Neuer Hot-Spot für Bücher. Sonja Lötsch und ihr Team arbeiten an einer modernen Ausrichtung der Bibliothek.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 24. Januar 2020 (03:12)
Bibliothekarin Sonja Lötsch neben dem neuen Logo der Stadtbibliothek Pressbaum und mit dem „Wunschbuch“ in der Hand. Darin können die Leser ihre Buchwünsche eintragen. Bei Neuanschaffungen orientiert sich das Bibliotheksteam an den eingetragen Leserwünschen.
Nadja Büchler

Im November 2019 wurde die ehemalige öffentliche Bibliothek der Pfarre von der Stadtgemeinde Pressbaum übernommen und siedelte mit über 3.500 Medien ins Rathaus. Die Aufgaben einer Bücherei haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Neben Büchern bietet die Stadtbibliothek Pressbaum über das „Onleihe-Service“ zahlreiche e-books, Hörbücher, Filme, Sprachkurse oder Magazine an. Dieser Service kann auf Endgeräten wie PC, Tablet, Smartphone oder E-Reader für den kostenlosen Download genutzt werden. Regelmäßige Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene ergänzen das Angebot und laden zum Verweilen in den gemütlichen Räumlichkeiten im dritten Stock des Rathauses ein.

NÖN -Mitarbeiterin Nadja Büchler probiert als begeisterte Krimi-Leserin die gemütliche Sitzecke neben dem Konterfei von Alfred Hitchcock aus.
Sonja Lötsch

NÖN: Sie sind seit Anfang Jänner die Leiterin der Stadtbibliothek Pressbaum. Wie war der Start am neuen Standort?
Sonja Lötsch: Wir fühlen uns in den neuen Räumlichkeiten im Rathaus sehr wohl. Auch der große Zuspruch in der Bevölkerung bestätigt, dass Bibliotheken kein Auslaufmodell sind. Außer der notwendigen Basis-EDV hatten wir nichts. Die gesamte Einrichtung besteht aus Möbelspenden oder wurde mit finanziellen Spenden angeschafft. Die Bücher werden nun in einem neuen Ordnungssystem angelegt, neu etikettiert und mit Strichcode versehen. Das ist viel Arbeit und zeitintensiv.

Sie haben sich seit Jahren für eine öffentliche Bibliothek in Pressbaum stark gemacht. Warum war Ihnen das so wichtig?
Lesen ist die Grundlage für Bildung und sollte als Grundrecht jedes Menschen gesehen werden. Vor meiner Ausbildung zur Sozialpädagogin habe ich eine Buchhändler-Lehre gemacht, dann in der Beschäftigungstherapie gearbeitet, ein Studium begonnen und mich nach einem Nebenjob umgesehen. Dabei bin ich bei den Büchereien Wien gelandet. Wegen meines pädagogischen Hintergrunds wurde ich mit den Aufgaben einer sogenannten „Kinder-Bibliothekarin“ beauftragt. Dabei ging es um Lese- und Sprachförderung für Kinder. Dieser Job war der Grundstein meiner Leidenschaft für Bibliotheken. Dabei geht es nicht nur um das Verleihen von Büchern. Eine moderne Bücherei ist vor allem auch Plattform für Kommunikation, Information und Weiterbildung.

Welche Aufgaben übernimmt die Bibliothek in einem Ort?
Sie ist Treffpunkt und Wissensvermittler. Nicht nur Leseratten sind bei uns gut aufgehoben. Sie kann als außerschulische Einrichtung gerade in den Bereichen von Volksschule und Kindergarten unterstützen aber auch für Schüler, die eine Lehre machen oder bei vorwissenschaftlichen Arbeiten unterstützen.. Es gibt keinen Druck eines Lehrplans und der Spaßfaktor steht im Vordergrund. Zugang zu Bildung soll niederschwellig und für alle da sein.

Bekommt die Stadtgemeinde Fördergelder für die Bibliothek?
Ja. Wir erfüllen alle Förderbestimmungen bis auf eine. Der Medienbestand ist noch viel zu niedrig. Eigentlich sollten wir pro Einwohner 1,5 Medien anbieten können. Davon sind wir noch weit entfernt. Mit Buchspenden und ersten Ankäufen haben wir einen momentanen Stand von etwa 3.800 Medien. Die Fördergelder ermöglichen uns dann einen sukzessiven Ankauf.

Öffentliche Bibliotheken finden sich mittlerweile auch im Regierungsprogramm. Darin geht es um die flächendeckende Grundversorgung mit öffentlichen Bibliotheken, der Entwicklung eines Masterplanes und der Unterstützung der Weiterbildung von Mitarbeitern.

Was sind ihre Zukunftspläne für die Bibliothek?
Wir wollen unsere Veranstaltungen weiter ausbauen. Wir bieten bereits jeden dritten Samstag im Monat das Projekt „Buchstart“ für Eltern mit Kleinkindern zwischen null und drei Jahren an. Weiters gibt es Animationen für Schulklassen mit externen Literatur-Vermittlern. Wünsche nach einer Pokemon-Tauschbörse oder einem Spieleabend für Jugendliche und Erwachsene wurden ebenfalls an uns herangetragen. Auch das ist in unserer Bibliothek möglich. Informationen dazu findet man zeitgerecht auf unserer Webseite.

Können nur Pressbaumer eine Jahreslesekarte beantragen?
Nein. Wir sind für alle da. Zum Einschreiben sind nur ein gültiger Ausweis und für Kinder unter 14 Jahren eine Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten notwendig.

Sie haben in der Bibliothek ein „Wunschbuch“ aufliegen. Wofür ist das da?
Wir wollen unsere Neuanschaffungen an den Wünschen unserer Leser orientieren. Daher haben wir das Wunschbuch aufgelegt. Jeder kann hier seine konkreten Buchwünsche eintragen.

Sie betreiben auch eine Töpferstube in Pressbaum. Wie kam es dazu?
2013 habe ich das Wienerwaldmuseum in Eichgraben besucht und erfahren, dass die dortige Töpferscheibe unbenutzt sei. Im Rahmen von „Lebendiges Handwerk“ stelle ich seither ehrenamtlich meine Töpfer-Kenntnisse zur Verfügung. Das hat eine große Nachfrage zu Töpfer-Kursen ausgelöst. Drei Jahre später habe ich die Räumlichkeiten in Pressbaum gefunden und seitdem gibt es die Töpferstube Wienerwald.