Avatar als soziales Bindeglied für für chronisch kranke Kinder

Erstellt am 19. Januar 2022 | 04:45
Lesezeit: 4 Min
Therapeutisches Hilfsmittel: Chronisch kranke Kinder mit Anbindung an ein Spital erhalten Unterstützung im Schulalltag durch einen kleinen Roboter. Wir sprachen mit der Pressbaumerin Andrea Kutschera von der Neuroonkologie der Wiener AKH-Kinderklinik.
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Wenn die Glocke die Unterrichtsstunde einläutet, steht er bereits im Klassenzimmer: Ein kleiner Roboter, der für chronisch kranke Kinder und Jugendliche die Schulbank drückt.

Der sogenannte Avatar ist ein Telepräsenzsystem und ermöglicht Schülern, die durch lange Spitalsaufenthalte den sozialen Anschluss an ihren Klassenverband verloren haben, die Videokommunikation mit ihren Mitschülern und Lehrern. Der Avatar ist ein Projekt der Heilstättenschule Wien, der Meduni Wien, der Uni Klagenfurt und dem Beratungsunternehmen „Die Berater“. Momentan sind 33 Geräte in Österreich im Einsatz.

Unterricht für kranke Kinder an Spitälern

Die Pressbaumerin Andrea Kutschera (Reintegrationslehrerin der Heilstättenschule Wien an der AKH-Kinderklinik) begleitet krebskranke Kinder und Jugendliche auch in der Nachsorge auf ihrem schulischen Weg.

Die Heilstättenschule Wien ist eine öffentliche Pflichtschule der Bildungsdirektion Wien, deren 180 Lehrkräfte kranke Schüler in den Spitälern stationär, mobil an den Stammschulen sowie zuhause unterrichten.

Vernetzung von Schule, Spital und Familien

Kutschera ist seit über zehn Jahren an der Neuroonkologie der Kinderklinik im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) in Wien tätig. Sie kümmert sich als Reintegrationslehrerin um die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch von Eltern, Schule, Ärzten und Behörden. Sie klärt Lehrer und Mitschüler über den Krankheitsverlauf der betroffenen Kinder auf und berät die Schulleitung bei Unterstützungsmöglichkeiten und rechtlichen Fragen, um die Rückkehr an die Stammschule zu vereinfachen, oder organisiert Hausunterricht.

„Mit dem Avatar können wir Kindern, die es noch nicht schaffen wieder regelmäßig zur Schule zu gehen, eine weitere Möglichkeit anbieten“, so Kutschera. Nach Absprache mit der Familie und Aufklärung der Mitschüler übergibt Kutschera die weitere Organisation an ihre Kollegin Gerda Rockenbauer.

Avatar hilft sozialen Anschluss nicht zu verlieren

Rockenbauer arbeitet seit Anfang 2020 an der Heilstättenschule und ist für Telepräsenzsysteme in ganz Österreich zuständig. Davor war sie Schulleiterin der Hans Radl Schule in Wien - eine Schule für Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen. Diese Schule übernimmt viele chronisch kranke Kinder nach einem Aufenthalt im AKH.

In ihrer Zeit als Schulleiterin kam sie erstmals in Kontakt mit dem Avatar, der von der mobilen Heilstätten-Lehrerin Monika Fuchs-Brantl von der Herstellerfirma „No Isolation“ aus Norwegen nach Österreich gebracht wurde.

Feedback nach Avatar-Einsatz sehr positiv

„Das Feedback der betroffenen Kinder, Mitschüler und Lehrer ist sehr gut. Der Avatar ist vor allem für die soziale Integration entwickelt worden. Chronisch erkrankte Kinder fallen oft von einem Tag auf den anderen aus ihrem sozialen Umfeld heraus und bewegen sich in einer Blase, in der es nur um ihre Erkrankung geht. Der Avatar übernimmt im Klassenverband die Rolle des „kranken Kindes“, berichtet Rockenbauer.

Vor dem Einsatz des Avatars müssen die Eltern der Mitschüler und die Schule informiert werden, eine Aufgabe die Rockenbauer persönlich übernimmt. Der Einsatz des Geräts wird in einer Studie der Meduni Wien, der Uni Klagenfurt und von „Die Berater“ beforscht und enthält auch das Feedback aller Beteiligten.

Der Avatar ist handlich und leicht zu bedienen. Die Mitschüler nehmen das Gerät mit in andere Räume, zu Schulfeiern und auch bei Ausflügen und Kennenlerntage kam der Avatar bereits zum Einsatz. Der Avatar und das zugehörige Tablet sind registriert und können nicht mit anderen Geräten verbunden werden. Das Gerät ist versichert und mit keinerlei Kosten für die betroffene Familie verbunden.

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