Tullnerbacher Projekt hilft bedürftigen Familien. Drei Tullnerbacherinnen unterstützen im Advent mit unterschiedlichen Hilfsprojekten.

Von Monika Närr. Erstellt am 18. Dezember 2020 (03:07)
Inga Heiling fertigte individuelle Adventkalender auf Bestellung an und ermöglichte einem älteren Ehepaar durch den Reinerlös ein warmes Heim in den Wintermonaten.
privat

„Ich mache heuer drei umgekehrte Adventkalender, in die ich je 24 Päckchen lege. Diese bekommen drei bedürftige Familien unserer Region, die ich persönlich ausgesucht habe,“ so die Tullnerbacher Künstlerin Christine Fötsch. Sie wird ihnen die Advent-Kisten am Heiligen Abend als Überraschung vor die Türe stellen. Die so Beschenkten werden sich unter anderem über T-Shirts, Parfum, Toilettenartikel, Gewürze, Weihnachtsbäckerei oder eine selbst gemachte Kette freuen.

Heizmaterial für Bedürftige

Ebenfalls mit einer kreativen Adventidee unterstützte Inga Heiling bereits ein älteres Ehepaar aus Purkersdorf. Sie lernte dieses zufällig Ende Oktober kennen und erfuhr, dass es keine Geldmittel hatte, um sein kleines Häuschen zu heizen. „Im Lockdown kann man nicht einmal länger in ein Geschäftslokal gehen, um sich aufzuwärmen“, so die psychosoziale Beraterin aus dem Irenental. So machte sie – ausschließlich über ihren eigenen Facebook-Account – einen Aufruf und fertigte nur gegen Vorbestellung Adventkalender mit selbst aufgenommenen Bildern und Achtsamkeitssprüchen an.

„Das war eine relativ spontane Idee“, so Heiling, die mittlerweile recherchiert hatte, dass es bei uns im Speckgürtel mehrere ältere Personen gibt, die sich Heizkosten nicht leisten können. Letztlich fertigte sie 42 Kalender an, erhielt dafür auch gespendete Materialien von Buchprinzessin Birgit Breitenlacher und einen Reinerlös von 700 Euro. Nach Eingang der Bestellungen kaufte sie sofort das Heizmaterial. Berührend war für sie, dass „das Ehepaar nicht mehr nehmen wollte als die Heizkosten“ und sie den Restbetrag nun noch anderweitig spenden wird.

Gisela Hollborn wiederum ist als treibende Kraft für die Tullnerbacher Grünen unterwegs und hat eine Spenden-Sammelstelle für die Menschen im Flüchtlingslager Lesbos eingerichtet: „Wir haben uns bei den Eichgrabnern eingeklinkt, die dem Aufruf der jungen politischen Partei `Der Wandel` gefolgt sind und wollen gemeinsam ein bis zwei Lkw nach Lesbos senden“, so die als Clio bekannte Yogalehrerin. Da sie ihre Kurse derzeit online abhält und ihr Yogaraum zur Verfügung steht, wurden dort vergangene Woche erforderliche Sachspenden sortiert und in Bananenkisten für den Transport verpackt.

Die in Lesbos vor Ort tätige österreichische Menschenrechtsaktivistin Doro Blancke wartet bereits sehnsüchtig auf weiteren Nachschub für das Flüchtlingslager Kara Tepe. Wurde dieses doch vergangene Woche nochmals verstärkt von der Außenwelt abgeschnitten und all jenen, die im Camp arbeiten, jegliche Berichterstattung untersagt. Auch der erfahrene Flüchtlingshelfer Christoph Riedl von der Diakonie berichtete, unter welchem Druck die Helfer stehen und dass er noch nie so untragbare und schlimme Zustände in einem Lager gesehen hätte.

„Es ist letzte Woche hier eine Riesen-Hilfsbereitschaft ins Rollen gekommen“

Auf dieses Armutszeugnis in einem Land, das als Wiege der modernen Demokratie gilt, haben viele Bewohner unserer Region mit Spenden geantwortet. „Es ist letzte Woche hier eine Riesen-Hilfsbereitschaft ins Rollen gekommen“, so Hollborn, die dabei dieselbe Erfahrung wie Heiling machte: „Meine Facebook-Aufrufe wirkten sehr. Ich habe sie nur auf meine Seite gestellt und in zwei lokale Gruppen geteilt, und die Leute brachten laufend Hygieneartikel, warme Kleidung, Babysachen oder haltbare Nahrungsmittel vorbei“, meint Clio. Und erwähnt abschließend motiviert: „Ich habe auch in unseren Grätzl-Geschäften wie der Grasslerei, der Apotheke, bei der Buchprinzessin oder im Pagro nachgefragt. Sie alle waren ebenfalls spendenbereit.“