Michael Resch ist "durch und durch" ein Benzinbruder. Der Pressbaumer Michael Resch fuhr mit sechs Jahren sein erstes Motocross- Rennen. Die Profi-Karriere war damals nicht geplant.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 09. Februar 2020 (03:02)
Michael Resch bei einem Interview nach dem Rennen. 2004 wurde er beim Red Bull-KTM-Supermoto Junior Cup Dritter in der Gesamtwertung. Eine Verletzung verhinderte einen noch besseren Stockerlplatz.
privat

Die Motorrad - Leidenschaft haben Michael und sein Bruder Roland vom Vater geerbt. Dieser nahm regelmäßig an Hobby-Rennen teil und gab seinen Söhnen das Rüstzeug für ihre Karrieren im Motorradsport mit. Der Wohnort am Pfalzberg brachte ideale Trainingsbedingungen mit sich. Damals hieß es: Mithilfe bei der Arbeit im Wald gegen Training mit dem Motorrad. Bis zum zehnten Lebensjahr teilten sich die Brüder eine Motocross Maschine, danach hatten beide eine eigene zur Verfügung.

NÖN: War der Weg zum Profi im Motorrad-Rennsport von Anfang an geplant?
Michael Resch: Nein. Das hat sich erst im Laufe der Zeit ergeben. Als Kinder hat uns unser Vater viel beigebracht. Mit zehn Jahren hatte ich eine 125er Motocross-Maschine, davor waren es Kinder-Motorräder. Als 15-Jähriger habe ich eine Lehre als Motorradmechaniker bei BMW Wien begonnen. Autos haben mich damals gar nicht interessiert. In Wien gab es, damals ganz neu, die erste Berufsschule Europas für Motorradmechaniker. Zu der Zeit haben mein Bruder Roland und ich erfahren, dass Red Bull und KTM junge Motorrad-Talente suchen. Die Ausschreibung setzte ein Mindestalter von 17 Jahren voraus. Roland ist um ein Jahre älter als ich und konnte sich bewerben. Er hat sich qualifiziert und auf Anhieb alle Rennen gewonnen und recht schnell einen Werkvertrag bekommen.

Hat der Erfolg ihres Bruders ihren Ehrgeiz angestachelt?
Klar, ich habe mir gedacht: Das kann ich auch. Ich habe mich ein Jahr später als einer von 20 unter 100 Bewerbern ebenfalls qualifiziert, war aber nicht von Anfang an so erfolgreich wie Roland. Bei mir hat die Entwicklung länger gedauert. In der ersten Saison hatte ich viele Stürze, aber auch immer wieder Rennen gewonnen. Im Jahr darauf, 2004, bin ich bereits um den Gesamtsieg mitgefahren und habe letztendlich nach einer Verletzung „nur“ den dritten Platz in der Gesamtwertung belegt. Der Talente Cup wurde auch in anderen Ländern Europas ausgetragen, und die besten Fünf aus jedem Land nahmen an der Europameisterschaft teil.

Wie ging es bei der Europameisterschaft weiter?
Für die EM musste ich mir einen Kredit in der Höhe von 6.000 Euro aufnehmen, um das notwendige Package dafür bezahlen zu können. Darin enthalten waren das Motorrad, die Ausrüstung, Verpflegung, Mechaniker, und so weiter. Ich habe mir eine Sponsorenmappe mit meinen Daten, Fotos und Rennergebnissen angelegt und bin auf Sponsorensuche gegangen. Mit KTM hatte ich einen Vertrag. Das teuerste Material waren die Reifen, und davon brauchten wir sehr viele.

Für die EM musste ich mir einen Kredit in der Höhe von 6.000 Euro aufnehmen, um das notwendige Package dafür bezahlen zu können

Rennen zu fahren ist nicht ungefährlich. Kam es bei ihnen auch zu Verletzungen?
Die gehören dazu und es ist normal für Fahrer, trotz Verletzungen weiterzufahren. Sei es eine Gipshand, wie es bei mir war, oder ein Schlüsselbeinbruch. Prellungen und Hautabschürfungen stehen sowieso auf der Tagesordnung. In einem EM Rennen in Italien bin ich schwer gestürzt. Bei einem Dreifachsprung mit einem Luftstand von fünf Metern bin ich in den letzten Hügel hinein gesprungen und habe mich überschlagen. Die anderen Fahrer haben mich noch erwischt. Das Rennen wurde abgebrochen und ich kam ins Spital. Damals hat sich ein Wirbel verschoben und ich bin knapp an einer Lähmung vorbeigeschrammt. Der Wirbel bereitet mir noch heute Probleme.

