Schule in Covid-19-Zeiten: „Matura ist nicht geschenkt“. Die Pressbaumer Mimi Büchler und Dennis Sezer, Schüler des BORG Neulengbach, berichten im NÖN-Interview über die Herausforderungen und Chancen der Matura in Covid-19-Zeiten.

Von Monika Närr. Erstellt am 17. April 2021 (03:19)
Mimi Büchler und Dennis Sezer (vorne) gaben Monika Närr (hinten) im Frühlingsgespräch Einblick, wie sie die Matura in Coronazeiten erleben. 
Büchler

Mimi Büchler und Dennis Sezer besuchten erst beide die NMS in der Pressbaumer Fünkhgasse, darauf aufbauend das BORG Neulengbach. In wenigen Wochen absolvieren sie die Matura. Im Gespräch mit der NÖN erzählen sie, wie es ihnen damit in Zeiten wie diesen geht.

NÖN: Ab 20. Mai maturiert ihr schriftlich in drei Gegenständen, mit einer zusätzlichen Stunde Arbeitszeit und ohne mündliche Prüfungen. Wie geht es euch mit dieser Situation?
Mimi Büchler: Es ist jedenfalls eine Erleichterung. Ich denke, auch für unsere Lehrer. Wir bekamen im Home-Schooling mehr Zeit zur Vorbereitung auf Schularbeiten und wurden in Nebenfächern nicht so zugepflastert. Auch, dass die schriftliche Matura nach hinten verlegt wurde, ist hilfreich.
Dennis Sezer: Das Ärgste war immer die Ungewissheit, öfter hieß es, alles kann sich noch ändern. Das Gefühl der Unsicherheit war schirch, ob wir vielleicht doch mündlich maturieren müssen.

„Es wurde durch Corona ziemlicher Druck aufgebaut.“ Mimi Büchler

Wo lagen für euch die speziellen Herausforderungen beim Lernen in Corona-Zeiten?
Büchler: Es wurde durch Corona ziemlicher Druck aufgebaut. Wir mussten uns viel mehr durch Selbststudium erarbeiten. Vor allem anfangs war das schwer.
Sezer: Wir hatten zwar Streams, mussten uns aber beibringen, wie wir durch Selbstorganisation lernen. Im Nachhinein betrachtet war es eine gute Vorbereitung auf das Studium.

Wie ging es euch mit der für die Matura erforderlichen Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA)? Hier war euch heuer ja freigestellt, ob ihr nach der Benotung noch eine mündliche Präsentation anschließen wollt.
Büchler: Die Dichte und Kürze einer fünfminütigen Power Point Präsentation wäre nochmals ein großer Mehraufwand gewesen. So ist es als Thema abgehakt und ich kann mich auf die Matura konzentrieren. Generell konnten wir für die VWA mit unseren Betreuungslehrern gut in Kontakt bleiben und persönliche Online-Gespräche vereinbaren.
Sezer: Ich habe die VWA aufgeschoben auf den Herbst. Jetzt wird einmal die achte Klasse abgeschlossen, dann kommt die Matura und über den Sommer schreibe ich nachträglich die VWA. Ich begann einfach nicht rechtzeitig damit und wollte mich jetzt nicht noch mehr stressen.

Wie habt ihr das Distance Learning des letzten Jahres generell erlebt?
Büchler: Am Anfang war es für Lehrer und Schüler komplett neu. Es klappte nicht immer gleich alles, hat sich dann aber recht gut entwickelt. Letztes Schuljahr hatten wir hauptsächlich Arbeitsaufträge und vereinzelt Streams. Heuer läuft es hauptsächlich nach Stundenplan über Streams, wir haben also eine komplette Schulsituation ohne soziale Kontakte. Als wir anfangs überfordert waren, hatten unsere Lehrer ein offenes Ohr und gingen auf uns ein.
Sezer: Bei mir lief einiges schief und ich war sicher auch selber schuld. Die Aufmerksamkeitsspanne ist daheim vor dem Computer viel geringer. Für mich war es prinzipiell schwierig, mich im Lockdown zu motivieren. Ich erledigte meine Aufgaben, aber immer auf den letzten Drücker.

Heuer läuft es hauptsächlich nach Stundenplan über Streams, wir haben also eine komplette Schulsituation ohne soziale Kontakte

Was plant ihr nach der Matura?
Büchler: Im Sommer möchte ich es einmal genießen, nichts zu tun. Dann möchte ich ein Freiwilliges Soziales Jahr anschließen, am liebsten mit Kinderbetreuung. Ich möchte praktische Arbeitserfahrung sammeln und mir klar werden, was ich danach arbeiten oder studieren will.
Sezer: Im Sommer möchte ich kontinuierlich, aber gemütlich, meine VWA schreiben. Dann tendiere ich zum Zivildienst und würde gerne in einem Kindergarten arbeiten. Und danach wahrscheinlich Sport und Mathematik für`s Lehramt studieren.

Wo liegen aus eurer Sicht derzeit die besonderen Herausforderungen für Lehrer und Eltern?
Büchler: Für Lehrer waren die elektronischen Gruppenarbeiten eine große Herausforderung und abzuschätzen, wie viel sie uns zumuten können. Sie konnten schwächere Schüler leichter verlieren, weil sie nicht so merkten, ob sie mitgingen.
Sezer: Wir sind alt genug, unsere Eltern waren außen vor. Aber Eltern von Volks- und Unterstufenschülern mussten ihre Kinder unterstützen, mit ihnen arbeiten oder Nachhilfe zahlen.

Was gilt es aus eurer Sicht noch zu beachten?
Büchler: Die Matura ist bestimmt nicht geschenkt. Sie ist anders, erarbeitet durch den anstrengenden Mehraufwand des Lockdowns.
Sezer: Es wäre besser gewesen, wenn alle Lehrer bei den Streams von Anfang an aufgedrehte Kameras von uns Schülern verlangt hätten. Dann hätten sie klarer gesehen, ob und was die Schüler verstehen.