Gerhard Stitzle: Nach 40 Jahren ist jetzt Schluss. Gerhard Stitzle war vier Jahrzehnte durchgehend Gemeinderat in Mauerbach. Jetzt widmet er sich voll und ganz dem Malen.

Von Melanie Baumgartner. Erstellt am 18. Oktober 2020 (03:57)
Gerhard Stitzle frönt jetzt seinem neuen Hobby, der Malerei.
privat

Am 12. Mai 1980 ist er als Gemeinderat für die Sozialdemokraten in die Mauerbacher Ortspolitik eingestiegen. Nach fast 40 Jahren und vielen Erlebnissen und Veränderungen schied Gerhard Stitzle im März 2020 aus dem Gemeinderat aus. In dieser Zeit hat er den Kontroll-, Finanz-, Hochbau-, Tiefbau- und Innovationsausschuss geleitet. Außerdem war er – je nach Machtverhältnissen – geschäftsführender Gemeinderat. Die NÖN traf ihn zum Gespräch.

NÖN: Was hat Sie dazu bewegt, Gemeinderat in Mauerbach zu werden?
Gerhard Stitzle: Ich bin in einer sozialdemokratischen Familie aufgewachsen. Mein Vater war Funktionär, ich bin schon am ersten Mai mit dem Trittroller zum Rathaus gefahren. Ich war bei der sozialistischen Gewerkschaftsjugend, später habe ich dann eine Zeit lang im Bezirk in der Sektion mitgearbeitet. Das hat sich dann mit der Zeit alles verflacht.
Im Jahr 1976 bin ich mit meiner Frau nach Mauerbach gezogen. Ich bin ein Mensch, der immer irgendetwas machen muss, also habe ich mir ein Betätigungsfeld gesucht. Ich habe mir dann angeschaut, wie es in Mauerbach mit der SPÖ aussieht. Zu dieser Zeit war in Mauerbach der große Wechsel von der SPÖ-Alleinregierung zur ÖVP-Regierung. Bei der SPÖ sind viele zurückgetreten. Ich habe mir dann gedacht, okay, ich gehe einmal hin und höre mir das einmal an und dann bin ich dort picken geblieben. Nach vier Jahren bin ich dann in den Gemeinderat gekommen.

Ich bin ein Mensch, der immer irgendetwas machen muss, also habe ich mir ein Betätigungsfeld gesucht

Welche Funktionen hatten Sie im Gemeinderat inne?
Am Anfang war ich im Kontrollausschuss, den ich nach zwei Jahren als Obmann übernommen habe. Die SPÖ war zu der Zeit in der Opposition, ich bin deshalb gefragt worden, ob ich mir vorstellen könne, den Obmann zu übernehmen. Da mein erster Bildungsweg in die kaufmännische Richtung ging, habe ich das angenommen. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass die Überstunden reduziert werden und gedrängt, dass mehr Personal im Gemeindeamt aufgenommen werden soll. Das wurde dann auch durchgesetzt. Im Kontrollaussschuss war ich relativ lang, ich glaube zwei Perioden.
Ich war dann auch in anderen Ausschüssen, es hat keinen Ausschuss in der Gemeinde gegeben, in dem ich in den vierzig Jahren nicht – zumindest als Mitglied – dabei war. Als die SPÖ mit der Liste Jelinek eine Regierung gebildet hat, wurde ich Obmann vom Finanzausschuss. Nach 2,5 Jahren wechselte ich als Obmann in den Hochbauauschuss. In der letzten Periode wechselte ich noch in den Tiefbauausschuss. Dazwischen hatte ich die Leitung des Innovationsausschusses über.

Warum wechselten Sie nach 2,5 Jahren den Ausschuss?
Während meiner Zeit als Obmann des Finanzausschusses ist es mir gelungen, den Schuldenberg zu halbieren. Es konnte wieder Geld aufgenommen werden. Es sind immer mehr Leute nach Mauerbach gekommen und man hat gesagt, dass wir die Schule ausbauen müssen. In der Kaiser-Jubiläumsschule waren ja nur vier Klassenräume und ein Turnsaal, wie es in einer alten Schule üblich war. Das Land hat auch schon gedrängt und gesagt, wir sollen die Schule erweitern. Derjenige von der Liste Jelinek, der den Bauausschuss über gehabt hat, hat gesagt, dass er das nicht mache, das sei nicht notwendig. Wir haben dann eine Absprache getroffen: Ich übernehme den Hochbauausschuss, dafür übernimmt jemand aus der Liste Jelinek den Finanzausschuss. Das haben wir so gemacht. Der Schulumbau war dann ein großes Projekt in meiner Zeit als Obmann des Hochbauausschusses.

Während meiner Zeit als Obmann des Finanzausschusses ist es mir gelungen, den Schuldenberg zu halbieren

Welche Projekte haben Sie während Ihrer Zeit als Gemeinderat umsetzen können?
Am Anfang im Kontrollausschuss konnte ich die Reduzierung der exorbitanten Überstunden umsetzen, da haben die Leute fast mehr Überstunden gemacht, als normale Arbeitsstunden. Der Umbau der Kaiser Franz Josef Jubiläumsvolksschule fiel ebenso in meine Zuständigkeit wie der Umbau des ersten Kindergartens und das Provisorium des zweiten Kindergartens. Beim Neubau vom zweiten Kindergarten habe ich noch mitgearbeitet, da habe ich im Gemeinderat aber eine andere Funktion – nämlich im Innovationsausschuss – innegehabt. Beim Bau des neuen Gemeindeamts war ich mitverantwortlich. Außerdem war ich für die Erstellung des Entwicklungskonzepts sowie des Masterplans für den Ortskern zuständig. Die beiden letzten Punkte fielen in das Projekt G 21, das ich vier Jahre geleitet habe. Mein letztes Projekt war die Aufbereitung für die öffentliche Beleuchtung.

Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie aus dem Gemeinderat ausgeschieden sind?
Nach 40 Jahren hat man nicht mehr die Energie dazu. Man hat die Energie für ein Projekt, mehr nicht. Außerdem: Wie lange soll ich es denn noch machen? Das hat sich irgendwie ergeben. Ich habe zudem auch kommen gesehen, was mit unserer Liste geschieht.

Bisher war der Gemeinderat mein Hobby, dazwischen habe ich aber auch immer gemalt.

Wie blicken Sie auf Ihre Zeit im Gemeinderat zurück?
Auf jeden Fall mit einem zufriedenen Auge, mit einem weinenden eigentlich nicht. Das ist der Zug der Zeit, dass man irgendwann aufhört. Ich habe nur schöne Erlebnisse im Gemeinderat gehabt.

Was machen Sie jetzt in Ihrer Freizeit?
Bisher war der Gemeinderat mein Hobby, dazwischen habe ich aber auch immer gemalt. Ich werde meine Fertigkeiten verfeinern und fahre jetzt auch auf Malworkshops. Ich male das, was mir gefällt, ich folge da keinem bestimmten Stil. Ich gehe da keinen fixen Weg, das ist wie im Gemeinderat. Ich bin den Weg gegangen, wo ich geglaubt habe, dass er der richtige ist. So mache ich es beim Malen auch. Zum Leidwesen meiner Frau widme ich mich jetzt der Umgestaltung unseres Gartens. Ich wollte auch viel mehr Reisen – das fällt aber wegen Corona derzeit weg.