Helmut Leopold fordert mehr Sicherheit im Internet. Helmut Leopold fordert Unterrichtsfach für den Lehrplan an den Schulen.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 02. Dezember 2019 (07:45)
Helmut Leopold ist Leiter des Bereichs „Digital Safety und Security“ am Austrian Institute of Technology.
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Das AIT (Austrian Institute of Technology) in Wien hat sich aus dem „Forschungszentrum Seibersdorf“ entwickelt und hat nach einer Neuausrichtung im Jahr 2009 international in einigen Bereichen eine führende Rolle eingenommen. Das AIT beschäftigt sich mit vielen wichtigen Zukunftsthemen.

Für das „Center for Digital Safety & Security“ ist der Pressbaumer Helmut Leopold verantwortlich. Er hat Informatik studiert und den Doktor für Computerwissenschaften in England gemacht. Er war zehn Jahre bei Alcatel in der Forschung und im Vertrieb. Danach wieder für zehn Jahre bei der Telekom Austria in einer leitenden Funktion beschäftigt. Helmut Leopold war dort Initiator und maßgeblicher Treiber für den Breitbandausbau und für „aon.TV“.

NÖN: Können Sie uns das AIT in einfachen Worten beschreiben?
Helmut Leopold: Das AIT spielt eine wichtige Rolle in den Themen Forschung, Technik, Innovation und der Verbindung zur Industrie. Unsere Gesellschafter sind die Republik Österreich (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) und der Verein zur Förderung von Forschung und Innovation (Industriellenvereinigung Österreich). Wir beschäftigen uns mit einer Vielzahl von Zukunftsthemen in den Bereichen Energie, Umwelt, Verkehr, Smart City, Big Data, Künstliche Intelligenz oder Digitalisierung. Wir sind in Österreich die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung und in Europa der Spezialist für die zentralen Infrastrukturthemen der Zukunft. Unsere Aufgabe besteht darin, durch angewandte Forschung wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Universitäten in modernste Technologien zu entwickeln, um für die österreichischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil auf dem Weltmarkt zu ermöglichen.

Sie sind Leiter des Bereichs „Digital Safety & Security“ - können Sie uns diese Begriffe näher erklären?
Im Bereich „Safety“ geht es um die Frage, wie digitale Systeme gebaut werden, damit sie höchst zuverlässig funktionieren und um die Frage, wie man diese Technik beherrschen und kontrollieren kann. Die „Security“ beschäftigt sich mit der Sicherheit von digitalen Systemen vor unerlaubtem Zugriff auf Daten und Störung von Systemen durch Menschen mit kriminellen Absichten, aber auch mit der Verschlüsselung von Daten, und dem Schutz der Privatsphäre in vernetzten digitalen Systemen.

Warum ist das so wichtig?
Mit der Digitalisierung ändern sich mögliche Bedrohungsszenarien. Das gilt für den privaten Bereich genauso, wie für den öffentlichen und industriellen. Täter müssen nicht mehr vor Ort sein, sie sitzen auf einem anderen Kontinent und verschicken Phishing Mails, betreiben Fakeshops oder Industriespionage. Das sind auch heute längst nicht mehr nur Einzelpersonen, daraus hat sich ein eigener „Wirtschaftszweig“ entwickelt, in dem sich die Angreifer wie in einem Unternehmen organisieren. Sehr ernst wird es, wenn die kritische Infrastruktur, wie zum Beispiel Energienetze, Bahn, Krankenhäuser oder Kraftwerke, angegriffen wird.

Was kann man dagegen tun?
Es ist essentiell, ein Bewusstsein für diese Gefahren zu schaffen und als Unternehmer dafür zu sorgen, dass digitale Sicherheit Teil der Unternehmensstrategie wird. Aber auch im privaten Bereich gilt es sensibel mit Daten umzugehen, und es ist wichtig, sich kritisch mit Inhalten aus dem Internet auseinanderzusetzen – Stichwort „Fake News“. Natürlich spielt auch die Bildung in diesem Bereich eine grundlegende Rolle. „Medienkompetenz“ ist dabei ein wichtiges Schlagwort und sollte auf dem Lehrplan in unseren Schulen stehen. Das sind große Themen, denen sich unsere Gesellschaft stellen muss.