Wie sind sich Training und Ausbildung zeitlich ausgegangen?
Während der Lehre habe ich am Wochenende trainiert. Die Lehre bei BMW habe ich nach zwei Jahren abgebrochen und bin mit meinem Werkmeister zur Firma Faber gegangen. Dort habe ich die Lehre beendet und mit 19 Jahren die Gesellenprüfung gemacht. Da ich mehr Zeit fürs Training brauchte, habe ich mir in Pressbaum einen Job gesucht, bei dem ich mir die Zeit besser einteilen konnte. Ich war ein Jahr bei der Firma Grasl als Lkw- Mechaniker und danach bei der Firma Schandl.

Wo und was haben sie trainiert?
Fitness und vor allem Motocross. Für Supermoto gibt es in Österreich wenig Trainingsmöglichkeiten. In St. Pölten und im Burgenland gibt es Motocross-Strecken zum Trainieren. Zu der Zeit war ich auch im Triathlon aktiv und hatte daher eine super Kondition.

Wie ging es im Motorsport für sie weiter?
KTM hat sich nach einem Jahr in der Profiliga von mir getrennt. Bei Einzelrennen konnte ich top Leistungen bringen, aber das waren nur Phasen. Die Kontinuität hat gefehlt. Ich bekam dann ein Angebot von Kawasaki Österreich. Diese wollten in der Sportart Fuß fassen. Gemeinsam mit dem Vize-Weltmeister und Europameister Jürgen Künzel sollte ich ein passendes Motorrad entwickeln. Darauf folgten Trainingszeiten in Spanien und die ersten Rennen mit dem neuen Motorrad. Abstimmungsprobleme mit dem Fahrwerk haben Plätze im vorderen Bereich verhindert. In der Saison habe ich mir das Kreuzband gerissen und den Meniskus zertrümmert, bin aber die ganze Saison gefahren. In Melk bin ich mit 21 Jahren mein letztes Rennen gefahren. Es ging nicht mehr. Ich habe gemerkt, ich kann nicht Weltmeister werden. Das war aber mein Ziel. Einmal wollte ich es noch wissen und habe wieder beim Red Bull Talente-Cup mitgemacht. Es haben sich viele Fahrer aus ganz Europa beworben, und ich konnte mich als einer der Top Ten qualifizieren. Darauf war ich stolz und es war ein schöner Abschluss, denn ich habe das darauf folgende Angebot abgelehnt. Dafür hätte ich 100 Prozent fit sein müssen, und das war ich aufgrund meiner Verletzungen nicht mehr.

Haben Sie aufgehört Motorrad zu fahren?
Nein. Ich bin hobbymäßig weiter Rennen gefahren und habe alle Hobby-Cups gewonnen. Irgendwann wurde ich von den Hobby-Rennen ausgeschlossen, weil ich als Profi Rennfahrer angesehen wurde. Aber das war einmal. Um bei Meisterschaften mitzufahren, war mir der Aufwand zu groß.

Welchen beruflichen Weg haben sie eingeschlagen?
Mit 21 Jahren habe ich einen Autohandel gegründet und mit 23 habe ich die Meister- und Unternehmerprüfung gemacht. Dazwischen war ich bei meinem Bruder Roland als Mechaniker bei seinen WM-Rennen mit dabei. Auf der Rennstrecke habe ich sehr viel Wissen über Motorräder, Fahrwerke und technische Zusammenhänge gesammelt. Im September 2009 habe ich mich selbstständig gemacht und hatte Glück, die Werkstatt in der Kaiserbrunn mieten zu können. Dort habe ich mit Null als Einzelunternehmen begonnen. Anfangs habe ich nur Motorräder repariert. Recht schnell kamen auch Autos dazu, und nach drei Monaten hatte ich meinen ersten Mitarbeiter. Ich habe noch immer viele Kontakte im Rennsport und dadurch viele Kunden aus ganz aus Europa.

Sie sind verheiratet und habe vier Kinder. Haben diese auch Interesse an Motorrädern?
Die Mädels interessieren sich für Pferde und gehen mit meiner Frau reiten. Die Burschen, es sind Zwillinge, sind jetzt fünf Jahre alt, und ich richte ihnen gerade das erste Motorrad von Roland und mir her. Sie können schon fahren und beherrschen einige Tricks.

Haben sie noch Zeit für Hobbys?
Doch, ich habe einige Oldtimer, die ich auch hergerichtet habe. Aber meine große Liebe gilt dem Segeln. Ich habe den Binnenschein und die Scheine für BFA 1, 2 und 3 gemacht.