Pressbaum: 12 Monate Freiheitsstrafe für 74-Jährigen. Pressbaumer ging mit Messer auf Lebensgefährtin los. Geschworene sprachen sich für gefährliche Drohung statt versuchtem Mord aus.

Von Beate Riedl. Erstellt am 09. Oktober 2020 (15:45)
Im Schwurgerichtssaal am Landesgericht St. Pölten musste sich ein Pressbaumer wegen versuchten Mordes verantworten. Er kam mit einer bedingten Straft davon.
Beate Riedl

Über 40 Jahre ist es her, dass sich zwei Pressbaumer kennen- und lieben gelernt haben, viele Jahre führten sie eine mehr oder weniger harmonische Beziehung in einer Wohnung in Pressbaum. Doch als der Mann arbeitslos wurde und dem Alkohol verfiel, dürfte sich seine Persönlichkeit verändert haben. Immer wieder kam es zwischen den beiden zu Streitigkeiten – oft auch nur wegen Kleinigkeiten.

Die mittlerweile 71-Jährige wollte in den vergangenen Jahren schon mehrmals den Schlussstrich ziehen, den endgültigen Schritt setzte sie dann Ende April. „Ich hätte für ihn eine Wohnung gehabt, auch Starthilfe hätte ich ihm mitgegeben“, berichtet die Frau. Aber dann eskalierte die Situation: Der Pressbaumer ging mit einem Messer auf seine Lebensgefährtin los. Die 71-Jährige konnte den Angriff abwehren, brachte sich in Sicherheit und alarmierte die Einsatzkräfte. Der Angeklagte, der sich daraufhin in der Wohnung das Leben nehmen wollte, wurde festgenommen. Nun wurde ihm am Landesgericht St. Pölten wegen versuchten Mordes der Prozess gemacht.

„Das war dein letzter Blödsinn“, mit diesen Worten soll der Pressbaumer, der zum Tatzeitpunkt 1,2 Promille hatte, seine Tat angekündigt haben. Immer wieder sei es in der Vergangenheit zu Beschimpfungen und Drohungen gekommen. Gewalttätig sei der 74-Jährige aber nie geworden. Das bestätigt auch das Opfer, die sich mit symbolischen 100 Euro Schadensersatz zufrieden gibt. Zweimal soll er mit dem Messer auf die 71-Jährige losgegangen sein. Mit einem Stoß konnte sich die Frau vor einem Angriff schützen. Einen Walkingstock nahm sie zu Hilfe, um Distanz zu halten. Die Frau konnte unverletzt die Flucht ergreifen.

Dass er seiner Lebensgefährtin Angst machen wollte, sagt sein Verteidiger zu den Beweggründen. „Ich wollte sie einschüchtern“, gab der 74-Jährige zu.

Das Gutachten des Sachverständigen bescheinigt dem Angeklagten Zurechnungsfähigkeit. Dass er sich nach der Tat umbringen habe wollen, sei nachvollziehbar gewesen, „Da sein Leben von seiner damaligen Lebensgefährtin abhängig war und er ohne sie mit nichts dastehen würde“, berichtet der Gutachter. Die Erregung in der Situation und der Alkoholkonsum hätten die Hemmschwelle des Angeklagten gesenkt.

Bewährungshilfe und Suchttherapie

Die Geschworenen sprachen sich für gefährliche Drohung und nicht, wie angeklagt, für versuchten Mord aus. Der Pressbaumer wurde zu einer 12-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Diese wird auf drei Jahre bedingt nachgesehen. Die seit der Festnahme bereits verbüßte Haftstrafe wird dem 74-Jährigen angerechnet. Zudem wurde Bewährungshilfe angeordnet, auch einer Suchttherapie muss er sich unterziehen, um nicht wieder dem Alkohol zu verfallen. Mildernd nannte der Richter das Geständnis, den ordentlichen Lebenswandel und die herabgesetzte Selbststeuerungsfähigkeit. Erschwerende Gründe waren das Messer als Tatwaffe sowie die Ausnutzung der sozialen Umstände. Der Pressbaumer konnte kurze Zeit später das Gefängnis verlassen. Ein Bewährungshelfer begleitet ihn in seinem neuen Lebensabschnitt.