Bürgermeister Michael Cech: „Ein herausforderndes Jahr“. Sommergespräch in Gablitz: Bürgermeister Michael Cech spricht im Interview über die Arbeit in der Gemeinde, den Fortschritt beim neuen Ortszentrum und Pläne eines Volksschulumbaus.

Von Melanie Baumgartner. Erstellt am 29. Juli 2021 (05:53)
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Michael Cech ist aus seinem Büro im Gablitzer Gemeindeamt für die Gablitzer erreichbar.
Baumgartner, Baumgartner

Bürgermeister Michael Cech spricht im NÖN-Sommergespräch über die Herausforderungen der letzten Monate und über die Fortschritte für das geplante neue Ortszentrum.

NÖN: Die Corona-Pandemie ist immer noch allgegenwärtig. Wie haben Sie die letzten Monate erlebt?
Michael Cech: Wie überall war es auch in Gablitz ein herausforderndes Jahr mit überwiegend negativen Seiten. Das ganze soziale und auch kulturelle Leben ist gänzlich zum Erliegen gekommen. Es gibt aber auch wenige positive Aspekte, wie etwa der sehr starke Zusammenhalt. Wir haben relativ kurzfristig beim ersten Lockdown das Einkaufsservice auf die Beine gestellt, zu dem sich über 30 Gablitzerinnen und Gablitzer gemeldet haben.

Wie hat sich die Krise auf die Arbeit in der Gemeinde ausgewirkt?
Wir haben in der Gemeinde eine viel größere Flexibilität erreicht – sowohl technisch als auch die Flexibilität der Mitarbeiter betreffend. Homeoffice ist jetzt durchaus üblich. Ich halte mittlerweile auch sehr viele meiner Sprechstunden über Video ab.

Wir haben in der Gemeinde eine viel größere Flexibilität erreicht – sowohl technisch als auch die Flexibilität der Mitarbeiter betreffend

Wie ist es dazu gekommen, dass die Teststraße in Gablitz ist?
Ich habe als Erster „Hier“ geschrien. Ich habe sowohl über die Test- als auch über die Impfstraße immer wieder gelesen, dass das Land nach freiwilligen Gemeinden sucht und daraufhin sofort eine Bewerbung geschrieben. Parallel dazu habe ich mich mit meinen Bürgermeisterkollegen der Kleinregion abgestimmt. Die Infrastruktur haben wir dann gemeinsam auf die Beine gestellt, die Glashalle stand zur Verfügung. Bei den Freiwilligen hat man sehr stark den Mehrwert einer Gemeindekooperation gesehen. Über einen derart langen Zeitraum hinweg tut sich eine Gemeinde alleine schwer, die Freiwilligen für drei Teststraßen aufzustellen. Die Test- und Impfstraße hat die fünf Gemeinden noch einmal extrem eng zusammengeschweißt. Es hat sich ein wirklich gutes Teamwork entwickelt.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit in der Kleinregion „Wir 5 im Wienerwald“?
Es hat sich da eine sehr gute Partnerschaft herauskristallisiert. Das aktuelle Thema ist das der Demenz-Region. Wir arbeiten derzeit daran, bereits im September erste Maßnahmen zu setzen. Extrem wichtig ist ein Informationsnetzwerk, wir wollen Betroffene nicht mehr alleine lassen. Zwei konkrete Wünsche sind außerdem ein Demenz-Café und eine Tagesbetreuungseinrichtung. Da bin ich schon in guten Gesprächen mit dem Marienheim, sodass wir das in Gablitz für die Region auf die Beine stellen können.

Es hat sich da eine sehr gute Partnerschaft herauskristallisiert.

Das Marienheim soll ja neu gebaut werden. Wie sehen da die nächsten Schritte – auch in Bezug auf die Tagesbetreuungseinrichtung – aus?
Wir planen die Tagesbetreuungseinrichtung jetzt schon für das neue Marienheim mit, das rund 140 Betten haben soll. Es wird wahrscheinlich 2024 in Betrieb gehen und bis dahin denken daran, die Betreuung zwischenzeitlich im Kloster St. Barbara unterzubringen. Da würde ich damit rechnen, dass wir das zu Beginn des nächsten Jahres auf die Beine stellen.

Wie sehen die Pläne für das neue Ortszentrum aus?
Die werden jetzt konkret. Durch Corona hatten wir auch eine gewisse Verzögerung. Vor Corona hatten wir einen Bürgerbeteiligungsprozess, im Zuge dessen wir in vielen Workshops erarbeitet haben, wie der neue Hauptplatz ausschauen soll. Wir hatten vor rund 14 Tagen ein Gespräch mit allen Projektbeteiligten – das heißt Bundesforste, Kongregation und Gemeinde – mit denen wir den Bauzeitenplan abgestimmt haben. Ganz konkret beauftragen die Kongregation und die Bundesforste eine Visualisierung und eine Verkehrsplanung. Dann würden wir – da gehe ich von September aus – wieder in die Bürgerinformation gehen, wo die gemeinsame Detailplanung des Hauptplatzes erfolgen soll.

Wie funktioniert bei der Planung zum Ortszentrum die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen?
Ich glaube, gut. Wir hatten eine wirklich gute Diskussion im Gemeindevorstand mit SPÖ und Grünen. Im Gemeinderat habe ich den Status präsentiert und ich möchte da weiter alle miteinbeziehen.
Ich sehe in dem Projekt eine Jahrhundertchance, dass Gablitz einen Hauptplatz bekommt, der seit Generationen gewünscht wird. Es bietet auch die Möglichkeit der Ortskernbelebung und entspricht zu hundert Prozent unserem Entwicklungskonzept.

Die Volksschule soll erweitert werden. Es gibt auch Ideen einer gemeinsamen Ganztagsschule mit Purkersdorf. Wie laufen hier die Gespräche?
Wir stehen erst ganz am Anfang der Diskussionen. Für uns in Gablitz gibt es jetzt zwei Überlegungen: unsere Schule hier im Ort zu erweitern oder die strategische Partnerschaft mit Purkersdorf. Eine Ganztagsschule in Purkersdorf hätte natürlich auch Auswirkungen auf Gablitz. Ich möchte auf keinen Fall Volksschule und Hort in Gablitz gefährden. Es gibt aber Eltern, die zu einer Ganztagslösung tendieren. Es ist auch ein finanzielles Thema. Der Hort muss bezahlt werden, bei der Ganztagsschule ist das inkludiert. Unser Ziel ist, ein Angebot zu schaffen, das beides anbietet. Wenn das gemeinsam mit Purkersdorf nicht funktioniert, werden wir in spätestens zwei Jahren an einen Ausbau der Volksschule hier in Gablitz denken müssen.