Im Gespräch mit Kabarettist Gerold Rudle

„Ich sehe mich nicht als Künstler, ich bin Handwerker“, erklärt Gerold Rudle seinen Beruf.

Erstellt am 21. November 2019 | 15:08
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In Purkersdorf fühlt Gerold Rudle sich daheim und als echter Purkersdorf. Wenn ihn jemand als Promi behandelt, dann stellt sich oft schnell heraus, dass es sich um jemand Zugezogenen handelt.
Foto: Nadja Büchler

Der beliebte Kabarettist Gernot Rudle ist in Wien geboren und in der Gegend Mödling/Hinterbrühl aufgewachsen. Er war schon als Kind der Kasperl in der Familie. Seine zwei jüngeren Schwestern haben seine Geschichten und Witze sehr lustig gefunden. Das hat ihn angestachelt, noch mehr und noch bessere Witze zu erzählen. In der Schule ist er drauf gekommen – das funktioniert auch dort gut. Rudle besuchte das Sportgymnasium für Buben in Saalfelden. Die Zeit im Internat und weit weg von Zuhause war nicht immer einfach.

NÖN: Sie haben ein Sportgymnasium besucht – hatten Sie eine Karriere im Sport geplant?

Gerold Rudle: Nein. Meine Eltern waren ebenfalls in einer Schule diesen Typs und fanden sie großartig. Meine beiden Schwestern besuchten sie auch. Allerdings nicht in Saalfelden – diese Schule war nur für Buben.

An der Schule wurde auch eine Theatergruppe angeboten. Da war ich dabei und habe schnell gemerkt, ich muss mich nicht so anstrengen wie beim Sport und komme trotzdem schneller weiter.

War diese Theatergruppe der Auslöser für ihre künstlerische Laufbahn?

Rudle: Mir hat das viel Spaß gemacht. Ich kann sehr leicht Texte auswendig lernen und bekam auch bald eine Hauptrolle. Meinen Eltern habe ich gesagt, dass ich Schauspieler werden möchte. In der 8. Klasse wurde ich 18 Jahre alt und habe mit der Schule aufgehört. Ich habe aber die Sportmatura. Die wurde bereits in der siebten Klasse gemacht.

Wie ging es dann weiter?

Rudle: Ich wollte natürlich ans Max Reinhardt Seminar. Meine Mutter ist Kulturjournalistin und hat mir von einer neuen Schauspielschule am Volkstheater erzählt. Sie wollte, dass ich sie mir doch mal anschaue. Also ging ich zur Aufnahmeprüfung. Ich war dabei ganz locker und nicht nervös, da ich ja aufs Reinhardt Seminar wollte. Diese Lockerheit hat die Prüfungskommission wohl überzeugt – ich wurde aufgenommen und ging auch hin.

Sie haben in der Schauspielschule Herbert Steinböck kennengelernt. Eine wichtige Begegnung?

Rudle: Auf alle Fälle. Ohne ihn wäre ich nicht beim Kabarett gelandet. Wir haben uns nach einigen Jahren und unterschiedlichen Theaterengagements wieder getroffen. Das war der Start für unsere gemeinsame Kabarettzeit.

Warum sind Sie nicht beim Theater geblieben?

Rudle: Wir waren beide vom Theater desillusioniert. Man hat keine Freiheiten in der Interpretation der Rollen und ist von vielen Personen und Umständen abhängig. Das ist beim Kabarett anders. Ich schreibe meine Texte selbst und mache auch selbst Regie – nicht umgekehrt.

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NÖN

Ihr erstes gemeinsames Programm mit Herbert Steinböck „Butterkipferl“ war gleich ein Erfolg?

Rudle: Der damalige Leiter des Kabarett Niedermair, I Stangl, hat uns die Möglichkeit gegeben, an zehn Abenden aufzutreten. Im Publikum saßen viele Freunde und unsere Familien. Daher waren alle zehn Abende ausverkauft. Das hat für Aufmerksamkeit gesorgt und die Kleinkunstbühne „Zur Kulisse“ hat angefragt, ob wir auch bei Ihnen spielen wollen. Danach ist es stetig bergauf gegangen.

Wie wird man Kabarettist?

Rudle: Ein Grundtalent sollte schon vorhanden sein, der Rest ist Handwerk. Wie das richtige Setzen von Pointen. Ich sehe mich nicht als Künstler, sondern als Handwerker. Ich habe viel durch Erfahrungen auf der Bühne gelernt oder von anderen Personen. Der Theaterregisseur Hans Peter Horner war so eine Person. Er hat mir auf der Theaterbühne viele Freiheiten gelassen.

Haben Sie Vorbilder?

Rudle: Den Schauspieler Wolfgang Böck und meine Frau Monica.

Ihre Frau Monica ist ebenfalls Schauspielerin und Kabarettistin. Ist es schwierig, gemeinsam zu leben und zu arbeiten?

Rudle: Nein. Ganz im Gegenteil. Wir kennen uns und unsere Arbeit so gut, da ist es nicht notwendig, einen Auftritt mit vielen Worten zu besprechen. Das genieße ich sehr.

Sie wohnen in Purkersdorf – haben Sie dort Promistatus?

Rudle: Nein, wir sind ganz normale Purkersdorfer und man begegnet uns wie allen anderen. Sollte das einmal nicht so sein, frage ich die Person, ob sie neu zugezogen ist. Das bestätigt sich dann in den meisten Fällen.

Sie sind auch im TV zu sehen. Seit Jahren im Rateteam bei „Was gibt es Neues?“ und seit Kurzem auch als Moderator in der Sendung „Sehr witzig“. Was gefällt Ihnen an diesem Format?

Rudle: Anders als auf der Bühne ist TV ein Spontanformat. Es gibt keine Skripten und keine Proben. Ich habe für mich die Leidenschaft für die Moderation entdeckt. Daher habe ich mich nach der dritten Anfrage von Puls 4 für die Moderation von „Sehr witzig“ breitschlagen lassen und bin Puls 4 jetzt sehr dankbar für diese Chance.