Welche Möglichkeiten gibt es, um Fake-News zu erkennen?
Es gibt Plattformen wie beispielsweise den Internet-Ombudsmann oder spezielle am AIT entwickelte Werkzeuge, welche durch künstliche Intelligenz einen Faktencheck ermöglichen. Diese bieten Informationen und Hilfe an. Wenn man weiß, worauf man achten soll, kann man News aus dem Internet gut selbst einordnen. Es beginnt stets bei der eigenen Aufmerksamkeit.

Worauf ist zu achten?
Man sollte darauf achten, ob ein Beitrag Informationen oder eine Meinung enthält. Und man sollte immer prüfen, ob eine Website ein Impressum hat. Ist zu erkennen, ob gegen eine bestimmte Gruppe oder ein Thema schlechte Stimmung gemacht wird? Passt das gezeigte Foto überhaupt zum Text? Es geht um das eigene Hinterfragen von angebotenen Inhalten.

Was bietet AIT für die digitale Sicherheit an?
Wir sind weltweit führend in der Verschlüsselung (Kryptographie) von Daten. Da geht es um die Sicherheit von zukünftigen Informations- und Kommunikationstechnologien. Wir bieten auch Schulungen zu unterschiedlichen Themen rund um die Schaffung von digitaler Sicherheit an. So können zum Beispiel Kraftwerksbetreiber in einem virtuellen Kraftwerk simulierte Angriffe durchspielen und die Abwehr trainieren. Wir entwickeln und bauen auch technische „Werkzeuge“ gegen Cyber-Kriminalität. Die Polizei nutzt zum Beispiel bereits international digitale Forensikwerkzeuge vom AIT für ihre Ermittlungsarbeit, etwa im Kontext von virtuellen Währungen und illegalen Finanztransaktionen.

Können Sie uns den Begriff „Internet der Dinge“ erklären?
Beim „Internet der Dinge“ geht es um Alltagsgegenstände, die mit dem Menschen oder anderen Geräten über das Internet kommunizieren. Beispiele sind: Heizungen, die über das Handy steuerbar sind oder Fitnessarmbänder oder Autos die miteinander reden um Staus und Unfälle zu vermeiden. In Zukunft wird es eine immer größere Vernetzung geben. Die Fitnessarmbänder schlagen entsprechend den Trainingswerten Rezepte vor, der Kühlschrank gibt Infos zur Einkaufsliste, und vieles mehr. Auch bei Spielzeugen kommt es immer öfter zu einer Vernetzung mit dem Internet. Viele dieser angebotenen Produkte sind aber beim Thema Sicherheit oft unzureichend aufgestellt. Zertifizierungen für digitale Produkte wären eine wichtige Lösung.

Und was ist das Internet 4.0?
Beim „Internet 4.0“ geht es um die Digitalisierung der industriellen Produktion. Die Grundlage dafür sind intelligente und digital vernetzte Produktionsmaschinen. Dadurch soll es möglich werden, den Prozess für ein Produkt von der Idee, über die Entwicklung, die Fertigung, Nutzung, Wartung bis hin zum Recycling zu optimieren. Produkte können so, mit noch höherer Qualität, Kosten reduzieren und auch höchst individuell für den Kunden abgestimmt hergestellt werden.

Dafür müssen aber auch kritische Systeme in Produktionsbetrieben, wie zum Beispiel Industriesteuerungen beziehungsweise generell kritische Infrastrukturen, in Zukunft viel sicherer konstruiert werden. Ein Ansatz, den wir am AIT verfolgen ist „Safety & Security by Design“. Das bedeutet, dass Sicherheit und Funktionalität von Anfang an mit eingebaut werden müssen und nicht erst im Nachhinein.