65-Jährige schlug mit Axt auf schlafenden Ehemann ein. Mit einer Axt schlug 65-Jährige auf ihren schlafenden Ehemann ein. Geschworenensenat entschied für die Unterbringung in einer Anstalt für geistig Abnorme.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 18. September 2017 (11:58)
NOEN, shutterstock/Parinya Feungchan
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„In all den 40 Jahren Ehe hat es so etwas nie gegeben. Ich hab’ danach sofort ihre Hand genommen, sie war nur perplex“, sagt ein 79-jähriger aus Mauerbach. Während er schlief, schlug seine Frau (65), im Februar, mit einer Axt auf seinen Kopf ein. Einen zweiten Schlag wehrte der Pensionist ab. Zum Glück wurde er nur leicht verletzt, kam mit einer Rissquetschwunde davon.

Versuchter Mord wird der 65-Jährigen nun vorgeworfen im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Weil sie laut psychiatrischem Gutachter zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig war, beantragt die Staatsanwaltschaft die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

„Die Betroffene hatte nihilistische Gedanken, war völlig ratlos und konnte nicht frei entscheiden.“ Psychiater Richard Billeth im Prozess über die 65-Jährige

„Ich weiß nicht, warum das passiert ist, ich weiß es einfach nicht, ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe. Mein Mann hat immer alles für mich getan“, wiederholt die Betroffene immer wieder vor den Geschworenen. Ob sie sich an den verhängnisvollen Tag erinnert? „Es war ein ganz normaler Tag. Ich bin in den Keller gegangen, habe die Axt gesehen, hab’ sie mit nach oben genommen ...“, erzählt die 65-Jährige. Und dann? „Einen Horror nennt man das. Es war wie im Horrorfilm, hat mein Mann gesagt.“

Für Psychiater Richard Billeth leidet die 65-Jährige an einer melancholischen Depression. „Sie hatte zum Tatzeitpunkt nihilistische Gedanken, hat geglaubt, dass sie nichts sei, dass alles nichts sei, hatte keinerlei Perspektiven, war völlig ratlos, konnte nicht mehr frei entscheiden. Ihre Lebensperspektive war völlig zerfallen, sie hatte das Gefühl, keine Gefühle mehr zu haben“, so der Gutachter.

Und weiters: „Depressive Phasen begleiten die Betroffene seit Jahrzehnten. Fremdaggressiv war sie aber davor noch nie.“ Das Opfer möchte seine Frau wieder bei sich zu Hause haben. „Alleine ist es gar nicht nett“, sagt der 78-Jährige. Angst habe er keine. „Ich habe keine Bedenken, wenn sie wieder heimkommt“, erklärt er.

Diesen Wunsch kann der Senat nicht erfüllen. Weil auch in Zukunft mit erheblichen rechtswidrige Taten der Betroffenen zu rechnen ist, gibt er dem Antrag auf Unterbringung statt. Die 65-Jährige erbittet Bedenkzeit, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.