19.000 Euro veruntreut: Sachwalterin angeklagt. Pressbaum: Rund 19.000 Euro soll eine 64-Jährige im Zuge einer Sachwalterschaft veruntreut haben. Vor Gericht tritt jedoch nicht die Angeklagte unglaubwürdig auf, sondern die Zeugen.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 07. März 2021 (03:09)
Am Landesgericht St. Pölten warteten Richter und Zeugen vergeblich auf den Angeklagten.
Erna Kazic

Spielsachen, Kosmetika, Lebensmittel, Restaurantbesuche – immer wieder soll eine 64-jährige Pensionistin Geld vom Konto einer durch sie besachwalteten Dame abgehoben und für sich selbst verwendet haben. Soweit der Vorwurf. Schnell zeigt sich, die Angeklagte kann für jede einzelne Ausgabe eine Erklärung geben und das sehr glaubhaft.

„Alles was ich gekauft habe, war nicht für mich, sondern wirklich nur für sie. Ich habe alles in ihrem Interesse weitergeführt“, sagt sie. Die alte Dame brauchte spezielle Kosmetika aus der Apotheke, die Spielsachen habe sie auf deren Wunsch hin Nachbarskindern geschenkt, bei den Lebensmitteln hatte sie spezielle Wünsche und großzügig sei sie obendrein gewesen. Die Sachwalterschaft habe 2016 ein Notar angeregt, nachdem ihr Mann gestorben war, sei die alte Dame nämlich zunehmend sehr verwirrt gewesen. Zuvor hätten sich die Angeklagte und ihr Mann bereits eine Weile um das befreundete Ehepaar gekümmert, erzählt die 64-Jährige. Ihr 73-jähriger Ehemann ist mitangeklagt. Beide haben keine Vorstrafen.

„Alles was ich gekauft habe, war nicht für mich, sondern wirklich nur für sie. Ich habe alles in ihrem Interesse weitergeführt“

Gemeinsam sollen sie 20.000 Euro Begräbnisgeld für den Ehemann der 2017 verstorbenen Besachwalteten für sich behalten haben. So der zweite Vorwurf. Absurd, sagen beide. Es seien 12.000 Euro gewesen und die hätten sie sicher nicht behalten. Alle Ausgaben, auch jene, die sie für sie tätigte, als die Dame bereits im Pflegeheim war, habe sie sich immer bestätigen lassen, sagt die Angeklagte. Oft sei es allerdings auch so gewesen, dass die Dame ihr das Geld für die Einkäufe nicht zurückgegeben habe. „Wir haben ja gern geholfen, aber da hat sich dann einiges summiert“, meint die Angeklagte.

Dass sie die Sachwalterschaft innehatte, dürfte Freunden der Familie und vor allem dem alleinerbenden Neffen und dessen Partnerin gar nicht gepasst haben. Sie treten vor Gericht als Zeugen auf und stellen viele Behauptungen in den Raum: Die Angeklagten hätten sich nicht um die Besachwaltete gekümmert, sie hätten die Dame für Geld unter Druck gesetzt und sich aufgedrängt. Mutmaßungen ohne Beweise, wie sich nach mehrmaligem Nachfragen des Richters herausstellt.

Der Prozess zieht sich, am Ende fehlen noch einige Zeugenaussagen, sodass die Verhandlung vertagt werden muss.