Mit Don Giovanni im Bad. Das Bad dient den Künstlern der Region Purkersdorf als Sommer-Probebühne und Arbeitsplatz.

Von Monika Närr. Erstellt am 26. Juli 2020 (10:51)
Der schalkhafte Regisseur Wolfgang Gratschmaier (r.) brachte eine selbst gebastelte Probebühne mit. Bademeister Milen Enchev (Mitte), selbst Eventmanager im Bereich Klassik und Crossover, hat immer besondere Freude beim Austausch mit seinen Künstlergästen.
Monika Närr

Der Tullnerbacher Volkopernsänger Wolfgang Gratschmaier führt heuer das fünfte Jahr Regie bei der MozartOPER der Sommerakademie der Wiener Philharmoniker. Mit der Badnerin Stephanie Schimmer als Co-Regisseurin schlugen die beiden Vollblutkünstler vergangene Woche im Pressbaumer Livingroom ihren Arbeitsplatz, im Schwimmbad ihre Probebühne auf. „Wie beim Skifahren stecken wir einen Parcours ab mit roten und blauen Toren. Jede Szene wird mit den Figuren durchgespielt, jeder Spielzug vorausgeplant“, so Gratschmaier. Auftritte, Intensität, Tempo, Licht, technisches Umfeld - die heurige Mozartoper Don Giovanni wurde jedenfalls am Tisch des Livingroom konstruiert.

„Wenn uns nichts mehr einfällt, gehen wir schwimmen“, so der Künstlerische Leiter der Schloss Thalheim Classic, der die Oper natürlich auch heuer wieder an seinem eigenen Spielort aufführt. Da dem kreativen Regie-Pärchen aber immer etwas einfällt, kommt es vor, dass sie die Partitur auch mit ins Wasser nehmen. Schimmer ist eine triathlon-erfahrene Schwimmerin, Gratschmaier ein Freischwimmer, der gerne im Bad singt. „Wir sind hier im Freibad der internationalen Oper“, meint der Tenor verschmitzt. Und weiter: „Mit Don Giovanni wird diese zum Krimi mit Mord, wir planen also quasi auch eine Soko Pressbaum“, führt er mit eloquentem Elan aus.

„Wenn uns nichts mehr einfällt, gehen wir schwimmen.“ Wolfgang Gratschmaier

Schimmer ergänzt: „ Gratschi braucht mich. Er ist Spezialist für Liebessachen. Ich bin Spezialistin für alle grauslichen Szenen, wo es um`s Eingemachte geht. Das hat sich immer irgendwie so ergeben“, lacht die Künstlerische Leiterin der Comödie Fürth. Da Frauen „anders ins Leben und ins Theater schauen als Männer, hat sich diese Paarung von weiblicher und männlicher Zusammenarbeit für mich als die beste erwiesen“, so der mit Volksopernsängerin Renee Schüttengruber verheiratete Theatermacher, der bereits 2018 gemeinsam mit Schimmer Tosca im Pressbaumer Opernbad erarbeitete.

Kulturaffiner Bademeister

Freude am Künstlerbesuch hat vor allem auch Milen Enchev, der coronabedingt diesen Sommer hier als Bademeister arbeitet: „Ich finde es toll, dass ich im Pressbaumer Bad mit so viel Kunst und Künstlern zu tun habe“, so der Eventmanager und Veranstaltungsproduzent im Bereich Klassik, Rock und Crossover. „2.063 Frauen hatte Don Giovanni, er war getrieben von One-Night-Stands“, zählt Schimmer zusammen. Und erläutert: „Er geht immer nach demselben Schema vor, hat eigene Schubladen für blonde, blasse, kleine oder große Frauen.“ Sie sieht Don Giovanni als einen Suchenden, getrieben von der Sucht nach Liebe. Dass Frauen in ihn das Bild des perfekten Mannes projizieren, lauge ihn immer mehr aus, wird schließlich der Grund für seinen Tod. „Er hat keine Angst davor, er weiß, dass er sterben wird, nie glücklich werden kann, nie die Liebe finden wird“, ist der Zugang der engagierten und reflektierten Regisseurin, die auch Don Giovanni-Abhandlungen des österreichischen Psychiaters Erwin Ringel zitiert. Und Pendant Gratschmaier ergänzt: „Giovanni bleibt immer in Distanz zu seiner Liebschaft, er ist wie ein Rennfahrer, die Damen sind seine Ferraris.“

Don Giovanni gilt als die Oper der Opern, ist ein genialer Wurf mit tief erotischem Stoff. spricht mit Musik, Stimmen und der Handlung menschliche Urkräfte an.

Der Leiter der Sommerakademie der Wiener Philharmoniker, Michael Werba, holt für dieses Projekt alljährlich Studenten aller österreichischen Gesangsfakultäten zusammen. Neben den Wiener Universitäten MUK und MDW nehmen auch Jungsänger des Salzburger Mozarteums, der Linzer Bruckneruni sowie aus Graz und Innsbruck teil.

Die Aufführungen finden am 24. September im Grazer Musikverein (Stephaniensaal) und am 27. September in Schloss Thalheim und am 4. Oktober im Wiener Konzerthaus (Mozartsaal) statt.