Stadtrats-Posten für Finanzen muss neu besetzt werden. Ein halbes Jahr vor der Gemeinderatswahl muss der Stadtrats-Posten für Finanzen interimistisch neu besetzt werden.

Von Monika Närr. Erstellt am 17. Juli 2019 (04:30)
Kindler
Für Josef Wiesböck war es am vergangenen Dienstag die letzte Gemeinderatssitzung in Pressbaum.

Josef Wiesböck legte überraschend seine Funktion als Stadtrat für Finanzen und Personal per Ende August zurück. Im Gespräch mit der NÖN zieht er Bilanz über zwölf erfolgreiche Jahre im Gemeinderat.

NÖN: Was war Ihr größter Erfolg, was Ihre größte Herausforderung?
Josef Wiesböck: In meiner Funktion gab es nie ein Minus auf dem Gemeindekonto. Ein weiterer Erfolg war die Strukturierung der Gemeinde als mittelständisches Unternehmen mit 70 Beschäftigten. Den größten Arbeitsaufwand und die größte Komplexität brachte sicher das neue Feuerwehrgebäude mit sich. Aber auch die vermögensrechtliche Auflösung des Volksschulverbands, als Tullnerbach und Wolfsgraben eine eigene Volksschule bekamen, war eine Herausforderung.

„Nie ein Minus auf Gemeinde-Konto“ 

Was war ihr intensivster Lernprozess als Stadtrat?
Ich arbeite auch im Brotberuf im öffentlichen Dienst, im Landwirtschaftsministerium. In Pressbaum war ich mit den Personalagenden aber auch Dienstgeber. Da ist Fingerspitzengefühl gefordert zwischen der sozialen Komponente und den Ansprüchen der Gemeindetätigkeit.

Was werden Sie vermissen?
Das Mitdenken und Mitreden für Pressbaum wird mir fehlen.

Wie kam es so plötzlich zu Ihrem verfrühten Rücktritt?
Ich habe das ein Jahr lang mit meiner Familie diskutiert und einstimmig beschlossen. Man muss wissen, wann es Zeit ist aufzuhören und das rechtzeitig tun. Irgendwann geht die Dreifachbelastung Brotberuf – Familie – Gemeindearbeit nicht mehr.

"Es ist wichtig, Junge und Frauen rechtzeitig mit hineinzunehmen in diverse Gremien" Josef Wiesböck

Welche persönliche Bereicherung nehmen Sie aus den letzten zwölf Jahren mit?
Sehr positiv habe ich die Zusammenarbeit mit dem Land erlebt. Auch in schwierigen Situationen hatten wir eine partnerschaftliche Ebene und Diskussionsbasis und konnten Dinge bewegen.

Was wünschen Sie dem Bürgermeister und der Gemeinde?
Dem Bürgermeister wünsche ich, dass er die Gemeinderatswahlen gewinnt. Der Gemeinde wünsche ich, dass sie alles schafft, was sie sich vornimmt.

Haben Sie eine Präferenz für Ihre Nachfolge?
Da halte ich mich heraus. Sicher muss es eine Person sein, die ein Grundverständnis mit dem Bürgermeister hat. Es ist auch wichtig, Junge und Frauen rechtzeitig mit hineinzunehmen in diverse Gremien.

Ihr überraschender Rücktritt hat auch Betroffenheit ausgelöst. Wie gehen Sie damit um?
Ich gebe schon zu, es gibt optimalere Zeitpunkte. Aber irgendwann geht es nimmer. Ist der Kopf nicht mehr da und auch die Kraft fehlt. Ob mein Rücktritt in dieser Form höflich oder freundlich war, wage ich selbst zu bezweifeln. Aber es ist und bleibt eine zutiefst persönliche Entscheidung.

Was werden sie die kommenden Tage machen?
Im Garten Himbeeren pflücken und Unkraut zupfen.