Barbara Grimmlinger: „Verfall ist vorprogrammiert“. Pressbaum: Barbara Grimmlinger berichtet über grundlegende Schwierigkeiten von Schülern in der Corona-Krise. Vor allem Volksschüler und Schulwechsler kämpfen mit der Situation.

Von Monika Närr. Erstellt am 04. April 2021 (03:29)
Barbara Grimmlinger, Eigentümerin des Pressbaumer Lerninstituts, hat ihre Nachhilfestunden derzeit weitgehend auf online umgestellt.
Monika Närr, Monika Närr

Barbara Grimmlinger ist gleichermaßen mit den Problemen von Schülern, Eltern und Lehrern in Zeiten des Distance Learnings konfrontiert. In ihrem Lerninstitut in Pressbaum erlebt sie die unterschiedlichen Aspekte der ständigen operativen Änderungen im Schulablauf. Der NÖN erzählte sie, wo es besonders hakt.

NÖN: Heuer geht das Sommersemester weitgehend bereits nach Ostern in den Endspurt. Wie beurteilen Sie das aus Expertensicht?
Barbara Grimmlinger: Für die Maturanten ist es heuer mit 20. Mai vorbei, da die mündliche Matura ja ausfällt. Vielfach wurde aber generell der Mai auf März vorverlegt, da für viele Schüler die letzte Schularbeit bereits vor Ostern stattfand. Insgesamt sind die Schüler aber sehr überfordert mit dem Homeschooling, vor allem die Volksschüler und Schulwechsler, also die Kinder der ersten Klasse NMS oder Gymnasium und Neueinsteiger in die Oberstufe. Diese kämpfen am meisten. Speziell Mathematik und Sprachen fallen ihnen sehr schwer.

Wie wirkt sich nur eine Schularbeit als Benotungsgrundlage Ihrer Meinung nach aus?
Das ist problematisch. Schüler müssen auf etwas hin lernen, sonst lernen sie nicht. Jene, die jetzt etwa mit einem Dreier zufrieden sind, werden wahrscheinlich gar nichts mehr machen bis zum Sommer. Andere werden versuchen, sich ihre Schularbeitsnote auszubessern, und es wird heuer jedenfalls viel mehr mündliche Prüfungen geben als sonst. Wenn man in die Zukunft blickt, ist der Verfall vorprogrammiert. Vor allem die heutigen fünften Klassen Oberstufe werden es schwer haben in Richtung Matura. Durch das fehlende Lernen vor Ort mangelt es oft an Basiskenntnissen, auf die später aufgebaut wird.

Wie geht es Ihnen mit der Nachhilfe im Lockdown?
Wir stellten auf Online-Nachhilfe um. Erstaunlicherweise hat das nicht nur im Einzelunterricht, sondern auch in Kleingruppen gut funktioniert. In diesen fällt weg, dass sich die Schüler gegenseitig ablenken. Vermehrt kommen sie aber zu spät drauf, dass sie Nachhilfe brauchen. Den Lernstoff von drei Monaten kann man nicht in einer Woche nachholen. Und generell wollen Schüler vor Ort lernen und soziale Interaktionen erleben. Präsenzunterricht im Institut bieten wir auch an, dafür ist ein Test aus der Teststraße notwendig, die Schultests gelten ausschließlich für den Schulbesuch.

Wir stellten auf Online-Nachhilfe um. Erstaunlicherweise hat das nicht nur im Einzelunterricht, sondern auch in Kleingruppen gut funktioniert.

Nachlernen für das Schuljahr 2021/2022, inwiefern wird dies ein Thema sein?
Es wird schwierig, die Wissenslücken zu füllen. Die nächsten Jahre werden bestimmt anstrengender für die Schüler, da sie zusätzlich zum neuen Stoff Versäumnisse nachlernen müssen. Eine Möglichkeit wäre, den Sommer zu nutzen. Wir bieten im August wieder dreistündige Vormittagskurse in Kleingruppen an. In schwierigen Fällen natürlich auch Einzelunterricht oder Fächermix. Auch die Lehrer haben oft Schwierigkeiten, den Stoff durchzubringen. Vieles kann nur direkt in der Klasse gut durchgenommen werden. Zahlreiche Schüler klinken sich online auch aus, schalten das Mikrofon oder die Kamera ab. Es ist schon ein gigantischer Unterschied zu jenen, die aufpassen und die Lerninhalte dann besser umsetzen können. Je mehr es in Richtung Matura geht, umso mehr kommen auch die Lehrenden in Stresssituationen, weil der Stoff durchgemacht werden muss. Was ich so mitbekomme, sind ziemlich viele Lehrer im Hintertreffen.

Was halten Sie von der Sommerschule, die in den Ferienwochen an Schulen angeboten wird?
Prinzipiell sind Förderprogramme für Schwache immer gut. Hier wird allerdings nur Mathematik und Deutsch unterrichtet, es ist also sehr eingeschränkt. Primär sind die Lehrenden selbst noch Studenten in Ausbildung und keine erfahrenen Pädagogen. Und auch die Frage der Gruppengröße und Zusammensetzung ist entscheidend. Bis zu 15 Schüler ist schon enorm, im Lerninstitut unterrichten wir drei bis vier in einer Kleingruppe. Informationen dazu sind auf www.lerninstitut-pressbaum.at abrufbar.