Gablitzer Immobilienmaklerin rechnet mit Notverkäufen

Erstellt am 16. August 2022 | 20:05
Lesezeit: 3 Min
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Der Traum von Eigenheim ist noch fest in den Köpfen verankert. Aber ökonomisch wird es knapp.
Foto: Unsplash/Tierra Mallorca
Neue Anforderungen an Kreditnehmer lassen den Traum vom Eigenheim in noch weitere Ferne rücken. Aber das ist nur einer von vielen Faktoren.
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Die Nachfrage nach Krediten war in den vergangenen Jahren sehr groß, und sie ist auch aktuell sehr groß, heißt es seitens der Raiffeisenbank Wienerwald. „Unser Zugang war und ist, dass sich der Kunde den Kredit auch leisten können muss und zwar nicht nur zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme und unter optimalen Voraussetzungen, sondern über die gesamte Laufzeit“, erklärt die Sprecherin Andrea Felber.

Zukünftig werde es tendenziell eher zu mehr Kreditablehnungen kommen, weil die neuen gesetzlichen Anforderungen, Eigenmittel und Schuldenlast betreffend, für einige potenzielle Kreditnehmer doch mehr als herausfordernd sein werden bzw. einfach nicht darstellbar sind.

„Wenn man sich das Heizen und Lebensmittel nicht mehr leisten kann, dann auch keine höhere Kreditrate.“ Karin Hohenwarter, Geschäftsführerin der Vyborny Immobilien GmbH in Gablitz

Der Gablitzer Bürgermeister Michael Cech sieht diesen Aspekt an den neuen Kreditregeln durchaus positiv. Er habe beobachtet, wie Menschen, die ihre Immobilie allein über einen Kredit finanziert hatten, bei familiären oder beruflichen Änderungen ins Strudel geraten sind. Gleichzeitig hofft er, dass die hohen Immobilienpreise durch die neuen Regeln wieder sinken.

In seiner Gemeinde kostet ein Quadratmeter Baugrund aktuell rund 500 Euro. „Da wird die Finanzierung mit den neuen Kreditregeln sicher eine Herausforderung“, vermutet er. Direkte Auswirkungen sind in Gablitz jedoch noch nicht zu spüren. Die Gemeinde besitzt keine Grundstücke und widmet aktuell keine neuen Grundstücke um. Verkäufe zwischen Privatleuten finden nach wie vor statt.

Karin Hohenwarter, Geschäftsführerin der Vyborny Immobilien GmbH in Gablitz, hat noch niemanden erlebt, der sich aufgrund der neuen Regeln seinen Kredit nicht mehr leisten konnte. Die Immobilienmaklerin rechnet allerdings damit, dass sich das in Zukunft ändert. Ihrer Meinung nach könnte es in näherer Zukunft sogar zu Notverkäufen kommen.

Als Grund sieht sie die hohen Lebenshaltungskosten. „Wenn man sich das Heizen und Lebensmittel nicht mehr leisten kann“, schätzt sie, „dann auch keine höhere Kreditrate.“ Sie stellt in den Raum, dass sich im Zuge dessen auch die Immobilienpreise ändern könnten – „weil sich die hohen Preise möglicherweise bald kaum jemand leisten kann.“

Auch Immobilienunternehmer Rudi Dräxler aus Pressbaum sieht die neuen Kreditregeln in einem größeren Kontext: Gaspreise, Inflation, Waldbrände und der Ukrainekrieg würden die Menschen sehr verunsichern. Hinzu kämen die hohen Kosten und langen Lieferzeiten bei Baumaterialien. „Da bleiben die Menschen länger in der Mietwohnung“, berichtet er aus seinem Berufsalltag. Speziell bei Reihenhäusern und Sanierungsfällen merkt er, dass die Nachfrage sinkt.

Menschen, die in Betonwährung investieren möchten, kaufen trotz der veränderten Umstände Immobilien, erzählt Dräxler. Insbesondere für junge Familien sei es allerdings schwieriger geworden, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Außerdem habe sich die Bearbeitungszeit der Banken erheblich verlängert: „Bis die Finanzierung steht, muss man mit einem Monat rechnen.“

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