück.
Nadja Büchler, Nadja Büchler

Nach 28 arbeitsintensiven Jahren verkauften Manfred und Sabine Rieger das gemeinsam aufgebaute Hotel Wiental an eine österreichische Stiftung. Diese ist bereits im Besitz einiger Hotels im Wienerwald und wird auch das Hotel Wiental als solches weiterführen. 

Mit Ende des Jahres zieht sich das Ehepaar aus dem operativen Geschäft zurück, Manfred Rieger bleibt weiterhin als gewerberechtlicher Geschäftsführer tätig. Mit nur 23 und 19 Jahren hatten die Riegers 1994 das 3-Stern Frühstücks-Hotel mit 20 Zimmern von der Familie Klaghofer gekauft. In mehreren Bauphasen wurde das Haus zu einem 4-Stern Hotel-Restaurant ausgebaut. 

NÖN: Was hat Sie zum Verkauf des Hotels bewogen?
Manfred Rieger: Nach den vielen Lockdowns und den wechselnden Auflagen haben meine Frau Sabine und ich gespürt, dass wir den notwendigen 150-prozentigen Einsatz nicht mehr aufbringen können. Das ist wie bei dem Spiel „Mensch-ärger-dich-nicht“: Wir haben gedacht, einmal noch würfeln und wir sind im Ziel. Aber so war es nicht. In Wahrheit wurde der Tourismus aus dem Spiel geworfen.

Wie geht es jetzt weiter?
Unser neuer Lebensmittelpunkt verlagert sich nach Rekawinkel. Wir haben von Altbauer August Hochreiter den Bauernhof gekauft. Der August zieht zu seiner Familie ins Burgenland und wir im Herbst nach Rekawinkel. Wir wollen eine naturbelassene Tierhaltung mit Schweinen, Rindern und Pferden betreiben.

Das ist eine große Veränderung - kann man in Ihrem Fall sagen, dass die Folgen der Coronakrise letztendlich lang gehegte Träume wahr werden ließ?        
Auf alle Fälle. Einen Bauernhof zu haben war schon als Kleinkind mein Traum. Tiere spielen schon immer eine große Rolle im Leben von Sabine und mir. Der würdevolle Umgang mit ihnen ist uns sehr wichtig. Sabine hat die Landwirtschaftsschule im Norbertinum besucht und meine Eltern hatten eine Landwirtschaft. Mein Vater hat 1982 die letzten Schweine abgestochen und für die Bundesforste Holz gerückt - zuerst mit den Pferden, dann mit dem Traktor. Wir wollen uns von dieser Lebensweise etwas abschauen und zurück zu mehr Bodenständigkeit und natürlicher Lebensweise kehren. Sabine wird beim Land Niederösterreich eine Ausbildung zur „Krisenmutter“ machen und möchte, wenn wir soweit sind, „Urlaub am Bauernhof“ anbieten.

Wie geht es mit Ihrem Reisebüro und Busunternehmen weiter?
Beiden Unternehmen kann ich jetzt mehr Zeit widmen. Das Reisebüro wird als Zielgebietsagentur (Incoming-Agentur) weitergeführt. Wir bieten Gesamtpakete vom Reiseführer bis hin zu Theaterkarten an. Das Busunternehmen ist vor allem als regionaler Shuttle-Dienst geplant - von Hochzeitsgesellschaften über Wien-Fahrten bis hin zum Flughafentransfer. Der Tourismus wird mich auch in Zukunft beschäftigen.

Dann gibt es da noch ihr Fiakerunternehmen - wie sieht hier die weitere Zukunft aus?
Das Unternehmen gehört mir und meinem Sohn Josef. Wie es zukünftig weitergeht ist noch ungewiss.

Ist Ihnen der Schritt zur persönlichen und beruflichen Veränderung schwergefallen?
Nein. Die Zeit war reif. Sabine und ich können jetzt bereits unsere Herzenswünsche umsetzen, da wir sehr früh mit unserem Hotel begonnen haben. Es waren viel Disziplin, Ausdauer, Liebe zur Arbeit und die persönliche Betreuung unserer Gäste notwendig, das Hotel Wiental zu dem zu machen, was es heute ist. Die Anfangsjahre waren sehr hart. Unser Sohn Josef kam 1996 und unsere Tochter Karoline 1997 auf die Welt. Die beiden sind im Betrieb aufgewachsen. Ziel war es, unseren Kindern ein stabiles Fundament für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen. Ich glaube, das ist uns gelungen.

War es einfach einen Bauernhof in der Region zu finden?
Nein, das war Glückssache. Wir waren schon länger auf der Suche und haben unsere Fühler bereits bis ins Waldviertel und die Bucklige Welt ausgestreckt. Wir sind sehr froh, in der nahen Umgebung fündig geworden zu sein. Das Verkaufsgespräch mit August Hochreiter hat gerade mal eine Minute gedauert. Für uns war sofort klar, der Hof ist das, was wir suchen. Wie gesagt, wir wären auch bereit gewesen unseren Standort in eine andere Region zu verlegen. Aber als gebürtige Tullnerbacher sind wir froh, in der Nähe unserer Familien, Freunde und sozialen Kontakte zu bleiben. Mit der Freiheit, diesen Schritt zu machen verlagern wir unsere Jugend ins Alter.