Feuerwehrhaus in Pressbaum bleibt in der Warteschleife. Gemeinde muss wegen Mehrkosten 853.600 Euro-Darlehen aufnehmen. Gespräche mit Land sollen geführt werden. Baustart könnte erst 2021 erfolgen.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 14. Oktober 2020 (04:32)
Der Putz bröselt im Lagerschuppen von der Decke, in der Garage kann man die Abnützung des Hauses auch an den Mauern erkennen.Veraszto
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Viel zu enge Garagen, Putz, der von der Decke bröckelt, Wasserschäden und Sanitärnanlagen, die von Männern und Frauen gemeinsam genützt werden und die ihre beste Zeit schon längst hinter sich haben: Der Zustand des Pressbaumer Feuerwehrhauses an der Hauptstraße ist seit Jahren prekär und doch stehen die 74 aktiven Feuerwehrmänner und -frauen im Ernstfall stets bereit.

Nach einem Einsatz duschen die Feuerwehrmitglieder zuhause, die Sanitäranlagen und Duschen sind für über 60 Personen viel zu klein.
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Rund 250 Einsätze werden durchschnittlich im Jahr bewältigt, viele davon sind Unfälle auf der Autobahn. Das Salz frisst sich in den Lack der Einsatzfahrzeuge. Für das richtige Waschen der Autos fehlt der Platz und die Ressourcen: Das hat kostspielige Sanierungen zufolge, erzählt Feuerwehrkommandant-Stellvertreter Michael Uetz bei einem Lokalaugenschein der NÖN. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Feuerwehrmänner selbst dafür gesorgt, dass ihr Haus so gut es geht in Schuss bleibt. Erweiterungen, Sanierungen: „Das wurde alles von Feuerwehrmännern gemacht“, sagt Uetz.

Für Bedarfszuweisungen angesucht habe man bei der Gemeinde nur, wenn Großprojekte, wie zum Beispiel die Sanierung eines Fahrzeuges, notwendig waren. Andere Ankäufe, wie neue Einsatzuniformen, damit die Feuerwehrmänner auf der Autobahn besser gesehen werden, wurden mit Spenden und Einnahmen von Festen selbst finanziert.

Seit aber der Gemeinderat 2017 beschlossen hat, auf dem ehemaligen Asfinag-Gelände im Zuge eines H.E.L.P.-Zentrums (Hilfe- und Einsatz-Leitzentrum Pressbaum) ein neues Feuerwehrhaus zu bauen, harren die Feuerwehrmänner nur mehr aus. Und wie sich in der vergangenen Gemeinderatssitzung gezeigt hat, werden sie das auch weiterhin tun müssen: Denn wie ÖVP-Stadträtin Jutta Polzer berichtete, sind beim Projekt Mehrkosten in der Höhe von 1.457.200 Euro zu erwarten. 853.600 Euro werden dabei von der Gemeinde getragen, die jetzt um eine Darlehensgenehmigung beim Land NÖ ansuchen will. 144.000 Euro der Mehrkosten wird das Hilfswerk Wiental übernehmen und 459.600 Euro soll die Feuerwehr als Eigenleistung erbringen.

Projekt-Prüfung brachte Mehrkosten ans Licht

Dass es zusätzliche Kosten geben wird, wurde laut ÖVP-Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner im Zuge einer Überprüfung des Projektes durch die begleitende Kontrolle und durch die Architekten festgestellt. Der Stadtchef will jetzt die Gespräche mit dem Land forcieren, damit das Projekt weiterhin auf Schiene bleibt. Die Gesamtkosten werden sich inklusive des bereits getätigten Grundstückskaufs auf rund sechs Millionen Euro belaufen. Der Baustart soll „so schnell wie möglich erfolgen“, sagt Schmidl-Haberleitner. Er rechnet damit, dass die Gespräche bis zum Ende des Jahres abgeschlossen seien werden, damit ein Baustart Anfang des nächsten Jahres erfolgen kann.

Dass die Feuerwehr für 459.600 Euro selbst aufkommen soll, macht die Einsatzkräfte nicht glücklich. Für die Summe müsste sich die Feuerwehr einen Kredit aufnehmen – und das sei nicht so einfach, sagt Kommandant Georg Krauss. Nun sei aber erneut Geduld gefragt. „Wir werden abwarten, was das Land sagt“, so Krauss.

Darlehensbeschluss nicht einstimmig

Die Aufnahme des Darlehens wurde in der Gemeinderatssitzung mit den Stimmen von ÖVP und Grünen beschlossen. Dass die SPÖ und die Liste WIR! nicht geschlossen mitgestimmt haben, ist für Schmidl-Haberleitner unverständlich: „Der derzeitige Feuerwehrstandort platzt aus allen Nähten, und die Fahrzeughalle gleicht einem Rangierbahnhof. Im Ernstfall sind unsere örtlichen Feuerwehren und unsere Rettungsorganisationen aber das einzige Schutzschild, welches wir im Ort haben. Unsere Freiwilligen machen das gerne, erwarten sich aber auch von der Gemeindepolitik ein Arbeitsumfeld, wo sie adäquat ihre Arbeit erfüllen können.“

Der Feuerwehr ist auch von Wasserschäden betroffen.Veraszto
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Die SPÖ kritisierte jedoch die fehlende Transparenz bei der Kostensteigerung. Die neuen und die alten Unterlagen zum Projekt seien nicht unmittelbar vergleichbar gewesen und deshalb habe man auch keine Begründung für die Mehrkosten erkennen können. „Trotz des grundsätzlichen Bekenntnisses der Pro Pressbaum SPÖ zum Neubau eines Feuerwehrhauses, haben wir uns aufgrund der nicht gegebenen Transparenz für die Beurteilung der Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit der errechneten Kostensteigerungen entschlossen, den Antrag abzulehnen“, erklärt SPÖ-Gemeinderat Peter Grosskopf.

Bei der Liste WIR! sei es ebenfalls die unschlüssige Kostenaufstellung gewesen, die dazu geführt habe, dass sich zwei WIR!-Mandatare ihrer Stimmen enthalten haben, erklärt Stadtrat Wolfgang Kalchhauser: „Es wird mit Zahlen jongliert, die oft nicht nach vollziehbar sind.“