Ali Popovic: Kritische Töne angeschlagen. Kunst in Zeiten von Corona, kommt ohne Kritik nicht aus. Das zeigt der neue Song „Corona Man“ des Pressbaumers Ali Popovic.

Von Markus Huebmer. Erstellt am 09. August 2020 (03:52)
Ali Popovic versucht, Bilder mit den Tönen zu malen. Nicht immer steht die Message im Vordergrund.
privat

Seit Kurzem ist der Pressbaumer Musiker mit seinem Song „Corona Man“ auf Spotify gelistet. „Ich habe sogar bereits Hörer in Südamerika“, lächelt der Lehrer, als er vom Anklang seines neuen Titels spricht. „Corona Man“ ist mehr als eine Kritik an der Handhabe der Krise auf politischer Ebene. Popovic zeigt mit der Anrede „Mr. President“ unverkennbar, wen er auf der Schaufel hat. Im Gespräch mit der NÖN erzählt der Mathematik- und Musiklehrer von der Entstehung dieses Liedes.

So sieht das Cover von „Corona Man“ aus.
Alexander Popovic, Franky Poets Corona Man Cover

Und tatsächlich, es ist zuvorderst Donald Trump, der im Mittelpunkt der schnell an Kritik wachsenden Vocals steht und mit herausgeschnittenen Originalzitaten ins Abseits gestellt wird. So wie viele andere Arbeit und Kunst dieses außergewöhnlichen Jahres 2020 ist auch der „Corona Man“ im Homeoffice entstanden.

Ein „Layout“ lag schon parat. Ein musikalisches Grundgerüst ohne Text hatte Ali Popovic bereits in seiner Schublade, als das Coronavirus in Österreich eintraf. Am Ende des Lockdowns hatte er dazu einen Text gerschrieben und das Arrangement fertiggestellt, das es nun auf YouTube, Spotify und anderen Portalen zu hören gibt. Dazwischen lag eine Zeit des heruntergefahrenen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems. Neben der Krisenbewältigung auch Zeit für Muse und Kreativität.

Zu allererst waren der Text und die Interpretation des Songs eine Art „Wutrede“. Aber: „Dann haben Freunde von mir gemeint, dass dieser Ernst und der von mir im Text „erhobene Zeigefinger“ eigentlich nicht zu meinem Stil passen“, erinnert sich Popovic. So überarbeitete der Künstler nochmals Text und Musik, baute noch mehr Originalzitate von Trump ein und mit einem Wurf war dann auch mehr Drall in Richtung „Ironie, Zynismus und Blödelei“ dabei. Diese Attribute gehören zur künstlerischen Handschrift des Pressbaumers. Der „Corona man“ war der letzte Song für sein neues Album „Meehr“, das der Mittelschullehrer, der am Beginn seiner Fünziger steht, im Netz veröffentlicht hat.

Gier und Maßlosigkeit

Der Titel seines Albums „Meehr“ bezieht sich auf den darauf befindlichen Song „Mehr“. Da geht es um die Metapher eines Fettsacks, der sich gierig an einem Buffet bedient – bis er am Schluss platzt. Auch hier Gesellschaftskritik zum Thema Gier und Maßlosigkeit. „Weil unser Wirtschaftssystem und die Gesellschaft nur auf stetig steigenden Konsum ausgerichtet sind, stehen wir dort, wo wir stehen – vor einer irreparablen, ökologischen Katastrophe“, bedauert der Pressbaumer Hobbymusiker. „Bei meiner Musik steht nicht immer die Message im Vordergrund, es wird auch viel geblödelt und ich versuche eher Bilder mit Tönen zu malen“, relativiert Popovic, der unter dem Künstlernamen „Franky´s Poets“ im Netz zu finden ist, den Ernst der Sache.

Das Cover der Singleauskoppelung zum „Corona man“ ziert ein Comic des Künstlers Christian Moisl.

Dessen Original ist übrigens derzeit in der Galerie am Lieglweg in Neulengbach ausgestellt.