Gablitzer Privatbrauerei übersiedelt nach Purkersdorf. Markus Führer zieht mit Brauerei in das ehemalige Post-Verteilerzentrum nach Purkersdorf. Eröffnung ist für März geplant.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:44)
Markus Führer (2. v. r.) und Geschäftspartner Günter Rauchegger (2. v. l.) zeigten SPÖ-Bürgermeister Stefan Steinbichler (l.) und ÖVP-Vizebürgermeister Andreas Kirnberger (r.) in der Linzer Straße 61 die Pläne für die neue Brauerei.
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Jetzt ist es fix: Markus Führer wird sein bereits mehrfach prämiertes Gablitzer Bier zukünftig in Purkersdorf brauen. Gemeinsam mit Geschäftspartner Günter Rauchegger verlegt Führer seine Privatbrauerei von der Gablitzer Hauptstraße in das ehemalige Post-Verteilerzentrum in die Linzer Straße 61. Der Name „Gablitzer Bier“ bleibt gleich. Der Grund für die Übersiedlung ist schlichtweg ein Platzproblem, denn am derzeitigen Standort stößt die Privatbrauerei schon seit Längerem an ihre Grenzen. „Die Anlage bleibt gleich, aber wir schaffen mehr Kapazitäten mit Tanks und Kühlmöglichkeiten“, sagt Führer.

Da die Nachfrage ohnehin steigt, setzt der Unternehmer in puncto Vertrieb derzeit kaum aktiv Maßnahmen um. Zu groß ist die Befürchtung, am derzeitigen Standort den Kundenwünschen auf Dauer nicht mehr nachkommen zu können. „Wir haben wirklich großes Potenzial, und das können wir an der neuen Location ausschöpfen“, ist der Bierbrauer überzeugt.

„Wir freuen uns darauf, das Gablitzer Bräu bei uns begrüßen zu dürfen und so einen tollen Betrieb in Purkersdorf aufzunehmen.“

Die Eröffnung des neuen Standortes ist für Ende Februar, Anfang März geplant. Derzeit finden Umbauarbeiten statt. Investiert werden rund 150.000 Euro. SPÖ-Bürgermeister Stefan Steinbichler sieht die Brauerei als einen Gewinn für die Stadt: „Wir freuen uns darauf, das Gablitzer Bräu bei uns begrüßen zu dürfen und so einen tollen Betrieb in Purkersdorf aufzunehmen.“ Für ÖVP-Vizebürgermeister Andreas Kirnberger ist es vor allem wichtig, dass das Bier weiterhin in der Region gebraut werden kann: „Wir sind eine Region, die sehr gut zusammengewachsen ist. Wir freuen uns, wenn sich die Betriebe bei uns in Purkersdorf wohlfühlen. Je mehr Vielfalt, desto besser. Und wir achten darauf, dass wir die Rahmenbedingungen immer besser gestalten und versuchen, Gewerbegebiete, die wir noch haben, optimal zu nutzen.“

Ein leichtes Unterfangen war die Umsetzung des Standort-Wechsels aber nicht, wie Führer im NÖN-Gespräch erzählt. „Es hat sich Corona-bedingt ziemlich verschoben. Es wäre eigentlich geplant gewesen, schon vor über einem Jahr das Objekt zu mieten und umzubauen.“

„Wir sind eine Region, die sehr gut zusammengewachsen ist. Wir freuen uns, wenn sich die Betriebe bei uns in Purkersdorf wohlfühlen"

Aber mit Corona verschob sich nicht nur die Planung, auch die Finanzierung wurde zur Herausforderung. „Dann hat es geheißen – und zwar von allen Banken: Wir finanzieren nichts“, erzählt Führer. In normalen Zeiten hätten sein Businessplan, sein Konzept und alle anderen Unterlagen ausgereicht – jedoch nicht während der Corona-Krise, Kredite gebe es grundsätzlich nicht, bekam der Bierbrauer als Grundtenor. Gerade zu dieser Zeit war Führer froh, einen Zweiten mit an Bord zu haben. „Günter Rauchegger hat sich nicht nur als Partner in der Firma, sondern auch als echter Freund erwiesen. Er hat von Anfang an mitgearbeitet, hat immer das Potenzial gesehen und war in dieser Zeit immer der Motivator.“ Ausgeholfen haben schlussendlich zwei private Investoren, die Führer für sich gewinnen konnte.

Brauerei verzeichnete trotz Corona Umsatzplus

Was die schwere Finanzierung noch absurder machte: Während andere Firmen zu kämpfen hatten, kam die Gablitzer Privatbrauerei gut durch die bisherige Coronazeit. „Wir haben Corona natürlich gespürt, aufgrund der Gastro- und Event-Ausrichtung. Auf der einen Seite ist uns deshalb Umsatz weggebrochen, der wurde aber teilweise durch den Lebensmittelhandel und den Flaschenverkauf kompensiert“, sagt Führer und ergänzt: „Auf der anderen Seite hatten wir einen Zugewinn durch mehr Händler, die einfach auf der regionalen Ebene arbeiten. Der regionale Ansatz war jetzt genau richtig. Wir haben einige regionale Partner gewinnen können.“ Insgesamt habe man es 2020 geschafft, im Schnitt ein Umsatzplus von 15 bis 20 Prozent zu generieren. Sehr gut angenommen wurde auch der Webshop, der schon lange geplant, aber doch nie umgesetzt wurde, wie Führer erzählt: „Das ist ein echtes Corona-Baby. Er ist aus ‚der Not entstanden‘, weil wir teilweise nicht wussten, dürfen wir jetzt öffnen oder nicht. Kaum war er online, kamen auch Bestellungen.“

„Der Webshop ist ein echtes Corona-Baby"

Die Biere von Markus Führer haben seit der Gründung der Brauerei 2014 schon einige heimische Auszeichnungen bekommen (siehe Info-Box). Zuletzt kürte „Gault&Millau“ das „Wiener Lager“ zum „Bier des Jahres 2020“. Und was jetzt? „Natürlich wäre es toll, im internationalen Vergleich zu brillieren oder prämiert zu werden. Aber ich habe mir das nie als Ziel genommen. Ich habe es hauptsächlich deswegen gemacht, um zu sehen, was zurückkommt, weil von einer Fachjury kriegt man natürlich eine Meinung, die man sonst nicht bekommt“, sagt der Bierbrauer.