SPÖ will Absolute in Purkersdorf zurückerobern. Karim Mild folgt Michael Seda als Stadtpartei-Obmann, er will die Mehrheit für die SPÖ gewinnen.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 23. September 2020 (04:29)
Neuausrichtung bei der SPÖ: Christian Putz, Michael Seda, Karim Mild und Stefan Steinbichler.
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Überraschung in der SPÖ Purkersdorf: Michael Seda erklärte seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern. Seda war seit fast 15 Jahren im Gemeinderat, zehn Jahre lang Stadtrat sowie Stadtpartei- und Fraktions-Obmann. „Ich hatte in den sieben Wochen Lockdown viel Zeit zum Nachdenken und habe nach Gesprächen mit meiner Familie beschlossen, sämtliche politischen Ämter an den Nagel zu hängen. Entweder ganz oder gar nicht. Es gibt kein Zurück mehr“, erklärt Seda.

Die Zeit als Politiker möchte er nicht missen. Besonders stolz ist der Purkersdorfer auf die Feriensportwoche, die er vor neun Jahren ins Leben gerufen hat. „Gemeinsam mit dem ASKNÖ werden in zwei Wochen in den Ferien bis zu 70 Kinder betreut. Und wir könnten noch eine dritte Woche anbieten, denn bereits im Februar sind alle Plätze ausgebucht“, freut er sich. Beim zehnjährigen Feriensportwochen-Jubiläum im kommenden Jahr will er noch einmal bei der Organisation mithelfen. „Auch ein Fest ist geplant“, sagt er.

„Purkersdorf hat sich unter Karl Schlögl sehr positiv entwickelt. Diesen Erfolgsweg wollen wir fortsetzen.“ Karim Mild Stadtpartei-Obmann, SPÖ

Seda blickt auch auf Freundschaften zurück, die entstanden sind. „Allerdings war es auch anstrengend, vor allem die Zeit vor der Gemeinderatswahl.“

Michael Seda mit seinen Enkeln Emanuel und Emilian – sie sind mit ein Grund, warum er sich aus der Politik zurückzog.
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Beispielsweise sei die heftige Debatte um das Amtsblatt-Titelblatt kurz vor der Wahl nicht notwendig gewesen. (Sedas Tochter war mit ihren Kindern im Bikini auf dem Titelblatt abgebildet, was für Aufregung sorgte). „Ich bereue die Rücktritts-Entscheidung keine Sekunde, man muss wissen, wann man aufhört“, meint der 52-Jährige. Ausschlaggebend seien vor allem berufliche, aber auch private Gründe.

Zum neuen Stadtpartei-Obmann wurde bei der ordentlichen Generalversammlung einstimmig Karim Mild in einer geheimen Abstimmung gewählt. Der 37-jährige Jurist absolviert gerade sein Gerichtsjahr. Davor arbeitete er in der SPÖ Bundesgeschäftsstelle in der Löwelstraße – etwas, das ihn mit Seda verbindet, denn auch er war in er Parteinzentrale tätig. Mild hat große Pläne. Bei der nächsten Gemeinderatswahl will er die absolute Mehrheit für die SPÖ zurückholen. „Purkersdorf hat sich unter Karl Schlögl sehr positiv entwickelt. Diesen Erfolgsweg wollen wir fortsetzen“, so Mild.

Er will die Partei neu aufstellen und Treffen in den Lokalen in Purkersdorf abhalten und mit den Bürgern diskutieren. „Es redet sich leichter bei einem Glas Bier“, ist er überzeugt. So sollen Mitglieder geworben werden und die SPÖ zur Mitmachpartei werden. Heuer ist noch eine Veranstaltung geplant. Vor allem für Junge will man interessanter werden, so Mild, der bereits für die SPÖ im Gemeinderat war, allerdings aufgrund des hohen Verlustes bei der vergangenen Wahl seinen Sitz verloren hatte. Mild wird vorerst aber nicht in den Gemeinderat einziehen, sondern sich auf die Parteiarbeit konzentrieren.

„In der Politik gibt es immer etwas Spannendes und Neues“

Neuer Gemeinderat wird Dieter Pawlek, der auch schon vor der Wahl ein Jahr lang im Gemeinderat war und auf Platz 18 kandidierte. Stadtrat für Personal, Recht und Wohnen wird SPÖ-Regionsvorsitzender Christian Putz. Er ist der derzeit längstdienende Gemeinderat in der Region, schon seit 1988 engagierte er sich in Purkersdorf. Stadtrat war er von 1995 bis 2000 sowie von 2005 bis 2011. „In der Politik gibt es immer etwas Spannendes und Neues“, so Putz, der stolz auf seinen kollegialen Führungsstil ist. „Die besten Lösungen erarbeitet man gemeinsam“, ist er überzeugt.

Überraschend aber nachvollziehbar ist der Rücktritt für Bürgermeister Stefan Steinbichler gewesen. Schnell habe man sich aber auf die handelnden Personen geeinigt. „Jetzt haben wir genug Vorlaufzeit, damit die Partei in Purkersdorf als Team wahrgenommen wird“, blickt auch Steinbichler schon auf die Wahl in fünf Jahren. Er selbst hat die Obmannschaft nicht übernommen, weil er als Bürgermeister gut ausgelastet ist und „nicht nur Obmann auf dem Papier“ sein wollte.